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Garlitz : Kleinbauern: „Wir saufen hier ab!“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Hochwasser: Unternehmer der Region Lübtheen fordern mehr Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaftsbetrieben und Behörden

svz.de von
erstellt am 08.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Es ist doch ein kleiner Bauernaufstand, den Holger Möller und Holger Wilck jetzt in Garlitz und Gößlow anzetteln. Die beiden befreundeten Landwirte aus der Region um Lübtheen herum sagen wörtlich „Wir saufen hier ab!“

Gemeint sind ihre Grünflächen, die sie in diesem Jahr vergessen können. Beide Unternehmer haben jeweils 80 Hektar Fläche zur Heugewinnung durch das Wasser verloren. „Für den Otto-Normal-Verbraucher klingt das immer sehr abstrakt. Aber wenn ich Ihnen sage, dass wir von 40 000 Euro sprechen, die mir fehlen, sieht man schnell wie existenzbedrohend diese Wassermassen sind. Ich muss auch meine Leute bezahlen können“, sagt Holger Möller, der mit seinem Bruder Jörg in Garlitz einen Landwirtschafts- und Pferdehof führt. Seinem Freund Holger Wilck geht es in Gößlow ähnlich. „Wir wollen hier nicht jammern, aber wir sprechen eben von enormen Einbußen. Es soll auch gar nicht um Entschädigungen gehen, aber man muss doch in unserem Bereich viel besser zusammenarbeiten“, sagt der 57-Jährige.

In der Pflicht sehen die Kleinbauern, die auf ihren Flächen von den enormen Wassermassen in ihrer Arbeit eingeschränkt sind, vor allem die Behörden. Wasser- und Bodenverband, Biosphäre und auch das Staatliche Amt für Umwelt und Natur sollten sich der Probleme der Bauern besser annehmen. Im Detail gehe es vor allem um die so genannte Entkrautung der Flüsse Sude und Rögnitz, die der Region so viel Sorge bereiten. „Unfassbar wie hoch der Pegel zuletzt stand. Da wurde der Deich einfach überflutet“, so der 60-jährige Möller, der in Toddin beim Wasser- und Bodenverband keine ausreichende Hilfe bekam. Der rettende Einfall: Der relativ kurze Draht zu Till Backhaus – der letzte Ausweg. „Ja, wir haben Till gefragt, ob er etwas tun könne. Und wir sind dankbar, dass er seinen Kontakt nach Niedersachsen genutzt hat“, sagt Holger Wilck. Das bestätigt gestern am Telefon auch der Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverband. Ein einstündiges Gespräch zwischen Backhaus und Geschäftsführer Jürgen Sahs hat wohl dazu geführt, dass im Sückauer Pumpwerk die Schleusen aufgingen und Wasser aus der Sude abgelassen wurde. Für die meisten Wiesen kam diese Rettung vermutlich zu spät. „Das faulige Gras stinkt ja zum Himmel“, sagt Holger Möller.

Trotzdem sehen die Kleinbauern hier einen ersten Ansatz, um vernünftig miteinander zu arbeiten. Auch länderübergreifend. Denn es könne ja nicht sein, dass für die großen Landwirtschaftsunternehmen im Land andere Regeln gelten als für die Kleineren. „Wir stärken mit unserer Arbeit auch den Zusammenhalt in der Region. Nur ein Beispiel: Meine Kühe und Pferde konnte ich von meinen nassen Wiesen bei Möllers hinstellen. So funktioniert eben gute Nachbarschaftshilfe“, erzählt Holger Wilck.

Den gleichen Ansatz wählt auch der Kreisbauernverband Ludwigslust-Hagenow. „Wir werden uns demnächst mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen und die Probleme an der Sude und der Rögnitz diskutieren. Dass hier Lösungen her müssen, liegt auf der Hand. Auch die Ministerien wollen wir mit ins Boot holen“, sagt Geschäftsführerin Nicole Gottschall. Problem: Ist die Elde-Wasserstraße gefüllt, kann der Pegel der oberen Seen in MV und auch der Schweriner Seen nur über die Sude reguliert werden. „Und wenn wir hier vor Ort nichts machen, saufen wir ab“, sagt Landwirt Holger Wilck.

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