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Biogas-Anlage genehmigt : Kuhlenfeldern Bürgern stinkt´s

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Den Kuhlenfeldern stinkt’s schon jetzt. Dass bald eine große Biogasanlage direkt vor ihrer Haustür stehen wird, macht sie und die Dersenower sauer. Bereits der dritte Investor hat sich seit 2006 kurzfristig angekündigt.

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erstellt am 22.Mär.2012 | 09:22 Uhr

Dersenow/Kuhlenfeld | Den Kuhlenfeldern stinkt’s schon jetzt. Dass bald eine große Biogasanlage direkt vor ihrer Haustür stehen wird, macht sie und die Dersenower sauer. Bereits der dritte Investor seit 2006, GB Biogas Beteiligungs GmbH aus Bützow, hat sich kurzfristig angekündigt - dieses Mal Den Kuhlenfeldern stinkt’s schon jetzt. Dass bald eine große Biogasanlage direkt vor ihrer Haustür stehen wird, macht sie und die Dersenower sauer.direkt mit einem Genehmigungsbescheid vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU), der Anfang März auf dem Tisch von Gunnar Abel landete. Der Bürgermeister von Dersenow und die Gemeindevertreter haben nun auf einer Sondersitzung am Mittwoch abend für einen Widerspruch gestimmt. Und auch die Bürger wurden ermutigt, privat Einspruch zu erheben. Die Frist für die Gemeinde liegt beim 1. April.

Mit am runden Tisch der Krisensitzung: Anwohner aus Kuhlenfeld und Dersenow, die ihrem Frust Luft machten. Zwar liegt das Gelände der ehemaligen Getreidewirtschaft, auf der die Anlage entstehen soll, im Gemeindegebiet Dersenow. Doch dichter dran sind die angrenzenden Kuhlenfelder, die starke Gerüche, Lärmbelästigung durch Lkw-Kolonnen, Einbußen ihrer Lebensqualität und immensen Wertverlust ihres "hart erarbeiteten Grund und Bodens" befürchten.

2,7 Megawatt Leistung soll die Anlage mitten im Biosphärenreservat liefern - doppelt so viel wie in Wittenburg. Gunnar Abel erwartet, dass dafür pro Jahr mehr als 100 000 Tonnen Mais und Produktionsabfälle mit etwa 80 Lkw pro Tag hin- und hergekarrt werden müssen. Eine Belastung nicht nur für die eh schon stark befahrene B 5. Der Kreisbauernverband schätzt, dass für den Betrieb einer solchen Anlage zwischen 1000 und 1500 Hektar Maisanbaufläche pro Jahr nötig sind, je nach Bodenzustand. Die Maissilage wolle der Investor aber vorwiegend außerhalb von Mecklenburg-Vorpommern beschaffen. Das ganze Projekt soll bis zu 17 Millionen Euro kosten.

Dabei hatte der Bürgermeister noch im November letzten Jahres das Gefühl, dass so eine Anlage nicht so einfach genehmigt werden kann, weil bestimmte Auflagen wie die Erschließung des angrenzenden Kiefernweges und der Nachweis von Flächen für die Abfallentsorgung nicht so einfach für den Investor zu bekommen seien. Und auch die gesetzlich einzuhaltenden Mindestabstände von 300 Metern zu Wohnhäusern sind ein Thema. "Viele liegen nur 150 Meter weg von der Anlage", sagt Gunnar Abel. Der Dersenower Volker Scharnweber wohnt sogar lediglich 35 Meter entfernt und hat deshalb schon vor dem Genehmigungsverfahren privat Widerspruch eingelegt. Ohne Erfolg. "Das wurde schlichtweg ignoriert", schimpfte Scharnweber.

Und er sprach noch einen Punkt an: Mehr als 2000 Tonnen, 5000 Kubikmeter, Industrieabfälle würden noch in den Hallen des alten Geländes lagern. Der Eigentümer sei seit Jahren insolvent, könne sich darum nicht kümmern. Scharnweber sieht das StALU in der Pflicht, das die Sache seit Jahren nicht anpacke. Der Bürgermeister Gunnar Abel hat jetzt wie viele Anwohner das Gefühl, dass sich das Amt mit der Genehmigung rein waschen will.

Denn dieses hat die entsprechende Auflage der Abfallentsorgung an den Investor gestellt, wie auch Jean Weiß, Pressesprecher vom StALU, auf Nachfrage bestätigte. Er begründete die jahrelange Untätigkeit des Amtes damit, dass "es kein gefährlicher Abfall ist, der dort lagert. Wir haben deshalb auch keinen Handlungsbedarf gesehen." Dabei hat es 2008 schon gebrannt in der Halle, direkt neben dem gewerblichen Müll. Nur eine Gefahr, aus Sicht der Anwohner. Die 30 Meter entfernten Bahnschienen seien eine weitere, so Scharnweber. Doch alles sei genauestens geprüft - auch hinsichtlich des Emissionsschutzes und der Sicherheitsabstände zu den Häusern sei im Genehmigungsverfahren alles gründlich untersucht worden, so Jean Weiß. Ebenso die öffentliche Straße, die laut Kreisstraßenbauamt für den Verkehr zugelassen sei. Der künftige Betreiber habe sich sogar bereit erklärt, bei der Erschließung des Kiefernweges zu helfen.

Dass die Gemeinde dabei unter Druck gesetzt wird, mit Schadensersatzforderungen im Falle eines Widerspruchs rechnen müsse, davon lassen sich die Dersenower und Kuhlenfelder nicht abschrecken. Sie widersprechen. Die erste Instanz vor dem Verwaltungsgericht könnte die Gemeinde dann allerdings mindestens 10000 Euro kosten. Ob sie das aufbringen kann, wird auf einer späteren Sitzung besprochen, wenn die Haushaltsplanungen abgeschlossen seien, so Gunnar Abel, der enttäuscht ist, dass "Land und Gemeinde so gegeneinander arbeiten." Und selbst den Investor soll die Genehmigung verwundert haben: In anderen Bundesländern wäre so eine Anlage unter diesen Bedingungen nicht genehmigt worden, soll er gegenüber Gunnar Abel gesagt haben.

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