Flüchtlinge in MV : Konkurrenz um Lebensmittel

Sie helfen wo sie können - Anna Dik, Frank Wiesner und Sabine Eggers (v.l.) helfen bei der Ausgabestelle der Tafel in Hagenow.
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Sie helfen wo sie können - Anna Dik, Frank Wiesner und Sabine Eggers (v.l.) helfen bei der Ausgabestelle der Tafel in Hagenow.

Immer mehr Flüchtlinge nutzen das Hilfsangebot der Schweriner Tafel in Hagenow: Spenden halten mit Bedarf nicht Schritt

svz.de von
29. September 2015, 08:00 Uhr

Sie stehen mit zahlreichen Tüten und Einkaufstrolleys vor den Toren und warten darauf, dass es losgeht - die Ausgabe von Lebensmitteln der Schweriner Tafel an bedürftige Hagenower. In letzter Zeit versammeln sich zunehmend auch Flüchtlinge, die dezentral untergebracht wurden, bei der Ausgabe der Tafel, um das Hilfsangebot in Anspruch zu nehmen. Einigen Hagenower Bürgern stößt das sauer auf, da die ohnehin schon knappen Ressourcen der Schweriner Tafel manchmal gar nicht ausreichen, um alle Bedürftigen entsprechend unterstützen zu können.

Zweimal pro Woche verteilt die Schweriner Tafel in Hagenow Lebensmittel. Bevor die Flüchtlinge kamen, sagen die Tafelmitarbeiter, nahmen durchschnittlich 30 bis 40 Personen das Angebot wahr. Mittlerweile seien es etwa 60 Personen, oft sogar mehr. Eine Steigerung von Lebensmittelspenden in vergleichbaren Maße bleibt bisher jedoch aus. So ist die Tafel gezwungen, mit denselben Mitteln mehr Menschen zu versorgen. „Manchmal müssen wir Leute auch wieder wegschicken, wenn wir wenig Ware bekommen, weil es dann nicht für alle reicht“, sagte Sabine Eggers, eine der Mitarbeiterinnen.

In Hagenow verlaufe die Ausgabe der Lebensmittel heute chaotischer als noch vor wenigen Monaten, sagt Sabine Eggers. Mit einer Papiertonne, die in der Einfahrt steht, versuchen die Mitarbeiter und Helfer ein geordnetes Ein- und Ausgangssystem zu schaffen, doch leider wird das nicht von allen eingehalten. Niemand hat die Tafel-Mitarbeiter auf diese Ausnahmesituation vorbereitet. So versuchen sie sich selbst zu behelfen, so gut es geht: Früher zeigten laminierte Nummernkarten den Hilfsbedürftigen ihren Platz in der Schlange an, doch ungeachtet des Blickes auf die Karten versuchen die „Kunden“ einen guten Platz in der Schlange zu ergattern, schildert Mitarbeiter Frank Wiesner. Er brachte deshalb ein altes Bingospiel seiner Großmutter mit. Die Kugeln sollten bei einer besseren Strukturierung der Ausgabe helfen. „Aber die Leute haben erkannt, dass die Kugeln unterschiedliche Farben haben und wissen mittlerweile, welche Farben zuerst kommen“, erklärte Wiesner.

Sind die Kugeln verteilt. kommt es jedoch zu weiteren Problemen. Viele der Flüchtlinge können naturgemäß kein oder kaum Deutsch und verstehen deshalb die Helfer der Tafel nicht, wenn diese die Nummern für die Ausgabe aufrufen. „Wir haben einige Sachen mit Google in fünf Sprachen übersetzt und aufgehängt, aber das hilft leider nicht viel“, sagte Sabine Eggers.

Am meisten stören sich die Mitarbeiter der Tafel jedoch an der vermeintlichen Undankbarkeit der Flüchtlinge. Dass ihr Verhalten womöglich auf Unkenntnis beruhen mag, kommt ihnen nicht in den Sinn. So schildert Mitarbeiter Frank Wiesner, einige Flüchtlinge „beäugten“ manche Lebensmittel beim Auspacken sehr skeptisch. „Alles was sie nicht kennen oder nicht mögen schmeißen sie über den Gartenzaun. Oder sie knabbern die Brötchen an und schmeißen sie dann in die Ecken. Das haben wir alles schon erlebt.“ Überprüfen ließen sich diese Vorwürfe während des Vorort-Termins nicht. Dass auch deutsche Bedürftige Spenden so „entsorgten“, ist aus der Praxis der Tafel durchaus bekannt. Die Redaktion bemühte sich gestern um eine Stellungnahme vom Leiter der Schweriner Tafel e.V., Peter Grosch, zu den Ausgabebedingungen für Flüchtlinge. Diese war bis Redaktionsschluss indes nicht zu bekommen.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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