Klinikum Hagenow : Klinik operiert im Minus

Große Personalsorgen gibt es bei den Ärzten. Das Klinikum hat Probleme sie zu binden und muss immer wieder auf Honorarärzte zurückgreifen - ein hoher Kostenfaktor.
Große Personalsorgen gibt es bei den Ärzten. Das Klinikum hat Probleme sie zu binden und muss immer wieder auf Honorarärzte zurückgreifen - ein hoher Kostenfaktor.

Schwierige Wirtschaftslage: Das Westmecklenburg Klinikum macht erneut Verluste. Ein Plus ist erst für 2019 geplant.

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10. Dezember 2017, 21:00 Uhr

„Halten wir uns an die Fakten“, sagt Volker Schulz, Geschäftsführer des Westmecklenburg Klinikums Helene von Bülow mit den beiden Standorten in Hagenow und Ludwigslust. Allerdings gibt es beim Blick auf die Fakten zwei Sichtweisen - das dürfte Volker Schulz in den vergangenen Tagen deutlich geworden sein. Der Haushalts- und Finanzausschuss des Landkreises Ludwigslust-Parchim hatte ihn zum Rapport gebeten. „Informationen der Geschäftsführung zum Klinikum Helene von Bülow“ stand bei der Ausschusssitzung in einem nichtöffentlichen Teil auf der Tagesordnung. Und diesen nutzten die Ausschussmitglieder ausführlich.

Knapp zwei Stunden wurde hinter verschlossenen Türen geredet. Nicht nur mit Volker Schulz, auch Jürgen Stobbe, ebenfalls Geschäftsführer des Klinikums, und Helge Mantzel, der Verwaltungsdirektor, mussten sich den Fragen stellen. Dass es dabei durchaus zu heftigen Diskussionen gekommen sein dürfte, zeigte sich als die Türen wieder aufgingen – es lag Spannung in der Luft.

Und die blieb auch in der anschließenden, wieder öffentlichen, Diskussion um den Quartalsbericht sowie vorgelegten Wirtschafts- und Erfolgsplan erhalten. Es zeigten sich die beiden unterschiedlichen Sichtweisen.

Auf Nachfrage schilderte Volker Schulz der SVZ seinen Standpunkt: „Wir haben letztes Jahr einen erheblichen Verlust von knapp 1,6 Millionen Euro gemacht. 2017 sieht es so aus, dass wir deutlich mehr Fallzahlen haben und den Umsatz damit deutlich steigern können.“ Der Verlust werde wohl im Vergleich zu 2016 halbiert.

Am Ende steht  aber immer noch ein Minus von 800 000 Euro auf dem Papier. Schulz dazu: „Es ist das klassische  Sanierungsgeschäft. Mit einem  stationärem Umsatz von  rund 45 Millionen Euro, kriegen wir die Verluste nicht einfach ausgebügelt. Für ein ausgeglichenes Ergebnis brauchen wir noch mehr Fälle.“  Er sei aber optimistisch, dass sich das Ergebnis im kommenden Jahr weiter verbessert. Dennoch ist für 2018 erneut ein Verlust von gut 260 000 Euro eingeplant. „2019, und das ist realistisch, wollen wir ein positives Geschäftsergebnis“, so Schulz. „Wir sind auf einem guten Weg.“

Eine Aussage, der einige Ausschuss- und Kreistagsmitglieder wohl kein Vertrauen  schenken. Schon im Wirtschaftsplan von 2014 bis 2016 habe man mit rund vier Millionen Euro mehr Umsatz gerechnet, führt Stefan Lange (FDP/AfL) an. Effektiv seien es  dann nur zwei Millionen gewesen und  anderthalb Millionen Euro Verluste. „In der Planung stehen nun für 2016 bis 2018 wieder rund vier Millionen mehr Umsatz. Nahezu die gleichen Zahlen, das würde ich gerne einmal erklärt bekommen.“ Auch Rainer Wilmer (Umwelt/Piraten/Freie Wähler) ist unzufrieden. „Ich bezeichne den Vorbericht als dünn. Eigentlich gilt für Wirtschaftspläne das, was für Haushaltspläne auch gilt, es sollten konkrete Aussagen darin stehen, wie es wirtschaftlich weiter geht.“

Noch deutlicher wird Heiko Böhringer (AfL) auf SVZ-Nachfrage. „Gruselig“, sagt er dazu, „was  aus dem Stift geworden ist, wenn man die wirtschaftliche Situation betrachtet.“ Der jetzigen Geschäftsführung halte er vor, Strukturen kaputt gemacht  zu haben. Dadurch seien einige verdiente Ärzte gegangen. Auch der Landrat, als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, trage daran eine Mitschuld. „Das bekommt er auch aufs Brot geschmiert.“

Einen Anlass dafür gibt es wohl auf der morgigen Kreistagssitzung. Dort wird dem Gremium der Wirtschaftsplan zur Kenntnisnahme vorgelegt.  Die Frage dabei ist, wie der Landkreis, als einer der beiden Gesellschafter, damit umgehen will. Die Geschäftsführung des Klinikums scheint jedenfalls nicht mehr unumstritten zu sein.  Auch wenn der Vorsitzende des Haushalts- und Finanzausschusses Reiner Altenburg (SPD) zum Ende der vergangenen Sitzung noch bemüht war, die Wogen  zu glätten: „Wir sollten jetzt das positive Signal nach Außen geben, dass wir auf eine gute Entwicklung hoffen.“

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