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Fischwirtin Diana Rehbohm aus Zarrentin : Kormorane bringen Fischerin zur Verzweiflung

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Für Diana Rehbohm ist es schier zum Verzweifeln: Täglich machen sich die Kormorane über die "Speisekammer" des Schaalsees her. Auf einige Tausend Euro im Jahr schätzt die Fischwirtin den Schaden.

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erstellt am 10.Apr.2012 | 10:36 Uhr

Zarrentin | Für Diana Rehbohm, eine der letzten Berufsfischer, ist es schier zum Verzweifeln: Täglich machen sich die Kormorane über die "Speisekammer" des Schaalsees her. Abschnitte des südlichen Gewässerbereiches, etwa 460 Hektar, bewirtschaftet die 41-Jährige seit 12 Jahren.

Auf einige Tausend Euro im Jahr schätzt sie den Schaden, den der Fischräuber bei ihr anrichtet. Der gebürtigen Zarrentinerin geht es nicht nur ums Geld, sondern auch um Artenvielfalt. Die sei bedroht, weil der vom Meer eingewanderte "Seerabe" vor allem kleine Fischarten und Jungfische verspeist. Auf 300 bis 1000 Vögel schätzt die Fischwirtin die Kormoran-Population im Bereich ihrer Pachtgewässer.

2011 von Juni bis September etwa 12 000 Kormorane gezählt

"In den letzten zwei Jahren ist es etwas weniger geworden. Wahrscheinlich durch die harten Winter. Aber allein im letzten Jahr haben wir von Juni bis September etwa 12 000 Kormorane gezählt. Das Jahr zuvor waren es ähnlich so viele. Der absolute Rekord lag bei rund 25 000 Tieren im Jahre 2009. Das war extrem, wenn man bedenkt, dass ein Vogel pro Tag etwa ein halbes Kilo Fisch verspeist", berichtet die junge Frau. Verscheuchen bringe gar nichts, sagt sie resigniert. Die Kormorane seien viel zu clever. "Ich kann sie ja auch nicht den ganzen Tag vergrämen. Außerdem scheint ihnen das auch nichts auszumachen. Jage ich sie irgendwo hoch, sitzen sie zwei Minuten später völlig unbeeindruckt eben an anderer Stelle."

Der Vogel des Jahres 2010 ist ein nimmersatter Fischfresser und Gegenstand hitziger Debatten zwischen Fischern, Vogelschützern und den zuständigen Behörden. Weniger Kormorane in Mecklenburg-Vorpommern solle es derzeit geben, hieß es kürzlich. Damit habe der Bestand in nunmehr drei aufeinanderfolgenden Jahren abgenommen und liege rund 40 Prozent unter der Maximalzahl des Jahres 2008. Das geht aus dem 3. Kormoranbericht hervor, den das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie erarbeitet hat.

Im Jahr 2011 brüteten in M-V 8750 bis 8800 Kormoranpaare in insgesamt 16 Brutkolonien. Der Bestand sei damit im Vergleich zum Jahr 2010 erneut deutlich zurückgegangen. Eine Ursache für die erneute Bestandsabnahme werde in den hohen Verlusten des kalten Winters 2009/10 gesehen, die sich auch noch mit einem Jahr Verzögerung auf den Brutbestand auswirkten. Der Winter 2010/11 führte hingegen nicht zu auffallenden Bestandsverlusten: Die bereits Anfang Dezember 2010 einsetzende Kälte veranlasste die Kormorane, das Gebiet frühzeitig und nahezu vollständig zu verlassen. Auf Grundlage der in Mecklenburg-Vorpommern geltenden Kormoran-Landesverordnung bestanden auch 2011 zur Abwehr von Kormoranschäden Abschussmöglichkeiten. Für die großen Fischteichanlagen wie beispielsweise die Lewitz, die aufgrund ihrer Lage im Naturschutzgebiet nicht durch die Kormoran-Landesverordnung erfasst werden, wurden durch das LUNG Ausnahmegenehmigungen erteilt. Für die Fischteiche der Lewitz wird seit 2010 die Auflösung von Schlafplätzen erlaubt.

"Der gefressene Fisch fehlt im Nahrungskreislauf"

Dass die schwarzen Gesellen wieder in ihre natürlichen Schranken verwiesen werden müssten, davon ist Diana Rehbohm überzeugt. Laut ihrer Beobachtungen begnügten sich Kormorane durchaus nicht mit Weißfischen. "Der von ihnen gefressene Fisch fehlt im Nahrungskreislauf, der völlig durcheinander gerät. Besonders dem Hecht fehlt er. Das Wasser brodelt regelrecht, wenn die Kormorane mit ausgefeilter Fangtechnik durch das Wasser schießen." Da dieser Vogel in der Region keine natürlichen Feinde habe, sei das Verhältnis zwischen Kormoran und Fisch seit Jahren nicht mehr gewahrt. "Die Artenvielfalt der Fische ist gefährdet", sagt die Fischerin. Es gehöre jedoch zur Fischhege und -pflege, diese Vielfalt zu erhalten.

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