Vellahn : Leben wie zur Zeit der Postkutsche

Details der Ausstellung
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Details der Ausstellung

Bruchmühle Vellahn: Volkmar Kurkhaus muss seine historische Sehenswürdigkeit bei Minustemperaturen fast rund um die Uhr beheizen

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09. Februar 2018, 12:00 Uhr

„Ich bin derzeit den ganzen Tag damit beschäftigt, die Öfen im Musikzimmer und in der Küche einzuheizen, um das Haus ein bisschen warm zu bekommen“, berichtet Volkmar Kurhaus gegenüber unserer Redaktion. Seit 1984 lebt der heute 70-Jährige in der historischen Bruchmühle bei Vellahn und kämpft seit dieser Zeit auch gegen deren Verfall.

Sein gestriger Blick auf das Thermometer  endet bei minus zehn Grad Celsius. Eine Temperatur, die für den gebürtigen Zeitzer Stress bedeutet. „Da meine Vorräte an  trockenem Holz zu Ende gehen, bleibt mir nichts weiter übrig,  als  frisches Holz zu besorgen. Das muss dann aber auch erst wieder zurechtgesägt und getrocknet werden. Nasse Scheite  ruinieren mir den Schornstein.“

Mühle hat eine bewegte Geschichte

Die Sorge ist berechtigt, denn das 1610 erstmals erwähnte Bauwerk liegt dem Sachsen-Anhaltiner sehr am Herzen. Hat es doch auch eine recht bewegte Geschichte hinter sich. Denn während des 30-jährigen Krieges wurde es völlig zerstört, später wieder aufgebaut. 1840 erhielt die Mühle während einer Restauration ihr heutiges Aussehen.  40 Jahre später ersetzte  eine Turbine das einstige oberschlächtige Wasserrad, das nun seit etwa acht Jahren auch wieder vorhanden ist. Dieselmotor und Elektroantrieb folgten später, bis Anfang der 70er-Jahre die Kornmühle schließlich ihren Betrieb einstellte.

Dass das selbstgewählte Leben wie zur Zeit der Postkutsche mit wenig Luxus und viel Arbeit einhergeht, spürt Volkmar Kurhaus jeden Tag am eigenen Leib. Regelmäßige Kontrollgänge in dem über 400 Jahre alten Denkmal geben Aufschluss darüber, wo behutsame Restaurierung nötig ist. Denn der einst als freischaffende Grafiker und Innenarchitekt tätige Kurkhaus verwendet nur alte Materialien, die den Charakter seines Domizils unterstreichen. Wo es keine Chance mehr auf Rettung  gibt, wird mit größter Liebe zum Detail ergänzt. Wurde und wird alte Bausubstanz behutsam und liebevoll zugleich wieder zum Staunen und Bewundern geweckt.

Schlimmstenfalls täglich  vier Öfen heizenWenn es länger kalt bleiben sollte, wird Volkmar Kurkhaus auf Brikett umsteigen müssen, um seinen insgesamt vier Öfen etwas Wärme zu entlocken. Das sind die weniger angenehmen Momente des Zuhauseseins in einem altehrwürdigen  Gemäuer. „Die Arbeit bin ich gewöhnt. Schließlich habe ich das alles ja auch so gewollt, als ich die Bruchmühle kaufte“, betont der Mühlenbesitzer, der die Schattenseiten klaglos erträgt. „Ich habe es in den letzten 34 Jahren nicht eine Sekunde lang bereut, mich hier niedergelassen zu haben. Was mich erwartet, wusste ich vorher“, gesteht Kurkhaus, für den   Schönheit, Geschichte sowie  langlebiges Baumaterial Grund genug waren,  sein Herz vor über drei Jahrzehnten an das Kleinod  zu verschenken.

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