zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

18. November 2017 | 13:29 Uhr

Geschichte : Letzte Ruhestätte in Arlington

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Manfred Römer berichtete über die Bergung des zum Kriegsende getöteten Fliegers

svz.de von
erstellt am 01.Mai.2015 | 16:47 Uhr

Am 17. Juni wird Manfred Römer aus Rosien zusammen mit den hinterbliebenen  Familienangehörigen des Second Lieutnant John William Herb (†13.4.1945) auf dem amerikanischen Nationalfriedhof in Arlington  der Beisetzung der sterblichen Überreste des jungen Fliegers beiwohnen. Am vergangenen Dienstag war ihm die Einladung ins Haus geflattert, zusammen  mit einem Brief,  aus dem große Dankbarkeit spricht.

Denn Manfred Römer ist es zu verdanken, dass das Schicksal des Soldaten, dessen Flugzeug  am 13. April 1945 über dem Bohldamm abgeschossenen wurde, aufgeklärt werden konnte (SVZ berichtete). Der Flieger konnte sich aus dem brennenden Flugzeug retten, wurde dann aber erschossen und unweit der Absturzstelle verscharrt.

Römer war fünf Jahre alt, als er das Flugzeug abstürzen sah und die Frage, ob der Pilot irgendwann geborgen und  dann an anderer Stelle beerdigt worden war, oder ob er immer noch dort lag, ließ ihn nicht los. Über die intensive Recherche, die vielen Kontakte, die daraus entstanden,  die langen Gespräche mit Zeitzeugen  bis hin zur Bergeaktion durch ein Team der amerikanischen Behörde JPAC im vergangenen Jahr berichtete Manfred Römer am vergangen Dienstag im Haus des Gastes.

Langsam hätten sich die Hinweise verdichtet, dass es dort im Bohldamm noch ein Grab gebe, so Römer. Er beschrieb anschaulich in einer Präsentation mit Fotos, wie es Schritt um Schritt weiterging. Vor vier Jahren hatte der Rosiener mit seinen Nachforschungen angefangen. Sie sind nun zwar in gewissem Sinne abgeschlossen, weil die Bergung erfolgreich verlaufen ist und auch die Identität des John W. Herb schließlich zweifelsfrei ermittelt werden konnte. Aber zu Ende ist das Thema für Römer dann doch noch nicht - siehe Einladung nach Arlington.

Der junge amerikanische Soldat war 1922 in University Heights in Ohio geboren und daher erst 23 Jahre alt, als er im Bohldamm ums Leben kam. Zeit, eine eigene Familie zu gründen, hat er wohl nicht gehabt. Aber es gibt Vettern und  Cousinen beziehungsweise deren Kinder. Manfred Römer wird im Juni in den USA  sicher mehr erfahren. Seinem Vortag im Haus des Gastes folgten rund 20 Personen, also nicht sehr viele. Das passt auch zu den Diskussionen, die Römer immer wieder geführt hatte in den vergangenen vier Jahren. Nämlich der Frage nach dem Sinn der aufwendigen Suche und Rückführung. 

Für ihn ist die Beschäftigung mit einem persönlichen Schicksal auch die Beschäftigung mit der Zeit und den grausame Folgen des Krieges. Die Behörde JPAC sucht noch nach etwa 88000 vermissten Soldaten der Streitkräfte der USA.

In Deutschland übernimmt diese Aufgabe der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Er erhält und betreut Gräber von mehr als 2,6 Millionen Kriegstoten auf über 800 Friedhöfen in 45 Ländern. Nach dem Fall des eisernen  Vorhangs konnten  in Osteuropa und besonders in Russland  knapp 800000 Opfer exhumiert und auf Sammelfriedhöfe umgebettet werden. Würden die sterblichen Überreste seines in Russland gefallenen und vermissten  Vaters geborgen und umgebettet, Manfred Römer würde sicher dort hinfahren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen