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Fahrbinde nach Vollsperrung der A 14 : Leben mit der Autobahn im Dorf

vom

Heute Abend geht auf der B 106 in Fahrbinde wohl wieder nichts mehr. Davon gehen die Anwohner aus, die seit dem 19. August mit Autobahnverkehr vor ihren Haustüren leben. Es kam schon zu einer Reihe von Unfällen.

svz.de von
erstellt am 05.Sep.2013 | 08:09 Uhr

Fahrbinde | Heute Abend geht auf der B 106 in Fahrbinde wohl wieder nichts mehr. Davon gehen die Anwohner aus, die seit dem 19. August mit Autobahnverkehr vor ihren Haustüren leben. An dem Montag wurde die A 14 kurz vor dem Dreieck Schwerin voll gesperrt, der Weiterbau dieser Autobahn gen Süden ist nicht anders zu bewältigen (SVZ berichtete). Um dennoch eine Verknüpfung mit der A 24 aufrecht zu erhalten, werden die beiden Autobahnen mit Hilfe einer provisorischen Anschlussstelle bei Fahrbinde und einer Umleitung über die B 106 verbunden. Und das bis über den nächsten Sommer hinaus. Vier Ampelkreuzungen wurden errichtet - und ohne die würde gar nichts gehen. Das wissen auch die Fahrbinder.

Dennoch: "Im Feierabendverkehr an den Freitagen und an den zurückliegenden Wochenenden staute es sich mächtig", erzählt Marco Schulz, der mit seiner Familie direkt an der B 106 lebt. Matthias Just ergänzt: "Die längsten Staus reichten zurück bis Wöbbelin, so fünf, sechs Kilometer. Sogar auf den Autobahnen 24 und 14 standen die Fahrzeuge, weil es in Fahrbinde gar nicht vorwärts ging. Auch aus Richtung Schwerin kommend entstand auf der B 106 ein weiterer Stau, aber der war maximal zwei, drei Kilometer lang." Die Fahrbinder haben so schon erste Erfahrungen gesammelt und Ursachen für die Staugefahr ausgemacht. Nummer eins ist die höhere Anzahl der Fahrzeuge. Am Freitagabend ist der Pendlerstrom besonders groß. Und dann kommen die Wochenend-Ausflügler. Doch auch drei der vier Ampelanlagen erscheinen den Fahrbindern nicht geheuer. "Die Sensoren sind so eingestellt, dass sie ein Fahrzeug nur erkennen, wenn es genau in der Mitte der Fahrspur steht", beobachtete Matthias Just. Wer diese Erfahrung noch nicht gemacht hat und ein bisschen zu weit rechts oder links steht, wartet vor der roten Ampel, bis er schwarz wird. "Oder er fährt bei Rot. Und dann kann es richtig gefährlich werden", ergänzt Willy Meßmann. Es kam schon zu einer Reihe von Unfällen. So oder so: Die Verzögerung ist da, der Verkehr staut sich.

Das wurde auch von den Projektbetreuern im Straßenbauamt Schwerin erkannt. "Wir beobachten die Verkehrssituation in Fahrbinde ständig", betont Manfred Borowy. "Die vier Ampeln sind nötig, anders würden wir den Verkehr von den Autobahnen gar nicht runter bekommen." An der Taktschaltung und der Einstellung der Sensoren wurde inzwischen gearbeitet. Denn am zurückliegenden Sonntag fielen Ampeln aus. Da musste die Polizei per Handzeichen den Verkehr regulieren. "Wir haben sofort reagiert." Dabei wurden auch Rechtsabbieger-Pfeile angebracht. Die beiden Ampelanlagen an der A 24 erhielten die festen Grünen Pfeile. An der B 106 hin zur A-14-Auffahrt gibt es einen elektronischen. "Solche Grünen Pfeile brauchen wir noch an anderen Stellen", sagt Diane Eggert. Die Zufahrt von der B 106 ins Dorf hinein und auch das Verlassen des Ortes an gleicher Stelle in Richtung Ludwigslust könnten so einfacher werden. "Derzeit umfahren viele Ortskundige diese Kreuzung - auf Schleichwegen durch das Dorf", berichtet Willy Meßmann. Der Vorsteher der Ortsteilvertretung hebt hervor: "Wir dürfen keine weitere Verkehrsbelastung im Dorf zulassen. Sonst wird es gefährlich für unsere Kinder und alle Fußgänger."

Das will Willy Meßmann heute den Vertretern von Verkehrsministerium und Straßenbauamt sagen. Denn für Freitag wurde kurzfristig ein Ortstermin angesetzt. "Übrigens der erste mit uns", ergänzt Meßmannn. Gern wären die Fahrbinder vor der Einrichtung dieser Umleitung gefragt worden. Dass es nun zu Gesprächen kommt, begrüßen sie. Die Vorschläge aus dem Dorf will Meßmann mitnehmen. Und mehr noch: Denn nach der Fertigstellung des Autobahnkreuzes ist die Bauzeit bei Fahrbinde nicht zu Ende. Dann soll die heutige Brücke über die A 24 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Eine Behelfsbrücke werde den Verkehr der B 106 an der Autobahnanbindung Wöbbelin aufnehmen, erläutert Borowy. Die Fahrbinder sind aber skeptisch und fordern eine Umleitung, die auch jetzt schon hilfreich gewesen wäre.

Und bei aller Belastung und Belästigung durch die laufenden Arbeiten stellen die Fahrbinder das Projekt nicht in Frage. "Letztlich hoffen wir darauf, dass mit der längeren A 14 unser Dorf entlastet wird", betont Marco Schulz. Wichtig dafür sei aber, dass Laster im Durchgangsverkehr von der heutigen B 106 verbannt werden und die A 14 nutzen, betont Matthias Just. Hier sei die Politik gefordert, um Mautflucht zu verhindern, so die einhellige Meinung der Fahrbinder.

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