Parchim : Landrat warnt vor windigen Deals

<fettakgl>In Suckow entsteht</fettakgl>momentan ein Windpark als Flächenmodell mit drei Windrädern .<foto>Simone Herbst</foto>
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In Suckow entstehtmomentan ein Windpark als Flächenmodell mit drei Windrädern .Simone Herbst

Investoren von Windanlagen wollen sich Standorte in der Parchimer Region sichern. Doch der Landrat warnt vor voreiligen Verträgen. Mitte März wird über die veränderten Kriterien der Eignungsgebiete diskutiert.

svz.de von
15. März 2013, 08:16 Uhr

Parchim | Am kommenden Mittwoch (20. März) beginnt um 17 Uhr im Rathaussaal der Stadt Grevesmühlen um 17 Uhr die 44. öffentliche Sitzung der Verbandsversammlung des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg. Im Mittelpunkt steht die Teilfortschreibung des Raumentwicklungsprogrammes "Kapitel Energie". Darin sind auch die so genannten Windenergieeignungsräume festgeschrieben, die vor allem im früheren Altkreis Parchim für heftigen Widerstand betroffener Kommunen und Bürger sorgen.

Erst am Mittwochabend haben die Parchimer Stadtvertreter das gemeindliche Einvernehmen für insgesamt elf Anlagen erteilt, die ein Rostocker Investor am östlichen Stadtrand der Kreis stadt errichten will. Eine Bürgerinitiative läuft seit Monaten dagegen Sturm, um den Bau der fast 200 Meter hohen Windtürme doch noch zu verhindern (wir berichten). Mit offenen Armen wurde dagegen ein Investor in Suckow empfangen. Dort läuft an der Landesgrenze zu Brandenburg derzeit der Aufbau von 13 Windkraftanlagen. "Bei uns profitieren alle, die Land im Bereich der bebauten Eignungsfläche besitzen. Auch wir als Gemeinde", macht Bürgermeister Jürgen Kühl aus seiner Freude keinen Hehl und fügt hinzu: "Wir haben sogar darum gekämpft". Der Investor zeigt sich auch gegenüber der Gemeinde großzügig. Er hat angeboten, eine für die Suckower wichtige Mooster-Brücke zu sanieren. Im Ortsteil Drenkow hat die brandenburger Firma den Vorbau zur Trauerhalle gesponsert. In einem der Redaktion vorliegenden Brief an alle Bürgermeister im Landkreis Ludwigslust-Parchim warnt Landrat Rolf Christiansen (SPD, zugleich Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes, vor windigen Deals. Hintergrund sind die Bemühungen von Investoren, sich noch vor den Entscheidungen über die Fortschreibung des Regionalen Raumentwicklungsprogramms Optionen vor Ort zu sichern. "Mir ist durchaus bewusst, dass es derzeit in vielen Gemeinden Unruhe gibt, da Projektentwickler oder potenzielle Windparkinvestoren vorsprechen und erste Planungen für weitere Eignungsgebiete für Windenergieanlagen vorstellen, in denen diese Windparks erreichtet werden sollen", schreibt Christiansen. Und es bleibe nicht beim Vorsprechen, sondern es werden finanzielle Versprechen gegenüber Grundstückseigentümern und zum Teil auch gegenüber Kommunen gemacht. Für den Landrat steht fest: "Die sich ausbreitende Unsicherheit ist keine gute Grundlage für eine sachliche und zielorientierte Diskussion zum weiteren Ausbau der Windenergie in unserem Landkreis".

Inzwischen wurden die landeseinheitlichen Kriterien für die beabsichtigten Neuausweisungen von Windenergieeignungsräumen gelockert. Für Christiansen sind dies Empfehlungen für die Regionalen Planungsverbände. Ziel sei, Modelle zu entwickeln, die den Erzeuger und Nutzer in einer Gemeinschaft zusammen führen. Auch innerhalb eines Ortes darf es nicht zu einer Spaltung in Gewinner und Verlierer kommen. Rolf Christiansen: "Ich empfehle von vertraglichen Bindungen zunächst abzusehen". Er fordert die Bürgermeister auf, auch potenziell betroffene Grundstückseigentümer diesbezüglich zu informieren, da "Optionsverträge" mit ihren rechtlichen Festlegungen die favorisierten Teilhabermodelle deutlich erschweren könnten. "Wir haben einen spannenden Prozess vor uns", ist sich der Landrat sicher.

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