Boizenburg : Luftschifffahrt in der Elbewerft

Nach zwei Stunden war es endlich soweit. Elise hängt am Haken und wird nach der neunwöchigen Rundüberholung zu Wasser gelassen.
Nach zwei Stunden war es endlich soweit. Elise hängt am Haken und wird nach der neunwöchigen Rundüberholung zu Wasser gelassen.

Fahrgastschiff MS Elise wird nach neunwöchiger „Schönheitskur“ per Kran wieder zu Wasser gelassen

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16. Januar 2018, 20:45 Uhr

Lange zierte sich Elise am kalten Montagmorgen, bis sie endlich am Haken war und in ihr Wasserbett getragen werden konnte. Vier starke Männer haben sie zu ihrem Glück gezwungen. Ihr Gewicht spielte dabei eine gewisse Rolle. Schließlich wiegt  Elise um die 80 Tonnen. In jedes Bett passt die reisebegeisterte Dame damit nicht.

Jetzt aber Spaß beiseite. Bei Elise handelt es sich um ein Fahrgastschiff, dass sonst zwischen Wittenberge und Geesthacht auf der Elbe schippert. Betrieben wird es seit 2010 von Andreas Heckert. Dessen gleichnamige Reederei liegt mit dem Schiff abwechselnd im Dömitzer Hafen oder vor dem niedersächsischen Ort Hitzacker vor Anker. Von dort starten Heckert und seine Partnerin Carina Schmidt auf Touren zur Erkundung und Entdeckung der Elbtalaue. Dabei Kooperieren sie häufig mit dem Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe.

Spurlos gehen diese Touren nicht an dem Wasserfahrzeug vorbei, sodass es regelmäßig auf Vordermann gebracht werden muss. Eine solche Generalüberholung stand nun wieder an. Dafür wurde Elise zur Boizenburger Werft gebracht. „Neun Wochen habe ich an dem Schiff gearbeitet“, erzählt Heckert über die Dauer der Verjüngungskur. Hierbei versah der Reeder sein Schiff nicht nur mit neuer Farbe. „Wir haben auch zwei neue Motoren eingebaut und erfüllen damit jetzt die neusten Umweltauflagen“, so Heckert weiter. Zukünftig wird Elise von zwei 265 PS starken Dieselmotoren angetrieben. „Die alten Motoren hatten zwar etwas mehr Leistung, waren aber weitaus nicht so umweltfreundlich“, ist der Reeder stolz auf seine Investition. Rund 100 000 Euro habe alles  gekostet, rechnet Heckert schnell zusammen. Darin enthalten sind auch die zwei neuen Antriebsschrauben, die Elise durch alle Untiefen in der Elbe manövrieren sollen. Dies waren Notwendige Maßnahmen. Schließlich zählte der alte Antrieb über 40 Lenze. Elise wurde mit ihm im Jahr 1974 im Rheinland zu Wasser gelassen.

Die Wahl, für seine Wartungsarbeiten zur Elbewerft zu gehen, hat laut Heckert, vor allem einen Grund: „Es ist gut hier. Wir können im Trockenen arbeiten und selbst bei Minusgraden sind es in der Halle noch zehn Grad plus.“

Bei all den „Annehmlichkeiten“ der Boizenburger Werft waren die Nerven von ihm und Schmidt am Montagmorgen  dennoch bis zum Zerreißen gespannt. „Nach der gewaltigen Aktion mit dem Einbau der Motoren ist einem schon mulmig, wenn die ganze Existenz an einem Haken und ein paar Bändern hängt“, gibt Schmidt beim Blick auf das Fahrgastschiff zu, nachdem die Tore des Trockendocks geöffnet wurden.

Und die Spannung sollte sich bei den beiden Schiffsführern noch ein wenig halten. Nicht nur, dass Elise sich zierte, aus der trockenen und warmen Werfthalle zu kommen, auch am Kran hatte sie zunächst eine gewisse Schräglage. Die Werftarbeiter mussten die Gurte erst noch einmal nachjustieren. Dann schauten aber alle stolz auf das Schiff über ihren Köpfen. Oft kommt es nämlich nicht mehr vor, dass Wasserfahrzeuge in der Boizenburger Werft stehen.  Drei Schiffe seien es im Jahr 2017 gewesen, berichteten die Arbeiter auf der Elbewerft. Zur Zeit werden in der riesigen Halle Metallarbeiten für große Gaslager durchgeführt.

Wegen dieser Arbeiten wurde es auch Zeit für Elise, die Werft wieder zu verlassen. Der Platz für die großen grauen Metallelemente wurde langsam knapp. Vielleicht spürte das Schiff diesen Druck  und ließ sich deswegen etwas bitten, ins Wasser zu kommen.

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