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Ludwigslust : Kreis: Bis zu 40 Flüchtlinge pro Tag

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Behörden täglich auf Wohnungssuche. Landkreis rechnet mit bis zu 3000 Flüchtlingen für 2016 ohne Notunterkünfte

von
erstellt am 23.Okt.2015 | 08:45 Uhr

Spätestens ab kommender Woche rechnet der Landkreis damit, täglich 30 bis 40 Flüchtlinge und Asylbewerber in Wohnungen oder in Gemeinschaftsunterkünften unterbringen zu müssen. Nicht mit eingerechnet sind darin die gut 500 Flüchtlinge, die in Notunterkünften im Kreisgebiet leben, plus Hunderte Menschen in der Horster Erstaufnahmeeinrichtung. Für das kommende Jahr rechnet Landrat Rolf Christiansen mit einer Flüchtlingszahl zwischen 2000 und 3000, die der Landkreis dauerhaft unterbringen muss. Aktuell liegt diese Zahl bei 1400.

Der Landkreis hat sich bei einem Pressetermin gestern zum ersten Mal seit Wochen umfassend zur Flüchtlingslage im Landkreis geäußert.

Die Lage sei auch im Kreis angespannt, werde aber gemeistert. Das betreffe vor allem die Suche nach Wohnungen für Flüchtlinge. Derzeit seien 700 Menschen in etwa 200 Wohnungen über den ganze Landkreis dezentral untergebracht. Angesichts des Andrangs könne aber auf die Gemeinschaftsunterkünfte, wie es sie z. B. in Ludwigslust aber auch in Parchim gäbe, nicht verzichtet werden. Man werde die Kapazitäten weiter ausbauen. Über einen neuen Standort werde derzeit geredet. Welcher das sein könnte, wollte der Landrat gestern noch nicht verraten. Auch sei an eine zusätzliche Notunterkunft gedacht, um für Notfälle einen Puffer zu haben. Grundsätzlich wolle der Kreis aber die Notunterkünfte, die er für das Land vorhalte, so schnell wie möglich loswerden. Mit dem Ausbau der Kapazitäten an anderer Stelle soll es möglich werden, z. B. die Halle in Zahrensdorf möglichst schnell wieder freizuziehen.

Doch die größte, tägliche Herausforderung für den Landkreis sind die Flüchtlinge, die nach der Erstaufnahme untergebracht werden müssen. Das seien nach jüngsten Informationen für das ganze Land etwa 300 pro Tag. „Für unseren Kreis bedeutet das, dass wir täglich vor einer großen Herausforderung stehen“, erklärte Harald Haase, der Fachdienstleiter Soziales im Landkreis. Seine Leute sind damit ungewollt zu Wohnungsverwaltern geworden.

Angebote, Wohnungen zu vermieten, gäbe es viele. Doch etliche Wohnungen müssten noch saniert werden (dafür sind die Besitzer zuständig) anderen fehle es an der Ausstattung. Haase bezifferte den Aufwand für die Wohnung einer vierköpfigen Familie auf etwa 5000 Euro. Es gehe um einfachste Standards bei der Küche, den Betten, Bettwäsche, Stühlen, Schränke und Betten, nicht um Luxus. Zuvor beklagte sich Landrat Christiansen über jede Menge unglaublicher Gerüchte über Flüchtlinge, die er und andere gar nicht so schnell aus dem Weg räumen könnten, wie sie auftauchten. „Es gab keine Flüchtlinge, die mit einem vollen Einkaufswagen an der Kasse vorbeigingen, weil angeblich Angela Merkel bezahlen würde“, Das habe es nicht gegeben, wie viele andere Schauergeschichten auch nicht.

Die Kreisspitze bedankte sich gestern sehr klar und deutlich bei allen Ehrenamtlichen, die den Flüchtlingen halfen und weiterhelfen. „Ich habe nicht den Eindruck, dass diese Bereitschaft nachlässt“. Dennoch ist die Lage so angespannt, dass der Landkreis gerade wegen der Flüchtlinge sein Personal deutlich aufstocken muss. Allein für die Verwaltung ist von 16 Stellen die Rede. Auch bei der kreiseigenen Gesellschaft BBS Start sollen die Stellen aufgestockt werden, die Belastung der Mitarbeiter, die sich im Landkreis u. a. um die Betreuung in den Notunterkünften kümmern, ist grenzwertig.

Vor dem Pressegespräch hatte es eine Beratung des Kreises mit den Leitenden Verwaltungsbeamten und den hauptamtlichen Bürgermeistern gegeben. Ergebnis: Es gibt Wohnungs- aber auch Unterstützungsangebote aus wirklich allen Teilen des Kreises. Ein Brandbrief an die Verantwortlichen in Berlin sei aus unsere Region nicht zu erwarten. Auch finanzielle Nachteile In Größenordnungen durch die Flüchtlingslage befürchte der Landkreis nicht. Es gäbe die feste Zusage vom Land, dass alles erstattet werde. Auch wenn immer etwas beim Kreis hängen bleibe so habe die Abrechnung doch stets geklappt. Der Kreis rechne auch nicht mit einer wirklichen Entlastung durch zahlreiche Abschiebungen. Die Mehrzahl der Flüchtlinge, die im Landkreis ankämen, hätten eine sichere Bleibeperspektive, erklärte der Landrat.

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