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Hähnchenmast Scharbow : Landwirt muss nachbessern

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Ingo Fischer muss nachbessern. Gegen seine geplante Hähnchenmastanlage in Scharbow sind von Mitte Januar bis Ende Februar 213 Einwendungen eingegangen. Der Investor rechnet trotzdem mit einer baldigen Genehmigung.

svz.de von
erstellt am 23.Jul.2013 | 06:19 Uhr

Scharbow | Investor Ingo Fischer muss nachbessern. Gegen seine geplante Hähnchenmastanlage in Scharbow sind von Mitte Januar bis Ende Februar dieses Jahres 213 Einwendungen eingegangen. Das teilt das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) jetzt auf Nachfrage mit. Unzureichende Naturbeobachtungen, Brandschutzverstöße, eine zu schmale Zufahrtsstraße, ein zu geringer Abstand von nur 500 Metern zum ersten Wohnhaus...

Das StALU als genehmigende Behörde hält sich angesichts des laufenden Verfahrens mit Details zurück. "Die umfassenden Prüfungen sind noch nicht abgeschlossen", so Leiterin Dr. Regina Rinas. Auf die Frage, welche Forderungen das Amt an den Investor gestellt hat, nennt sie nur zwei Beispiele: "unzureichende naturschutzfachliche Untersuchungen" verbunden mit einer "zu geringen Anzahl der durchgeführten Begehungen" müssten nachgeholt werden, sowie ein "Nachweis, dass der überwiegende Teil des benötigten Futters auf den Flächen des Landwirtschaftsbetriebes angebaut werden könnte". Eine Frist zur Vorlage der Unterlagen habe das Amt nicht gesetzt. Im eigenen Interesse sei der Antragsteller um eine zügige Abarbeitung der Nachforderungen bemüht.

Wie sich das noch laufende Klageverfahren der Bobziner auf die Genehmigung des StALU auswirkt? "Sowohl die Stadt Hagenow als auch der Landkreis gehen gegenwärtig von einer gesicherten verkehrlichen Erschließung aus", so die Amtsleiterin. Die Bobziner hatten gegen den Landkreis geklagt, weil dieser die Beschränkung für 12,5 Tonnen schwere Laster zurückgenommen hatte. Sie befürchten große Schäden an Fahrbahn und Häusern, denn die Transporte zu den Ställen würden alle durch den Ort rollen.

Für die Bürgerinitiative "Saubere Landluft" sei die Zuwegung das größte Problem. Bei der einzigen Straße, die zur Anlage führt, gebe es noch großen Klärungsbedarf, so Sprecher Thomas Schugg. Die sei zuletzt nur noch ein schmaler Sandweg, aus dem Gras wachse. Zudem ist dort "kein Begegnungsverkehr möglich". Weitere Kritik: Wertverluste der Immobilien, Keim- und Bakterienbelastung durch die Nähe zu Häusern, unzureichender Brandschutz. Laut Thomas Schugg bemängelte ein zuständiger Mitarbeiter des Landkreises während einer Anhörung im April, dass unter anderem die Türen ein Problem seien, weil sie sich nicht von außen öffnen ließen. Die Tiere müssten aber im Notfall innerhalb von zehn Minuten raus. Zudem zeige die Fluchtrichtung zur 100 Meter entfernten Autobahn. 126 000 Tiere könnten in Panik dorthin laufen. Auf Nachfrage beim Landkreis konnte das gestern weder bestätigt noch verneint werden. Der Kollege sei im Urlaub.

Investor Ingo Fischer hat fast alle Forderungen nachgearbeitet und beim StALU eingereicht. Es seien zum Beispiel nochmal verstärkt Tiere beobachtet worden, die zuvor auf der Liste vermisst wurden, sagt er gestern. In Sachen Brandschutz seien ihm keine neuen Auflagen erteilt worden. Zudem würde die schmale Straße zur Anlage Begegnungsverkehr gewährleisten, weil alle 200 Meter Ausweichtaschen vorhanden sind. Hinzu komme, dass maximal 365 Lkw pro Jahr dort lang fahren. Bei allem Verständnis, "man muss sachlich bleiben", sagt er. Und von den 213 Einwendungen seien lediglich 50 oder 60 aus der Region. Der Rest seien Pauschaleinwendungen von Gegnern aus ganz Deutschland.

Seit drei Jahren will der Landwirt in Scharbow investieren. Er bleibt zuversichtlich, dass die Baugenehmigung erteilt wird. Vielleicht sogar schon zum Jahresende. Und auch, wenn es länger dauert, "es muss alles abgeglichen werden, damit es rechtssicher ist. Ich will ja, dass alles seine Ordnung hat." Immerhin seien schon einige bestehende Anlagen geschlossen worden. Das könne die Existenz kosten. Und "das kann ich mir nicht leisten." Ja, es gebe schwarze Schafe in der Branche, sagt er. Aber man sollte das nicht pauschalisieren.

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