Neuhof : Letzter Strohhalm: Stammzellen-Spende

Vier Stunden hat eine Spende gedauert.
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Vier Stunden hat eine Spende gedauert.

Stefanie Ulbrich spendete einer an Leukämie erkrankten Frau Stammzellen und rettete ihr das Leben

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07. Juli 2015, 20:42 Uhr

„Wenn ich könnte, würde ich noch zehn Mal Stammzellen spenden“, sagt Stefanie Ulbrich entschlossen. Anders als viele Menschen denken, sei das Prozedere um eine Stammzellspende und die Spende selbst mit relativ wenig Aufwand verbunden.

Vor fast zehn Jahren hat sich Stefanie Ulbrich bei einem Blutspende-Termin beim Deutschen Roten Kreuz in Wittenburg typisieren lassen. „Heute kennt man das ja aus der Werbung, wo aus dem Mund ein Abstrich genommen wird. Damals ging das noch nicht so einfach“, erinnert sie sich. So wurde ihr Blut abgenommen, um daraus bestimmte Gewerbemerkmale zu analysieren. „Um als Spender in Frage zu kommen, müssen bestimmte Gene zwischen Spender und Patient übereinstimmen“, erklärt Grit Gröbel von der Deutschen Stammzellspenderdatei. Mit 100 000 registrierten Spendern ist die DSD eine der größten Dateien in Deutschland zur Gewinnung von Freiwilligen, die sich bereit erklären, anonym und unentgeltlich mit einer Blutstammzellspende Leukämie-Erkrankten zu helfen. „Die Wahrscheinlichkeit für einen erkrankten Menschen den genetischen Zwilling zu finden, liegt weltweit zwischen 1:600 und 1:1 Billion“, so Gröbel.

Genau deswegen wollte Stefanie Ulbrich helfen. Doch bis zum vergangenen Oktober passierte dann nichts. „Und plötzlich bekam ich ein kleines Paket mit Röhrchen zugeschickt. In einem Brief dazu stand, dass meine Stammzellen dringen gebraucht werden.“

Wie schon bei der Typisierung, zögerte Stefanie Ulbrich auch hier keinen Moment. „Man muss sich bewusst werden, dass die Blutkrebs-Patienten nach einer harten Chemotherapie keinerlei Abwehrsystem mehr haben. Dann heißt es, entweder ein Spender wird gefunden oder sie sterben.“

Vier Stunden hat die Abnahme ähnlich einer Blutspende gedauert. Da die Menge der Stammzellen beim ersten Mal nicht ausreichend war, spendete die Mutter eines Sohnes noch ein weiteres Mal. „Die Blutmenge ist abhängig vom Körpervolumen“, erklärt die kleine , zierliche Frau. Bei der Spende selbst habe sie sich gut gefühlt. „Absolut keine Rede wert“, sagt Stefanie Ulbrich nur. Für wen sie spendete, wusste sie nicht. „Das war ja auch egal. Für die Empfänger sind Stammzellen der letzte Strohhalm.“

Sechs Wochen später. Aus dem Briefkasten holt die Neuhauserin eine Karte: „Hallo liebe Stefanie“ steht in fein säuberlicher Schrift darin geschrieben. „Ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Sie haben mir sehr geholfen und ein neues Leben ermöglicht. Danke für dieses einmalige Geschenk. Lotti.“

Lotti war die Empfängerin der Stammzellen von Stefanie. Woher sie kommt, weiß sie nicht. „Lotti wurde 1952 geboren, das weiß ich. Und, dass es ihr gut geht. Sie wurde im Mai aus der Transplantationsklinik entlassen“, erzählt die 32-Jährige. Allein für dieses Dankeschön, mit dem Stefanie Ulbrich nie gerechnet hätte, habe sich die Spende gelohnt, meint sie.

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