zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

22. August 2017 | 20:45 Uhr

Hagenow : Lötkolben gegen Farben getauscht

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Maler und Künstler Helge Schernikau hat einen eigenen Fernsehturm und ansonsten mit Scheinmoral und Netzwerken nicht viel am Hut

„Ich hab’ sogar meinen eigenen Fernsehturm“, sagt Helge Schernikau und zeigt grinsend auf eine knapp drei Meter hohe Installation - einen Glasschrank mit übereinander gestellten Bildröhren. Die Wände seiner Wohnung sind mit Seiten aus englischen Musikzeitungen plakatiert. Das spare Tapeten und sei außerdem originell, meint der gebürtige Kölner, der seit acht Jahren in Hagenow am Sudenhofer Damm lebt. Seine Einmann-Firma nennt er „kopflos industries“, was er jedoch nicht auf seine Kreativität umgemünzt sähe. Bilder, Drucke, 3-D-Grafiken und Unikate der verschiedensten Art treten den Beweis an, dass der gelernte Radio- und Fernsehtechniker alles andere als kopflos ist. Seine Kunstwerke seien für ihn wie Möbel, sagt Schernikau, der vor 20 Jahren den langweilig gewordenen Lötkolben gegen Pinsel und Farben tauschte. Und die Welt des Abstrakten wie Gegenständlichen eroberte, mit Sichtweisen, die dem Betrachter Verblüffung und Fragezeichen zugleich ins Gesicht zaubern.

Das versteckt liegende Haus, in dem er wohnt und das sein Atelier beherbergt, sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, verrät der 61-Jährige, als er SVZ-Redakteur Thorsten Meier die beliebten Fragen zum Wochenende beantwortet. Bei einem Pott Kaffee, während sich im Hintergrund progressive Goa-Musik in das Hirn hämmert. Ob er leiser machen solle, fragt Schernikau. Nee, muss er nicht.....

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
Ich arbeite, um zu leben. Man wird geboren, hat vielleicht 80 Jahre und muss zusehen, was man aus dieser verdammt langen Zeit Sinnvolles macht. Das ist nicht immer einfach. (grinst)
Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Am Sudenhofer Damm in meinem großzügigen Atelier. Hier habe ich nicht nur meinen Firmensitz, sondern fühle mich auch als Privatmensch wohl.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Auf dem Bau. Mein Vater war Architekt, so konnte ich ab und zu als Handlanger arbeiten. Steine schleppen, Beton mischen und Fundamente mit der Hand ausschachten, also schwer verdientes Geld.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für ein Mofa der Marke Puch, Typ Maxi. Ich habe es aber leider längst nicht mehr.
Wo findet man Sie am ehesten?
In meinem Atelier, ringsherum ist alles grün und die Nachbarn sind wohltuend weit weg. Hier geht mir keiner auf die Nerven, bin ich schön für mich.

Was stört Sie an anderen?
Wenn es im Umgang miteinander an Respekt mangelt. Wenn Menschen glauben, soziale Netzwerke sind die neuen Freundschaften. Wenn Umwelt und Natur mit Füßen getreten werden. Wenn die Moral der Gesellschaft auf dem Nullpunkt ist. Oder sich scheinheilig gibt. Ach, es gibt eigentlich so viel, was mich stört....
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Helden gibt es für mich nicht, aber Menschen, die sich um andere kümmern. Zum Beispiel Ärzte ohne Grenzen oder Mediziner, die nach langen Schichten in Krankenhäusern in ihrer Freizeit auf der Straße auch noch Obdachlose behandeln. Oder diejenigen Zeitgenossen, die sich in der Tierrettung engagieren. Da habe ich großen Respekt vor.

Was bedeutet Ihnen persönliches Glück?
Dass ich gesund bin und mein Auskommen habe.
Sind Sie ein Kopf- oder eher ein Bauchmensch?
Eher Bauchmensch.
Wonach suchen Sie im Leben?
Nach Zufriedenheit. Das gelingt, in dem ich mache, was ich mache. Ich verbiege mich nicht mehr, damit es passt. Da habe ich einfach keinen Bock mehr drauf. Denn schließlich verleugnet man sich ja damit nur selber.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Ein schön gekühltes Bier.
Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?
Ich bin wunschlos glücklich, muss nicht reisen, brauche kein dickes Portemonaie, kein großes Auto oder eine schnelle Yacht. Auf all das kann ich verzichten.
Wen würden Sie gern mal auf einen Becher Kaffee treffen?
Iggy Pop, der ist so schön exentrisch und macht geile Musik. (Iggy Pop ist ein US-amerikanischer Sänger, Gitarrist, Komponist, Schlagzeuger und Schauspieler. Der als „Godfather of Punk“ oder „Rock Iguana“ bezeichnete Musiker wird als Wegbereiter und Begleiter des Punkrock und verwandter Stile angesehen. Anm. d. R. )
Können Sie sich mit nur einem einzigen Wort beschreiben?
exzessiv glücklich.
Wo ist für Sie Heimat?
In Hagenow, ich habe hier alles, was ich brauche. Ich mag die Umgebung.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer ersten Reise?
An die Länder Italien und Frankreich, die ich mit meinem ersten eigenen Auto, einem BMW, erkundete. Die sehen dort das Leben viel entspannter als wir Deutschen.
Wenn Sie kochen oder Essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Ich liebe Fleisch in jeder Form. Also von Rehbraten bis Ente. Und die asiatische Küche mag ich auch sehr. Ich esse gern scharf.
Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Auf Musik, die drückt für mich Lebensgefühl aus.
Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Hoffentlich immer noch an der Staffelei.

Wem sollen wir ebenfalls diese Fragen stellen?

Ich wüsste jetzt keinen.

zur Startseite

von
erstellt am 17.Jun.2017 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen