Hagenow: Abschied zum Afghanistan-Einsatz : Kommt alle gesund wieder nach Hause

Vorbeimarsch der Einsatzkräfte am gestrigen Nachmittag nach dem großen Verabschiedungsappell. Im Juli beginnt dann der Einsatz der gut 400 Soldaten am Hindukusch, die Truppe wird im Dezember wieder zurück erwartet.Mayk Pohle
Vorbeimarsch der Einsatzkräfte am gestrigen Nachmittag nach dem großen Verabschiedungsappell. Im Juli beginnt dann der Einsatz der gut 400 Soldaten am Hindukusch, die Truppe wird im Dezember wieder zurück erwartet.Mayk Pohle

Große Aufmärsche und Appelle sind für die Grenadiere des Bataillons 401 an sich nichts Ungewöhnliches. Dennoch gehörte das gestrige Zeremoniell zu den Ereignissen, die den Beteiligten lange in Erinnerung bleiben werden.

von
04. Mai 2012, 07:54 Uhr

Hagenow | Große Aufmärsche und Appelle sind für die Grenadiere des Bataillons 401 an sich nichts Ungewöhnliches. Dennoch gehörte das gestrige Zeremoniell ohne Übertreibung zu den besonderen Ereignissen, die den Beteiligten lange in Erinnerung bleiben werden. Den fast 400 Männern und Frauen, die in wenigen Wochen truppweise nach Afghanistan zum Einsatz geflogen werden aber auch den Hunderten Familienangehörigen, die für sechs Monate von ihren Lieben getrennt sein werden. Fast alle wissen, was sie erwartet, denn die übergroße Mehrheit der Soldaten war schon dort, stand dort im Kampf, kennt die Gefahren, kennt den Gegner aber auch ihre afghanischen Partner. Mit denen werden sie am meisten zu tun haben, denn das Hagenower Bataillon wird Leitverband für die "Partnering and Advisory Task Force" (PATF) , wie es so schön im NATO-Deutsch heißt. Übersetzt: Die deutschen Soldaten unterstützen die afghanischen Sicherheitskräfte vor allem und greifen selbst nur im Notfall ein. Doch der kann angesichts der sich immer schneller verändernden Lage leider jederzeit eintreten. Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Andreas Kühne, wird stellv. Kommandeur des PATF Kunduz. Die Hagenower werden vor Ort es nicht nur mit der afghanischen Armee und Polizei als Partner zu tun haben, sondern auch mit Soldaten anderer Staaten. Dazu gehören auch US-Soldaten, die z. B. für den Lufttransport verantwortlich sind. Spürbar war gestern Nachmittag der große Ernst, der alle erfasst hatte. Der Hauptrednerin Karin Strenz, Bundestagsabgeordnete der CDU, gelang es gut, die Stimmung der Soldaten aber auch der Angehörigen einzufangen. " Ja, Kunduz ist ein gefährliches Pflaster, naja, eher ein gefährlicher Sand. Und doch, für Zivilisten unvorstellbar: Liebe Familien, die Sie zu Hause bleiben müssen, glauben Sie mir, die Truppe hält das aus, mehr noch, sie lebt es und sie lacht auch. ... Der, der nach Afghanistan zieht, hinterlässt Lücken im Alltag, zu Hause, in der Heimat. Er hinterlässt Lücken - als Kumpel, als Sohn oder Tochter, als Vater, als Freundin, Freund oder Mann. Liebe Soldaten, Sie werden also fehlen, man wird Sie sehr vermissen...Und wenn Sie wieder da sind, werden Sie sich verändert haben, Sie werden reifer, stärker, abgeklärter, motivierter und zu Recht stolz sein. Vielleicht aber auch nachdenklicher, ruhiger, zweifelnd, hinterfragend und belastet, weil sich Erlebtes weder vergessen noch verdrängen lässt. Ganz gleich, sie sind dann in der Familie und bei den Kameraden in den richtigen Händen. Reden Sie miteinander, nicht erst nach dem Einsatz, tun Sie es vorher offen und ehrlich. Und vor allem: im Einsatz."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen