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Hagenower Kreisblatt

18. November 2017 | 04:09 Uhr

Zarrentin : Kormorane erneut im Fadenkreuz

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Umweltminister Till Backhaus will Binnenfischer beim Kampf gegen den „Fischräuber“ unterstützen. Diana Rehbohm begrüßt den Vorstoß

von
erstellt am 09.Apr.2016 | 05:00 Uhr

„Der Kormoran ist für uns eine Konkurrenz, die uns das Leben schon seit 1991 schwer macht. Von Mai bis August stellen die Vögel eine wahre Plage dar. Im letzten Jahr haben wir auf dem Schaalsee rund 16 000 Vögel gezählt. Geht man davon aus, dass jeder von ihnen am Tag zwischen 300 bis 500 Gramm Fisch verschlingt, sind das Größenordnungen, die richtig ins Geld gehen“, berichtet die 45-Jährige gestern im SVZ-Gespräch. „Wir haben zu Spitzenzeiten schon bis zu 2000 Kormorane am Tag gezählt. Wenn ich aus dem Fenster auf den See schaue, sehe ich  im wahrsten Sinne des Wortes nur noch schwarz.“

Beobachtungen, die auch Philipp Eberle bestätigt. Denn der junge Mann, der seit April 2014 als Fischer bei Diana Rehbohm angestellt ist, fährt  fast täglich auf den See raus. „Ich verscheuche sie zwar jedes Mal, doch sie fliegen meist nur ein Stück weiter. So, als wüssten sie, dass ihnen ja nichts passiert.“ Besonders hätten es die „Fischräuber“ auf die Maräne und den Aal abgesehen. „Letzterer  ist die perfekte Nahrung, weil er nicht flüchtet, sondern sich eher versteckt.“

Dass jedes Jahr rund 25 Kilo Aalbesatz, das seien etwa 25 000 Tiere, in den Schaalsee eingesetzt würden, betont Diana Rehbohm. „Wenn 250 von ihnen tatsächlich so groß werden, das sie wirtschaftlich von Bedeutung sind, ist das schon ein Glücksfall.“ Aber auch wenn der Kormoran nur Weißfische wie beispielsweise die Plötze fräße, werde dadurch das Nahrungsangebot für Hecht und Zander geschmälert, wenn nicht gar gefährdet. „Der Kormoran ist und bleibt eine Plage. Ich bekomme schon einen dicken Hals, wenn ich ihn nur sehe. Es muss endlich etwas passieren, die Bestände zu regulieren. Deshalb begrüße ich den Vorstoß von Till Backhaus.“

Und meint damit die Ankündigung von  Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister,  die  Brutbestände  verringern zu wollen.  So geschehen auf der kürzlichen Jahrestagung der Binnenfischer in Waren. Das  hat die hitzige Diskussion nun erneut befeuert. Nach Ansicht der Fischer sei der Vogel für große Schäden verantwortlich und fresse landesweit pro Saison mehrere Tonnen Fisch am Tag aus den Seen. Man könne deshalb ohne weiteres „1000 Brutpaare rausnehmen“, ohne dass die Population gefährdet sei, sagte Backhaus.

Am Kormoran scheiden sich seit Jahren schon die Geister. Während Fischereiverbände, Binnenfischer und Teichwirte seit langem darauf drängen, geltende Schutzmaßnahmen für diese Art aufzuheben und die Tiere zum Abschuss freizugeben, argumentieren Umweltverbände, Naturschützer und Ornithologen, dass eine massenhafte Bejagung der völlig falsche Weg sei.

Für ihn als  Regulierungs-Gegner sei der   vorschnelle Griff zur Flinte  inakzeptabel, sagt der Vorstandsvorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) Mecklenburg-Vorpommern, Stefan Schwill. „Einen Abschuss lehnen wir kategorisch ab. Es gibt auch andere Abwehrmaßnahmen. Gewässer mit einer Fläche bis zu einem Hektar kann man beispielsweise mit Schutznetzen überspannen. Das ist beim Schaalsee verständlicherweise nicht möglich.“ Schwill räumt jedoch gegenüber unserer Redaktion ein, dass der Kormoran punktuell  in kleinen Fließgewässern und Teichwirtschaften tatsächlich schon zu einem Problem werden könne. „Wissenschaftliche Untersuchungen an Binnengewässern haben jedoch ergeben, dass der Kormoran dort keine nennenswerten Schäden verursacht. Nicht jeder Fisch, den er frisst, bedeutet für den Fischer  gleich einen Schaden.“

Rückblick: Vom Menschen drastisch bejagt, galt der Kormoran bis in die 1970er Jahre in Deutschland als nahezu ausgerottet. Schutzmaßnahmen ließen die Bestände sich langsam  erholen. Seit Anfang 1990 tritt der Fischfresser  auch hierzulande wieder verstärkt auf. Sollten in Mecklenburg-Vorpommern künftig Kormorane in großer Zahl abgeschossen werden, löse dies nach Ansicht vieler Ökologen nicht das Problem abnehmender Fischbestände. Vielmehr dürften Faktoren, wie der zunehmende Ausbau der Flüsse, Wasserverschmutzung oder gar fischereiwirtschaftliche Fehler bei Entscheidungen gegen den Kormoran nicht außer Acht gelassen  werden.

 

 

 

 

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