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Hagenower Kreisblatt

24. September 2017 | 17:37 Uhr

Leck im Sandsack-Wall abgedichtet

vom

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erstellt am 11.Jun.2013 | 12:06 Uhr

Dömitz/Heiddorf | Ruhig, aber zugleich angespannt steigen die Bewohner des Dömitzer DRK-Alten- und Pflegeheims "Elbtalaue" in die Busse und Bullis. Sie wissen, dass es sein muss. Sollte das Hochwasser erst vor der Tür stehen, wäre es zu spät. Darüber reden, das mochte gestern Früh um 7.30 Uhr niemand. Allein der Gedanke, flüchten zu müssen, ist schwer genug. DRK-Kreisgeschäftsführer Dietmar Jonitz, Pflegeheimleiterin Monika Damro und die Mitarbeiter beruhigen, machen Mut, versprechen den Flutopfern, bald wieder von Grabow zurück nach Dömitz zu kommen. So sei es doch auch 2002 gewesen. Es ist 8 Uhr, als die letzten Busse mit 49 Heimbewohnern abfahren. Für eine sehr alte Heimbewohnerin war die Aufregung offenbar doch zu groß. "Sie muss erst einmal medizinisch betreut werden", erklärt Monika Damro mit.

Auch im Psychiatrischen Pflege-Wohnheim Neu Kaliß im Bauschpark waren die 60 Bewohner und ihre Betreuer gestern schon früh auf den Beinen. Gegen 8 Uhr konnte Leiterin Thea Freitag, die seit Tagen in ständiger Verbindung mit dem Träger, dem Diakoniewerk Kloster Dobbertin, steht, dann den Abschluss der Evakuierung melden. Innerhalb von zwei Stunden waren die Heimbewohner mit LVG-Bussen nach Parchim und Bolz gefahren worden. Für die Betroffenen besonders wichtig: Dort treffen sie auch ihre Pflegekräfte wieder.

"Wir geben nicht auf", bekräftigt Amtsvorsteher Burkhard Thees gestern, als Feuerwehrleute erneut mit Tausenden Sandsäcken den künstlichen Schutzwall an der B 191 gegen die immer noch steigenden Fluten der Alten Elde und der Müritz-Elde-Wasserstraße auftürmen. Um 10 Uhr wird es dort gefährlich. Gibt der Schutz nach, schießt das Wasser im Schwall in ein Wohngebiet.

Was die Bewohner im nahen Bauschpark nicht zu Gesicht bekamen, das bereitet Feuerwehrmann Renco Warnk aus Heiddorf großes Kopfzerbrechen: Die neue Hochwasserschutzmauer rund um die ehemalige Papierfabrik wird voraussichtlich überflutet werden. Hunderte große Sandsäcke, Bigpacks, waren nochmals an und auf das Mauerwerk gestapelt worden. Es reicht immer noch nicht. Der Schweiß läuft den Helfern von Bundeswehr, Feuerwehren und zivilen Helfern in Strömen den Rücken und die Stirn hinunter. Mit normalen Sandsäcken stocken sie den Schutzwall nochmals um 30 Zentimeter auf.

In Dömitz ist das öffentliche Leben fast zum Erliegen gekommen. Bis auf einen Lebensmittelmarkt ist überall "wegen Hochwasser geschlossen". Gähnende Leere in den Regalen hinter den Glasfronten. Die Supermärkte am Floßgraben und in der Roggenfelder Straße sind ausgeräumt. Bauschaum soll auch die letzte Fuge der Türen schließen. Zusätzliche starke Folien vor den Schaufenstern sollen im Fall der Fälle das Zerbersten verhindern. Im Aldi-Markt werden bereits seit vorgestern Abend sogar die Regale selbst abgebaut. Bei "Preiswert" ein ähnliches Bild. Die Helfer sind vom Räumen erschöpft, mobilisieren ihre offensichtlich letzten Kräfte.

Eigentümer Wolfgang Rinne ist derweil dabei, die Hauseingänge seines Mietshauses in der Ludwigsluster Straße 13 in Dömitz mit Stahlplatten zu sichern. Die sind fest mit der Hausfront verschraubt. Zusätzlich verlegte Sandschläuche sollen das Wasser vom Haus fernhalten. Rinne hat sogar die Abwasserschächte freigelegt, um dort sofort abschiebern zu können.

So etwas hat Harald Markurth in all den Jahren, in denen er die Wasserkraftanlage zur Stromerzeugung "Findenwir unshier" in Heiddorf mit betreibt, nicht erlebt. Die Alte Elde und die Müritz-Elde-Wasserstraße haben den kompletten Hofbereich vor dem Wohnhaus so tief geflutet, dass sich dort sogar große Fische im Wasser tummeln. Noch ein paar Zentimeter mehr und sie gelangen in den Hausflur.

Wenn die Angst der Menschen vor der Flut jetzt auch hautnah zu spüren ist, so wird deren Hoffnung immer wieder durch kleine Erfolgserlebnisse bestärkt. Einsatzkräfte von Bundeswehr und Feuerwehr schafften es gestern gegen 14 Uhr, eine Leckage im Sandsackwall an der B 191 zu schließen. So konnte das dort auf die Straßen strömende Flutwasser gestoppt werden. Und auch die Verstärkung des Dammes am nahen Überflutungsbecken schien gestern gegen 17 Uhr geglückt.

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