Boizenburg/Neu Kaliss : Lachen ist die beste Medizin

Für ein paar Planschereien  im Garten sind die zwei Mädchen auch nach sechs Wochen zu Hause noch zu begeistern.
Für ein paar Planschereien im Garten sind die zwei Mädchen auch nach sechs Wochen zu Hause noch zu begeistern.

SVZ-Redakteur Sascha Nitsche ist in der sechsten Woche im Corona-Modus und versucht immer noch das Beste daraus zu machen

von
25. April 2020, 05:00 Uhr

„Ist das eine Ente?“ Diese verwegene Frage wagte meine kleine, fast dreijährige Tochter ihrer großen Schwester zu stellen. „Hat eine Ente Ohren“, entgegnete diese ihr brüskiert. „Ich male hier ein Pferd!“

Ein Dialog von vielen, die ich in mittlerweile sechs Wochen im Corona-Modus bei meinen zwei Mäusen verfolgen durfte und welche mir und meiner Freundin nicht nur einmal ein herzhaftes Lachen entlockten.

Es ist allerdings auch wichtig, sich an diesen schönen Dingen hochzuziehen. Denn die Zeit dieser Krise hinterlässt auch Spuren.


Auch Blessuren gibt es

Keine Sorge, meine Kinder haben noch keine blauen Flecken. Also zumindest nicht aufgrund häuslicher Gewalt, die ja im Laufe der Zeit immer mehr zu einem Thema wird. Die zwei sind einfach viel zu süß, um auch nur auf den Gedanken zu kommen, einmal die Hand zu erheben.

Meine zwei Mäuse halten es da doch eher so wie der gemeine Hamburger, der ja gerne mal über einen „spitzen Stein stolpert“. Ist das beim Hanseaten eher auf seine Aussprache gemünzt, nehmen meine zwei Mädels diese Redewendung allerdings wörtlich.

Gerade meine Kleine hat da ihren „Lieblingsplatz“ direkt bei uns an der Terrasse gefunden. Unzählige Male ist sie hier schon ins Stolpern gekommen und hat am Ende im Staub gelegen. Aber was einen nicht umbringt, dass macht ja bekanntlich nur Härter.

Ganz so ist dies allerdings nicht mit meinen Nerven – um einmal auf meine Ausführungen, dass diese Krise auch Spuren hinterlässt, zurück zu kommen. Nachdem wir uns in der vergangenen Woche wegen unseres gemeinsamen „Urlaubs“ nämlich wenigstens keine Gedanken darüber machen mussten, wie wir Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut bekommen, schlug dieser Aspekt des Corona-Wahnsinns in dieser Woche wieder mit voller Breitseite zu.

Aufstehen in der Früh. Mama winken und zur Arbeit verabschieden. Kinder anziehen, kämmen und Zähne putzen, Essen kochen, spielen... Die Liste könnte bis ins Unendliche fortgeschrieben werden. Und das alles noch vor dem Mittagsschlaf. Zu diesem kommt die Ablösung: meine Freundin. Und ich mache mich nach dieser „Arbeit“ auf den Weg zu meinem eigentlichen Broterwerb.


Lernen für das Leben

So gerne ich auch diese gemeinsame Zeit mit meinen Mäusen verbringe – ja, es ist „Arbeit“. Erzieher absolvieren nicht umsonst eine jahrelange Ausbildung.

Außerdem mache ich mir, je länger diese kitafreie Zeit währt, zunehmend Vorwürfe. Ich habe nämlich immer mehr das Gefühl, dass ich meine Kinder nicht so fördern kann, wie es in der Kita mögliche wäre, ja sogar ist.

Zwar höre ich meine Mäuse immer noch mit Begeisterung rufen: „Papa, ich möchte basteln!“ Oder: „Ich möchte Fahrradfahren!“ Die vollkommene geistige Erfüllung stellt das in meinen Augen aber immer häufiger nicht da.

Im Kopf habe ich dabei auch, dass meine große, sechsjährige Tochter in diesem Jahr noch zur Schule kommen soll. Am 1. August ist der Tag der Tage. Und mir sticht es jetzt schon ins Herz, wenn ich darüber nachdenke, dass dieser große Tag für die kleine Maus nur eine noch kleinere Randnotiz sein könnte, wenn bis dahin immer noch sämtliche Feiern, ob groß oder klein, verboten sein sollten.

Zu gut kann ich mich nämlich noch an den Tag meiner Einschulung erinnern. Das war ein Fest mit allen Freunden. Ich wünsche meiner Tochter so sehr, dass sie das auch erleben darf und danach so lange davon zehrt wie ihr Papa. Die Einladungskarten haben wir zumindest schon einmal gebastelt. Und noch ist ja auch etwas Zeit bis zu diesem Tag.


Wortneuschöpfungen

Bis dahin können unsere Lieben in der Ferne nun auch ein Rätsel lösen, dass ich ihnen so nach und nach stellen möchte. Es handelt sich hierbei um die Begriffe Selleretti und Saletten.

Ich weiß jetzt, dass das Sellerie und Sandaletten sind. Meine beiden Mäuse mussten sie mir zuvor aber unzählige Male sagen, bevor ich begriff, was sie meinten. Nun bin ich gespannt, was Oma und Opa sagen werden.

Erdacht hat die zwei Wörter je eine meiner beiden Töchter in dieser Woche. Zum einen war es, als die Große mit sämtlichen Gewürzen aus unserer Küche auf dem Hof mal wieder eine „Suppe“ zubereiten durfte. Zum anderen war es der kleine Frechdachs, als es auch morgens endlich schon so warm war, dass ich nicht mit Engelszungen auf sie einreden musste, dass sie doch bitte eine dicke Jacke anzieht und nicht nur in Hemd und Schlüpfer auf die Straße gehen möchte. Falls jetzt Fragen aufkommen sollten: Ja, auch das ist schon geschehen in diesen sechs Corona-Wochen. Und auch das hat bei mir und meiner Freundin für Lacher gesorgt. Aber die sind ja manchmal auch die beste Medizin und wirken mitunter besser als der teuerste Impfstoff.

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