Lehsen und Wittenburg : Kommunale "Hochzeit" geplant

<strong>Berno Lüpken (l.)  und Norbert Hebinck </strong>sind im Gespräch, um die geplante Fusion zwischen Lehsen und Wittenburg auf den Weg zu bringen. <fotos>Thorsten Meier</fotos>
Berno Lüpken (l.) und Norbert Hebinck sind im Gespräch, um die geplante Fusion zwischen Lehsen und Wittenburg auf den Weg zu bringen. Thorsten Meier

Hinter den kommunalen Kulissen laufen seit kurzem die Fusionsgespräche zwischen der 370-Seelengemeinde Lehsen und der Stadt Wittenburg. Die Einwohnerzahl Wittenburgs würde dann auf über 5000 steigen.

svz.de von
13. März 2013, 10:35 Uhr

Wittenburg/Lehsen | Ihre Eigenständigkeit aufgeben will künftig die 370-Seelengemeinde Lehsen: "Nach etwa einem Jahr reiflicher Überlegung beabsichtigen wir, uns mit der Stadt Wittenburg zusammenzuschließen", sagt Berno Lüpken, seit 1997 Bürgermeister. Die finanzielle Ausstattung der Kommunen werde flächendeckend immer schlechter, begründet das Dorfoberhaupt den Entschluss. "Die Gemeindevertretung hat mich einstimmig beauftragt, Fusionsverhandlungen aufzunehmen. Wir werden mit offenen Armen empfangen, es gibt bereits seit Jahren eine gute Zusammenarbeit", berichtet der gebürtig aus Zühr Stammende weiter. Lehsen, der Ort, in dem er seit 1992 wohne, sei ja auch kein Partner, den man nicht haben wolle. "Schließlich sind wir pflegeleicht und Wittenburg kommt durch uns auf eine Einwohnerzahl von über 5000."

Als Berno Lüpken sein Amt übernahm, habe das Dorf nur 500 000 DM Schulden gehabt. "Binnen zehn Jahren hatten wir die zurückgezahlt und sogar Rücklagen gebildet", erinnert sich der Ehrenamtliche. Doch dann habe die Gemeinde 1994 Schulden machen müssen, um die eigenen Straßen zu erneuern. 1999 seien Gehweg und Straßenbeleuchtung an der Landesstraße 04 dran gewesen sowie das Gemeindezentrum inklusive Feuerwehrgebäude komplett saniert worden. Im Jahre 2000 habe man den Sportplatz neu angelegt. "Die Kredite hatten wir bis 2005 zurückgezahlt. Wir haben die Zeiten genutzt, wo wir handlungsfähig waren, um alle förderfähigen Maßnahmen zu realisieren. Unsere Gemeinde ist jetzt komplett durchsaniert", betont Lüpken und verweist auf das hohe Firmenaufkommen in seinem Ort. Jeder Zehnte, der hier wohne, habe ein kleines Unternehmen. "Außerdem haben wir seit der Wende 50 neue Häuser gebaut. Dadurch verfügen wir über sehr viele Kinder im schulfähigen Alter. Wir gehören zu den fünf jüngsten Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern, was den Altersdurchschnitt betrifft." Die Gemeinde habe etwa 70 Kinder, für die sie pro Jahr u. a. 80 000 Euro an Schul-, Kinder- und Krippenbeiträgen bezuschussen müsse. "Das bringt uns an unsere Grenzen", bekennt Berno Lüpken im Gespräch mit der SVZ. Als Bürgermeister genießt er offensichtlich hohes Ansehen in seinem Landstrich. Davon zeugt die letzte Wahlbestätigung für ihn von über 90 Prozent. "Da wir bestrebt sind, auch in Zukunft noch etwas für unseren Ort zu bewegen, ist dieser geplante Schritt bis zur Kommunalwahl 2014 aus Sicht der Gemeindevertretung ein sinnvoller Weg. Die Kommunalaufsicht des Landkreises hat bereits signalisiert, dass bei einer Fusion Maßnahmen bezuschusst werden, die sonst in den nächsten Jahren nicht realisiert werden könnten, wie beispielsweise ein neuer Spielplatz."

Gemeindearbeiter Holger Nagel, seit rund zehn Jahren ist er die gute wie fleißige Seele in Lehsen, soll auch nach der kommunalen "Hochzeit" seine Stelle behalten, verspricht Berno Lüpken, dem diese Zusage der Wittenburger sehr am Herzen liegt. Auch werde die Lehsener Feuerwehr mit ihren über 50 Aktiven, darunter zwei sehr erfolgreichen Jugendwehren, in ihrem Fortbestand nicht gestört.

Dass eine Gemeinde von sich aus die Fusion mit der Stadt Wittenburg beantrage, um perspektivisch ein Ortsteil von ihr zu werden, bezeichnet Bürgermeister Norbert Hebinck als "bemerkenswert". "Wir freuen uns über das entgegengebrachte Vertrauen, das wir natürlich rechtfertigen wollen. Wir wären dann endlich auch wieder mehr als 5000 Einwohner."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen