Ludwigslust-Parchim : Kreisstraße ganz auf Sand

Auf gefrorenem Boden lässt es sich gut fahren. Die Spuren deuten aber daraufhin, dass es bei Regen ganz anders aussieht.
Auf gefrorenem Boden lässt es sich gut fahren. Die Spuren deuten aber daraufhin, dass es bei Regen ganz anders aussieht.

Die K 48 zwischen Neu Göhren und Strassen ist unbefestigt und ein Favorit für den Wettbewerb um schlechteste Kreisstraße.

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28. Februar 2018, 21:00 Uhr

Da musste Volker Bach nicht lange überlegen. Beim Wettbewerb „Schlechteste Kreisstraße im Landkreis Ludwigslust-Parchim“ komme man an der K 48, die Neu Göhren und Strassen verbindet, nur schwer vorbei, meint der Neu-Kalisser. Er kennt die Straße wie seine eigene Westentasche, weil er in Strassen aufwuchs und viele Jahre dort lebte. „Als Kind bin ich jeden Tag nach der Schule dort entlang, um zu meinem Vater oder Onkel aufs Feld zu kommen“, erzählt Volker Bach. „Und als ich später in der LPG gearbeitet habe auch.“

Am Ortsausgang von Neu Göhren geht es jedoch erst einmal unauffällig los. Auf tadellosem Asphalt. Doch keine 1000 Meter weiter die Überraschung. Zwar geht die Asphaltstraße weiter geradeaus, „aber ab hier ist das eine Gemeindestraße“, erklärt Volker Bach. „Die Kreisstraße biegt in den Wald ab.“ Und dort geht die Fahrt weiter – allerdings auf Sand. Nach einer 90-Grad-Kurve endet der Wald, die Oberfläche der unausgebauten Straße wird noch zerklüfteter. Löcher und Mulden auf dem Feldweg, tiefe Reifenspuren am Rand. „Im Moment geht es ja, weil alles gefroren ist“, sagt Volker Bach, der in Neu Kaliß stellvertretender Bürgermeister ist. „Aber wenn es regnet, entstehen große Modderlöcher. Und im Sommer sollte man hier besser nicht ohne Handy langfahren, falls man im Zuckersand stecken bleibt.“ Am besten sei ein geländegängiges Auto. „Dass das eine Kreisstraße ist, wissen viele Leute gar nicht.“

Der Landkreis selbst weiß es aber. Vor vier Jahren, als SVZ schon einmal über den höherklassigen Wald- und Feldweg berichtet hatte, hatte der zuständige Fachdienstleiter Hans-Georg Zwang bestätigt, dass der Landkreis zuständiger Straßenbaulastträger ist. Er hatte aber auch betont, dass es keine Verpflichtung gibt, eine Kreisstraße mit bestimmten Ausbauparametern herzustellen.

Dass sich der Kreis um die Straße kümmert, hat auch Volker Bach festgestellt. „Große Löcher sind schon mit Fräsgut und ähnlichem verfüllt worden“, erzählt er. „Und nach dem großen Sturm im vergangenen Oktober war die Strecke innerhalb weniger Tage beräumt.“ Früher gab es sogar Verkehrszeichen auf der Strecke. „Dort, wo sich zwei Feldwege kreuzen, standen Hauptstraßenschilder“, so Bach. „Aber die sind inzwischen verschwunden.“ Jetzt steht nur noch an der Zufahrt zum Wald ein Verkehrsschild „Achtung Straßenschäden“.

Dass sich am Zustand der Straße etwas ändert, ist derzeit nicht zu erwarten, zumal die K 48 bei Strassen nicht der einzige Sandweg mit Kreisstraßen-Klassifizierung ist. Die meisten Kraftfahrer meiden die unbefestigte Trasse durch Wald und Flur. Stattdessen fahren sie über Stuck oder über Liepe und Grittel, um von Neu Göhren nach Strassen zu kommen. Nehmen dafür aber Umwege von vier bis sechs Kilometern in Kauf und weichen auf Straßen aus, für die Kommunen verantwortlich sind. „Hier fahren eigentlich nur Landwirte und Jäger. Und manchmal ich, wenn ich Langeweile habe“, so Bach.

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