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Hagenower Kreisblatt

22. November 2017 | 23:24 Uhr

Letzter Akt: Friese-Orgel wird saniert

vom

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2013 | 06:11 Uhr

Marsow | Überraschung für die Orgelbauer. Henrik Jarmatz steht vor der Kirchentür, in der einen Hand ein Tablett mit frisch gebackenem Kuchen. In der anderen eine Thermoskanne mit heißem Kaffee. "Ich weiß, wie es den Jungs da drinnen geht", sagt Jarmatz. Er ist selbst Orgelbauer, wohnt im benachbarten Körchow und kennt Stefan Kaufmann noch aus der Berufsausbildung. Stefan Kaufmann ist seit dem Morgen in der kalten Kirche. Er trägt Mütze und Handschuhe. Das Thermometer innen zeigt null Grad. Gemeinsam mit seinem Kollegen Jan Schumacher baut er die Orgel auseinander. Die Klaviatur ist schon in einer Kiste verpackt, auch die Metallpfeifen stehen transportbereit und nach Größe sortiert auf dem Boden der Empore.

Am Nachmittag wollen die Männer der örtlichen Feuerwehr vorbeikommen und helfen, die zentnerschwere Windlade der Orgel mit Gurten nach unten zu hieven. Zweieinhalb Tage dauert der Ausbau der alten Friese-Orgel. Ihre Sanierung ist eine der letzten guten Taten des Fördervereins, der sich vor zwölf Jahren zum Erhalt der Marsower Feldsteinkirche gegründet hat. "Die Restauration der Wandmalereien und der Orgel, das waren damals unsere zwei großen Vorhaben", sagt Gründungs- und Vorstandsmitglied Detlef Westphalen. Dass während der Sanierungsarbeiten unter den Holzdielen großflächig Hausschwamm entdeckt worden war, sei für Westphalen heute Fluch und Segen zugleich. Denn die Berichterstattung über den herben Rückschlag des kleinen Vereins habe damals eine Welle der Solidarität mit den Marsowern ausgelöst. So habe ein ehemaliger Pastor des Hamburger Michel sich von seinen Geburtstagsgästen Spenden statt Geschenke gewünscht. Auf diese Weise sei der Verein zu fast 9000 Euro gekommen, die jetzt mit in die Orgelsanierung fließen. 3000 Euro kommen von der Sparkassenstiftung, 1600 Euro von der Kirchgemeinde, 5200 Euro vom Kirchenkreis MV und 8000 Euro von der Nordkirche.

In der Werkstatt des Rostocker Orgelbauers Johann-Gottfried Schmidt werden die Pfeifen in den nächsten Wochen repariert und zur Hälfte komplett erneuert. "Viele Holzpfeifen sind durchsetzt vom Mehlstaub der Holzwürmer und einfach nicht mehr zu retten", sagt Stefan Kaufmann. Er geht davon aus, dass die Pfeifen noch nie gereinigt wurden. "Wir haben hier Staub und Dreck aus einhundert Jahren herausgepustet." Wann die Orgel wieder bespielbar sein wird, vermag Kaufmann nicht zu sagen. Einfach wird die Sanierung nicht. Denn Orgelbauer Friedrich Friese war vermutlich während des Baus dieser Orgel gestorben, danach hatte Marcus Runge die Arbeit fortgesetzt. "Ihre beiden Handschriften merkt man der Orgel an", sagt Stefan Kaufmann. "Das macht die Sache einmal mehr zur Herausforderung."

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