Wir in Kuhstorf : Kulissen für die Bühnen der Welt

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Kreativer Hamburger werkelt mit seinem Team in einer alten LPG-Halle in Kuhstorf

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29. November 2015, 19:50 Uhr

Exakt 16 voll beladene Lastwagen rollen vom ehemaligen Kuhstorfer LPG-Hof. Ihr Ziel? Ein Schauspielhaus in Moskau. Was Malte Neumann und seine Kollegen in der 1500 Quadratmeter großen Halle produzieren, bestaunen später Millionen Zuschauer auf den großen Bühnen dieser Welt. Ob König der Löwen, Phantom der Oper oder Rocky – viele Stücke in Deutschland, Holland, England, Italien oder Russland zeigen Kulissen aus dem kleinen Ort bei Hagenow.

Seit zwei Wochen ist die verglaste Halle allerdings leer. In den Regalen reihen sich sortierte Farbdosen, Lacke und andere Utensilien aneinander. Werkzeug-Kästen hängen an der Wand. Der Winter ist ruhiger. Dafür powern die sieben Tischler, Schweißer und Theatermaler, die Malte Neumann und seine rechte Hand Rosa Garcia beschäftigen, den Rest des Jahres durch. Dabei fängt alles klein an. Der Hamburger kreiert in seiner Freizeit Schmuck. Später sind es Schuhe für einen kleinen Kundenstamm. „Irgendwann hat das Theater angefragt“, sagt der 59-Jährige. Eine Puppe für das Phantom der Oper soll her. Es folgen Requisiten, Bühnendekorationen und Bühnenbilder. Ein Freund bringt ihn schließlich 1997 von der Metropole in das Dörfchen Kuhstorf. „Man kann hier gut arbeiten“, begründet der zweifache Familienvater den Schritt. „Ich liebe das Land. Der Blick raus, in den Wald und auf Wiesen...“ Der kreative Kopf zieht in ein Bauernhaus mit Werkstatt, die irgendwann aus allen Nähten platzt. So wird die alte LPG-Halle zur neuen Kulissen-Schmiede mit Schlosserei, Tischlerei, Näherei, Plastizier- und Malereistätte.

Kleine Modelle oder Fotos der Auftraggeber dienen als Vorlagen. Disney sei da zum Beispiel ganz genau. „Kreativität ist aber immer mit dabei“, sagt Malte Neumann. Und damit auch die Handschrift der Werkstatt. Was sein Steckenpferd ist? „Alles“, antwortet er und lacht. Obwohl er mittlerweile mehr organisiert.

Werbung muss der Hamburger nicht machen. Manchmal sagt er sogar Aufträge ab. Die Lage sei so gut, dass er noch zehn Leute einstellen könnte. „Wir suchen, aber das ist nicht so leicht.“

Jetzt kommen erstmal die ruhigen Monate. Seinen nächsten Auftrag kennt der Kulissenbauer noch nicht. Er ist gespannt, welche Werke bald wohin auf die Reise gehen.

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