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Landkreis empfängt Spitzenmusiker aus aller Welt

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erstellt am 20.Jun.2013 | 06:59 Uhr

Hagenow | Es wird ein großer Musiksommer für unsere Region, klassisch aber auch modern aber in jedem Fall hochkarätig. Die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern haben am Wochenende mit ihrem Konzertreigen begonnen und auch die Region zwischen Hagenow-Redefin-Ludwigslust und Parchim wird ganz besonders im Mittelpunkt des teils weltweiten Interesses stehen. Intendant Dr. Matthias von Hülsen weiß im Exklusivinterview mit Mayk Pohle von der Schweriner Volkszeitung gar nicht, welches Konzert er zuerst anpreisen soll. Nur eines weiß er ganz genau: Es wird großartig.

Herr von Hülsen, wie wichtig ist der Landkreis Ludwigslust-Parchim für Ihre Festspiele?

Matthias von Hülsen: Enorm wichtig, denn allein mit den beiden Redefin-Konzerten und dem Kleinen Fest im großen Park erreichen wir mehr als 20 000 Menschen und damit fast ein Drittel unseres Publikums. Das ist wirklich viel, für uns ist es besonders wichtig hier zu sein.

Ist alles längst ausverkauft oder müssen Sie für die eine oder andere Veranstaltung noch werben?

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass es für die Wiener Philharmoniker am 7. September in Redefin noch Karten gäbe. Für dieses wohl einmalige Konzert sind wir seit November ausverkauft. Für die meisten Konzerte haben wir noch Karten, obwohl der Vorverkauf gut angelaufen ist. Wir raten jedem, sich rechtzeitig zu kümmern. Doch bei der Vielfalt, die wir aufbieten können, werden die meisten Musikliebhaber ganz sicher etwas finden. Und dann gibt es ja immer noch die Chance an der Abendkasse, wo wir fast immer doch noch Restkarten haben.

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern heißt es, für einen Abend stimmt das ja nicht so ganz?

Stimmt, am 28. Juni sind wir auf der anderen Elbseite, im niedersächsischen Bleckede zum Open-Air im Schlosshof. Das hat Ihr Landrat Rolf Christiansen mit dem Lüneburger Landrat Manfred Nahrstedt ausgeheckt, und ich erwarte einen großartigen Abend. Daniel Hope mit unserem diesjährigen Preisträger in Residence Matthias Schorn und die Big Band der Wiener Volksoper, das verspricht einiges. Auch diese 500 Plätze sind längst vergriffen.

Ein einmaliger Ausflug über die Landesgrenzen?

Nein, die Kooperation ist erst einmal für fünf Jahre geschlossen worden, und wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit.

Sie bieten auch in unserer Region die unterschiedlichsten Konzertorte an. Mal die St. Georgenkirche in Parchim, die Hagenower Synagoge, in Zarrentin sind es Kloster und Kirche zugleich, dazu ein Gestütsgelände und dennoch kommen die Hochkaräter zu Hauf. Warum gelingt das?

Weil Mecklenburg-Vorpommern seinen Reiz hat und wir seit vielen Jahren hart an dem jetzt wirklich exzellenten Ruf des Festivals gearbeitet haben. Als wir anfingen, konnten wir uns die Weltstars nicht leisten. Jetzt kommen sie zu uns, und sie kommen gern. Und warum? Weil wir sehr früh auf die noch sehr jungen, kommenden Musiker gesetzt und Preise vergeben haben und so die Preisträger auch emotional an uns binden konnten. Für viele Künstler sind wir fast schon so etwas wie eine Familie, wie Heimat geworden.

Ihr diesjähriger Preisträger, Matthias Schorn, Soloklarinettist bei den Wiener Philharmonikern, gehört auch dazu?

Das ist so. Wir sind wie Trüffelschweine auf der Suche nach den noch unentdeckten, wirklich guten Leuten. Unserem Programm merkt man dann auch an, dass wir früh auf die Jugend gesetzt haben.

