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Hagenower Kreisblatt

18. November 2017 | 15:11 Uhr

Zarrentin : Kormorane haben nicht nur Freunde

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Die Schaalseefischer beäugen die gute Entwicklung des Bestandes schon seit Jahren mehr als kritisch

von
erstellt am 25.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Erst fliegt ein Kormoran ein, dann werden es immer mehr, bis plötzlich das Wasser zu „kochen“ beginnt. Die Kormorane gehen ihrem Instinkt und ihrem Hunger  nach und jagen Fische. Die Einen freut die stabile Entwicklung des geschützten Vogels, die Anderen würden dagegen lieber etwas tun.

Am Kormoran scheiden sich die Geister. Während der Vogel im Bereich des Biosphärenreservates  Schaalsee höchsten Schutz genießt, sehen die am Schaalsee ansässigen Fischer schon längst Handlungsbedarf gegen die weitere massenhafte Ausbreitung des nach ihrer Meinung gefräßigen Vogels.

Nach Informationen des Biosphärenreservatsamtes Schaalsee-Elbe mit Sitz im Zarrentiner Pahlhuus wurden im vergangenen Jahr 15473 Brutpaare im gesamten Land Mecklenburg-Vorpommern  gezählt. Die Brutkolonie am Röggeliner See im Naturschutzgebiet „Röggeliner See und Kuhlrader Moor“ gehört demnach mit 501 Brutpaaren  zu den größten Brutvorkommen im Binnenland. Im UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee gibt es nur diese eine Brutkolonie, heißt es weiter aus dem Amt in Zarrentin.  Ein Kormoran kann nach Informationen der Verwaltung täglich bis zu 500 Gramm Fisch fressen. Anhand von Untersuchungen wurden am Röggeliner See vorwiegend Plötzen und Flußbarsche gefressen.

„Da wo der Fisch auf dem Schaalsee ist, geht der Kormoran hin, und wo er nicht gestört wird, holt er sich den Fisch“, sagt Fischer Werner Siedelmann, der in der Fischerei von Diana Rehbohm arbeitet. Nach seiner Meinung fliegen die meisten Kormorane jetzt erst im August massenhaft so richtig ein. Fischer Philipp Eberle, er arbeitet auch bei Diana Rehbohm in Zarrentin, schätzt, dass derzeit auf dem Schaalsee 700 bis 1000 Kormorane zu finden sind, die Fisch jagen. 

Fischerin Diana Rehbohm führt Buch über den Kormoran. Im vergangenen August schätzt sie, waren bis zu 2000 Vögel im Bereich des Schaalsee unterwegs. „Wir gehen davon aus, dass die Kormorane Fische  in einem Bereich zwischen fünf bis zehn Tonnen pro Jahr fressen.  Von der Politik wüschen wir uns, dass sie sich für  eine Dezimierung des Bestandes stark macht“, sagt die Schaalseefischerin unumwunden.

Allerdings wird sich derzeit keine Lobby für eine Dezimierung der geschützten Art Kormoran bilden lassen. Nach Informationen von Ulrike Müller, der Sprecherin des Biosphärenamtes, bleibt den Fischern am Schaalsee lediglich die Möglichkeit, die Kormorane zu vertreiben, was sie auch außerhalb von Naturschutzgebieten machen. Fazit: Das Problem, das die Fischer mit  den Kormoranen haben, ist nicht geklärt. Die Art kann sich weiter gut entwickeln, insbesondere zu Lasten der Binnenfischerei. Ob jemals eine Lösung im Interesse der Fischer gefunden wird, steht deshalb in den Sternen.

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