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Keine Winterruhe für die Bienen : Kleine Flugkünstler zittern sich warm

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Die Bienen gelten als die exaktesten Baumeister der Welt und sorgen für eine süße Leckerei. Im Winter sind sie scheinbar zur Arbeitslosigkeit verdammt. Doch ein Boizenburger Imker verrät: Sie wärmen ihre Königin.

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erstellt am 04.Feb.2013 | 10:14 Uhr

Boizenburg/Schwartow | Sie gelten als die exaktesten Baumeister der Welt, führen verblüffende Sonnenstandsberechnungen durch, navigieren nach einer inneren Landkarte, unterscheiden hunderte von Düften und leisten Großartiges für den Fortbestand der Welt, in dem sie das Bestäuben von Abermillionen Blüten übernehmen: Die Rede ist von einem kleinen Flugkünstler, den wir oft nur als Honiglieferant betrachten, ohne deren Existenz das Überleben auf unserem Planeten jedoch wohl kaum möglich wäre. Und die im Winter zur Arbeitslosigkeit verdammt sind, weil es keine Pflanzen gibt, die blühen. Das Sammeln von Pollen und Nektar ist zwangsläufig eingestellt. Anders, als so manches Haustier, das bei Kälte in die warme Stube umziehen darf, bleiben die Bienen draußen in der Kälte.

Bienen sitzen dicht gedrängt in einer Wintertraube

"Die kommen prima damit zurecht, fahren ihren Stoffwechsel herunter und produzieren mithilfe des eingelagerten Honigs selbst Wärme. Dazu zittern sich die Bienen regelrecht warm", berichtet Wolfgang Pienka. Der 75-Jährige ist seit 1949 Imker. Die Bienen säßen dabei dicht gedrängt in einer sogenannten Wintertraube, in deren Mitte sich die Königin befände, die von den Arbeiterinnen mit mindestens 25 Grad Celsius gewärmt werde, erklärt der gebürtige Boizenburger weiter. "Dabei wechseln sich innen- und außensitzenden Bienen immer wieder ab. Von einem Winterschlaf kann also keine Rede sein. Bienen sind immer fleißig", betont Pienka, der als Neunjähriger von einem alten Bauern seinen ersten Bienenschwarm angeboten bekam. Damit habe die Sucht ihren Anfang genommen, merkt der Imker schmunzelnd an, der heute seinem Sohn, der eine Berufsimkerei betreibe, noch ab und an helfe. Die Temperatur im Bienenstock dürfe nicht unter 15 Grad Celsius fallen. Mit dem erhöhten Sonnenstand beginne die Königin dann mit dem Eierlegen.

Bienen merken instinktiv, wenn die Sonne höher steigt

"Das ist jetzt schon der Fall. Die Biene merkt instinktiv, wenn die Sonne höher steigt. Mit 20 000 Stück geht das Volk in den Winter, bis Mitte Juni wächst es auf etwa 60 000 an", weiß Pienka desweiteren zu erzählen. Und betont, dass die Biene das einzige Lebewesen auf diesem Planeten sei, das weltweit überall leben könne. Wolgang Pientka ist übrigens seit 15 Jahren auch 1. Vorsitzender des Landesverbandes der Buckfastimker Mecklenburg-Vorpommern e.V. Der hat derzeit 112 Mitglieder, von denen jeder Einzelne im Durchschnitt jeweils etwa 70 Völker sein Eigen nennt. "Ich habe nach der Wende mit der Buckfastimkerei begonnen. Zu DDR-Zeiten durfte man das ja wegen der Gefahr einer Rassenvermischung nicht", erinnert sich der Senior, der nicht verhehlt, dass die Buckfastimkerei auch heutzutage von einigen konventionellen Imkern immer noch angefeindet werde. Da habe es viel Krieg gegeben in der Vergangenheit in der Imkerwelt. Doch er habe sich davon nicht beirren lassen.

"Die Buckfastbiene ist winterhart, sammel- und brutfreudig, sparsam, sowie schwarmträge. Durch Kreuzung und Auslese bekommt man eine Leistungssteigerung sowie bestmögliche Ergebnisse", benennt Pienka die für ihn so wichtigen Vorteile. Dennoch bleibe Buckfastimkerei kompliziert und schwierig.

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