Hilft Matthias Schorn dann auch dabei, so ein Weltorchester, wie die Wiener Philharmoniker nach Redefin zu holen?

Nicht allein, aber "Schorni" hatte vor unserem Gespräch schon entscheidend Werbung für uns gemacht. Das hat er aber aus eigener Überzeugung getan. Am Ende war es natürlich die Entscheidung der Philharmoniker selbst, denn die sind demokratisch organisiert.

Kann man so ein Megakonzert überhaupt noch über Eintrittskarten und die Hilfe einiger Sponsoren finanzieren?

Nein, das geht nur dank der Hilfe eines großen Mäzens, der unerkannt bleiben möchte und dank doppelter Eintrittspreise. Sonst wäre das nicht möglich, das wird aber auch von allen akzeptiert. Wann bekommt man sonst schon mal ein Orchester, das ich zu den Top drei der Welt zähle, vor die Haustür.

Um die großen Publikumsmagnete wie Redefin und das Fest im Ludwigsluster Schlosspark, muss man sich wohl keine Sorgen machen. Fallen die anderen Konzerte dagegen ein wenig herunter?

Nein, dann würden wir nicht 115 Konzerte in diesen wenigen Monaten anbieten. Aber natürlich gibt es auch Veranstaltungen, die noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Wie z.B. die Uraufführung, die wir heute in der Parchimer St-Georgen-Kirche beim "Carnegie-Hall-Projekt" erleben werden. Für das Konzert gibt es eigens eine Kammermusikversion der Suite von Nico Muhly aus dem Kino-Erfolg "Der Vorleser". Das wird eine ganz spannende Geschichte mit Daniel Hope, Musikern von der New Yorker Carnegie Hall und unseren Preisträgern Josephine Knight und Jonathan Gilad. Das gilt auch für das Klaviertrio von Mendelssohn, das ist populär und sehr effektvoll.

Auf Parchim folgt schon Zarrentin bevor es dann Mitte Juli in Hagenow weitergeht. Stehen beide ganz oben auf ihrer Empfehlungsliste.

Nun, die Empfehlung gilt für alle. Aber gerade das erste Konzert in Zarrentin im Kloster am nächsten Mittwoch ist ein Beispiel dafür, wie die "Junge Elite" bei uns ihre Chance bekommt und auch nutzt. Die vier jungen Musiker "Rusquartets" spielen hervorragend, und kommen, wie alle andern auch, extrem gern nach Mecklenburg, weil das Konzert eine große Chance für sie ist. Die Hagenower können sich mit Tobias Feldt mann auf jemanden freuen, der als Violinenspieler mit Sicherheit ganz groß raus kommen wird. Ich wage mal einen Vergleich: Er spielt sicherlich mindestens so gut wie David Garret, der sich zugegebenermaßen gut verkaufen kann.

Zum Konzerterlebnis gehört auch immer die Akustik vor Ort. Ist es ein Problem, dass diese so unterschiedlich ausfällt?

Nein überhaupt nicht, das macht sogar den Reiz aus. Nehmen Sie die Reithalle in Redefin. Es gibt optisch sicherlich perfektere Spielorte, aber die Akustik ist für die 3000 Zuschauer einfach klasse. Das haben Sie auch nicht überall.

Als Intendant hat man auch Verpflichtungen. Wo wird man Sie finden in diesen Wochen. Was ist überhaupt zu schaffen angesichts der Fülle der Termine?

Dort wo ich meiner Meinung hingehöre, in den Konzertsälen. Ich bin ja auch selbst neugierig, wie das, was wir alle zusammen vorbereitet haben, ankommt. Viele Künstler gucken zudem, ob sich der Intendant auch blicken lässt. Meistens haben wir zwei Konzerte gleichzeitig, aber an manchen Abenden habe ich es auch schon geschafft, an zwei Veranstaltungsorten zu sein. Mal sehen, was in diesem Jahr klappt.

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