Lebensretter suchen Geisterangler

<strong>An  der B 5 zwischen Ludwigslust </strong>und Boizenburg bricht eine Eiche auseinander.
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An der B 5 zwischen Ludwigslust und Boizenburg bricht eine Eiche auseinander.

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01. Juli 2012, 10:32 Uhr

Hagenow/Zarrentin/Boizenburg | "Nachdem das Unwetter etwas abgeflaut war, sind wir mit zwei Booten auf den Schaalsee raus, um einen Angler zu suchen. Eine Frau will ihn noch gesehen haben, bevor der Regensturm einsetzte", erinnert sich Reno Timm. Der junge Mann ist Jugendwart und 2. Vorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Zarrentin e. V. Mit zehn Mann habe man zwei Stunden lang nach dem angeblich vermissten Petrijünger gesucht.

"Doch Gott sei dank sind wir nicht fündig geworden. Also muss er sich wohl noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht haben", zeigt sich Timm erleichtert. Anschließend unterstützen die Lebensretter die örtliche Feuerwehr bei den Aufräumungsarbeiten in und um die Schaalseestadt. Denn allein in Richtung Testorf hat der orkanartige Sturm von Freitag Abend 14 Bäume wie Streichhölzer geknickt. Die vier Wehren im Bereich Zarrentin fahren in der Gewitternacht und den folgenden Stunden insgesamt 43 Einsätze.

Die Kameraden der FFw Zarrentin, FFw Bantin, FFw Lassahn-Neuhof sowie FFw Testorf räumen zwischen 18.45 und 23.15 Uhr im Einzugsgebiet der Stadt und in der Gemeinde Gallin insgesamt 43 Bäume oder große Äste mit Motorsägen, Seilwinden und teilweise mit Hilfe von umliegenden Bauern und deren Traktoren von den Straßen. Schwerpunkte sind die Straßen Lassahn - Kneese mit 14 Bäumen und Zarrentin - Testorf ebenfalls mit 14 Bäumen. Am Sonnabend Morgen müssen die Zarrentiner Kameraden noch weitere sechs Bäume in Richtung Schadeland räumen.

Bis Sonnabend Nachmittag sind auch die Kameraden der Hagenower Wehr unermüdlich im Einsatz, um unzählige abgebrochene Baumkronen und umgelegte Stämme zu beseitigen sowie drei vollgelaufene Keller trockenzulegen. "Mit sechs Fahrzeugen und 35 Kameraden haben wir insgesamt 30 Einsätze gefahren. Wir hatten somit alles an Technik und Belegschaft draußen", berichtet Torsten Scharrenberg. Der stellvertretende Ortswehrführer erzählt auch von einem etwa anderthalbstündigen Stromausfall im Stadtgebiet. Doch dank der Notstromversorgung und eines speziellen Funknetzes habe man die Koordinierung der Einsätze aufrechterhalten können. Um beispielsweise zum Tunnel Hagenow-Heide auszurücken. Rund 80 Zentimeter läuft der mit Regenwasser voll. Weil der Strom ausfällt, können die Pumpen das blockierende Nass nicht abtransportieren.

Mehrere Bäume blockieren auch die Bundesstraße 5 von Ludwigslust bis Boizenburg. Am Abzweig nach Warlow zur K34 kann eine alte Eiche den Kräften des Sturmes nicht mehr trotzen und bricht in zwei Teile. Eine Baumhälfte ragt quer über die Bundesstraße. Die Feuerwehren aus Kummer und Ludwigslust eilen zur Hilfe. Die Straße ist für mehrere Stunden voll gesperrt. Rund 60 Kilometer weiter, in und um Boizenburg, sind für mehrere Stunden die ICE-Bahnstrecken von und nach Berlin sowie Hamburg wegen Schäden an der Oberleitung gesperrt. Herabstürzende Äste und Bäume sorgen für den Totalausfall beim Transport. Mehrere Fahrgäste sitzen auf den Bahnhöfen fest, so auch in Boizenburg. Ersatz-Anschlußmöglichkeiten, Fehlanzeige. Das sorgt für Unmut unter den Reisenden.

Im Bereich West-Mecklenburg und der Prignitz kommt es Freitag Abend wegen des Unwetters zu mehreren Stromausfällen. Im Umspannwerk Hagenow fällt dadurch ein Transformator aus. Aufgrund der Stärke des Unwetters werden auch Ersatzsysteme in Mitleidenschaft gezogen, informiert uns gestern Jost Broichmann, Pressesprecher der Wemag AG. " Die Stromversorgung von Hagenow und umliegenden Orten wurde etwa um 18.30 Uhr unterbrochen. Techniker der Wemag und regionaler Fachfirmen konnten nach etwa 90 Minuten die Stromversorgung Hagenows wiederherstellen. Insgesamt kam es im Bereich der Wemag-Netzdienststellen Gadebusch, Hagenow und Perleberg zu 16 Störungen an der Mittelspannungsversorgung. Davon waren etwa 11000 Kunden betroffen. Die Beseitigung der Schäden dauerte bis in die Nacht."

Auch im Großraum Pritzier werden Bäume umgeknickt und entwurzelt, stundenlang fehlt der Strom, in Schwechow gibt es 23 Uhr wieder elektrisches Licht und arbeitende Kühlschränke. Das Gewitter zieht von Niedersachsen über die Elbe, quer durch Westmecklenburg bis an die Küste Vorpommerns mit Windgeschwindigkeiten in Böen von bis zu 100 Stundenkilometern und mehr sowie starkem Regen.

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