Flüchtlinge in MV : Lage in Horst bleibt angespannt

<p>Die Lage in der zentralen Aufnahmeeinrichtung in Horst sei angespannt, schätzt der Ludwigsluster Polizeichef, Hans-Peter Günzel ein. </p>
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Die Lage in der zentralen Aufnahmeeinrichtung in Horst sei angespannt, schätzt der Ludwigsluster Polizeichef, Hans-Peter Günzel ein.

Auseinandersetzungen zwischen ethnischen Gruppen führten in der Einrichtung bei Boizenburg zu mehreren Polizeieinsätzen

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05. Mai 2017, 21:00 Uhr

Die Lage in der zentralen Aufnahmeeinrichtung des Landes in Horst bei Boizenburg bereite ihm aus polizeilicher Sicht Sorge, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Ludwigslust,  Hans-Peter Günzel, am Donnerstagabend zu den Mitgliedern des zeitweiligen Ausschusses für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten des Kreistages, der in Ludwigslust zusammen kam. Die Mitglieder des Ausschusses informierten sich über die Lage der Asylbewerber im Landkreis und erhielten Informationen aus erster Hand vom Ludwigsluster Polizeichef und vom Fachdienstleiter Soziales bei der Kreisverwaltung, Harald Haase.

Nach dem dramatischen Anstieg der Flüchtlingszahlen vor zwei Jahren habe sich die Lage  im Landkreis normalisiert.

Asylbewerber zieht es mehr in die Zentren

Es kommen nur noch wenige  syrische Flüchtlinge  ins Land, viele Asylbewerber haben Wohnungen bekommen, in den Gemeinschaftsunterkünften in Ludwigslust und Parchim  sind eher noch Plätze frei. Zudem zieht es die Asylbewerber mehr in die Ballungszentren, als auf das flache Land.

Vor allem sehe er in der Einrichtung in Horst bei Boizenburg Konfliktpotenzial.  Die Menschen, die dort untergebracht sind,  seien sich bewusst, dass sie abgeschoben würden.  „In so einer Situation verändert sich die Verhaltensweise. Sie versuchen Grenzen auszutesten“, sagte Günzel und nannte den so genannten  „Gruppenkoller“, der sich in so einer Situation entwickeln könne und der zu einer Eigendynamik führe.   Das gehe los bei der Essenausgabe, wo ethnische Gruppen der Meinung seien, dass sie ein Vorrecht hätten, sie drängelten vor und schubsten. „Der Wachdienst schafft dann manchmal nicht mehr, die Situation in den Griff zu bekommen. Wir haben in den letzten Monaten mehrfach Einsätze dort fahren müssen,  auch mit Unterstützung von Kräften aus anderen Bundesländern, um Herr der Lage zu werden“, sagte der Polizeichef. In Horst sei eine Polizeistation vor Ort, die nicht rund um die Uhr besetzt sei. Zudem werden das Areal, das sich etwas außerhalb von Boizenburg befinde, regelmäßig durch Besatzungen von Streifenwagen kontrolliert. Harald Haase, Fachdienstleiter Soziales beim Landkreis,  gab dem Ausschuss einen  Überblick über die Situation der Asylbewerber im Landkreis. „Wir haben aktuell einen Stand  im Landkreis von 748 Asylbewerbern. Die meisten von ihnen kommen  aus der Ukraine mit 84 Frauen und 80 Männern,  gefolgt von Vertretern der russischen Föderation mit 68 Frauen und 70 Männern. Aus Afghanistan haben wir 30 Frauen und 63 Männer.   Die Zahl derjenigen Menschen, die aus Syrien kommen, ist massiv zurückgegangen.  Das Bild, das wir im vergangenen Jahr hatten, dass hauptsächlich Syrer gekommen sind, hat sich ganz massiv gewandelt“, machte Haase auf die aktuelle Entwicklung aufmerksam.

Altersentwicklung bei den Asylbewerbern

Asylbewerber im Alter von 26 bis 39 Jahren machen die größte Gruppe  aus, gefolgt von den  16- bis 25-Jährigen, und den 40- bis 59-Jährigen.  Im Landkreis seien die Geflüchteten dezentral untergebracht, zudem nutzen sie  die Möglichkeit der drei Gemeinschaftsunterkünfte. Aktuell befinden sich 147 Menschen in der Grabower Allee, 112 im Techentiner Weg in Ludwigslust, in Parchim 115 Personen in den Gemeinschafstunterkünften, 373 Geflüchtete sind dezentral in Wohnungen untergebracht. „Im Moment sind die Gemeinschaftseinrichtungen zwischen 42 bis 57 Prozent ausgelastet. Es gibt also noch Kapazitäten, um Personen aufzunehmen, die dem Landkreis vom Land zugewiesen werden“, so Haase weiter.

Bei etwas mehr als 214000 Einwohnern im Landkreis gibt es  747 Asylbewerber, das sind 0,35 Prozent bezogen auf die Gesamtbevölkerungszahl, macht Haase deutlich. In Ludwigslust sind  321 Asylbewerber untergebracht. Für die Stadt sind das 2,6 Prozent bezogen auf die Einwohnerzahl. In Parchim sind es 301 Asylbewerber, das sind 1,6 Prozent, in Hagenow sind es 45 Asylbewerber (0,4 Prozent), erfuhren die Ausschussmitglieder.

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