Wasserkosten : Klärschlamm wird zur Kostenfalle

Ein Teil der Trocknungsanlage für den Klärschlamm in Zarrentin. Noch darf der Rest ausgebracht werden, doch die Zeichen stehen auf Verbrennung und damit steigende Kosten.
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Ein Teil der Trocknungsanlage für den Klärschlamm in Zarrentin. Noch darf der Rest ausgebracht werden, doch die Zeichen stehen auf Verbrennung und damit steigende Kosten.

Für das kommende Jahr bleiben Gebühren für Trink- und Abwasser bei den Verbänden Sude-Schaale stabil. Ab 2019 wird es schwierig

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28. November 2017, 12:00 Uhr

Die gute Nachricht für Tausende Haushalte in der Region: Beim Trinkwasser und Abwasser bleiben die Gebühren auch im kommenden Jahr konstant. Mit 2,55 Euro brutto bei dem Kubikmeter Abwasser und 1,01 Euro für 1000 Liter Trinkwasser bekommen die Kunden auch im Landesvergleich damit weiter sehr günstige Preise. Die weniger gute Nachricht: Ab 2019 wird sich das vermutlich nach oben ändern, wenn nach jetzigem Stand auch nicht dramatisch.

Der Grund liegt in steigenden Kosten mit denen sich die „Stadtwerke“ der Gemeinden konfrontiert sehen. Im Abwasserbereich ist es vor allem die Entsorgung des Klärschlammes, die massive Sorgen bereitet, wie der geschäftsführende Leiter des Verbandes, Nicolaus Johanssen im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte. „Dieser Schlamm darf nicht mehr oder nur noch unter ganz strengen Auflagen auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht werden. In der Folge steigen die Kosten massiv. Für das kommende Jahr können wir das aufgrund unserer guten Gesamtsituation noch auffangen. Doch für 2019 wird es schwierig, da ist mit steigenden Gebühren für den Abwasserbereich wohl zu rechnen.“ Doch selbst dann soll es vergleichsweise moderat zugehen. Johanssen vermutete Mengengebühren in Richtung 2,73 bis 2,75 Euro für den Kubikmeter. Zum Vergleich: Ende der 1990er-Jahre, als der Verband noch ein Problemfall war, lagen die Gebühren bei 4,50 Euro.

Dabei hat der Zweckverband das heikle Thema Klärschlamm noch relativ clever gelöst. Der Entsorger, der die rund 3000 Tonnen des Verbandes im Jahr abnimmt, hatte den Vertrag schon gekündigt. Es folgten schwierige Verhandlungen mit einem Kostenaufschlag und neuem Vertrag. Im Ergebnis muss der Verband nun 150 000 Euro für die Entsorgung des Schlammes in diesem Jahr aufbringen. Im Jahr 2018 wird diese Summe auf 180 000 Euro steigen. Ohne den Deal mit dem Entsorger wären jetzt schon Kosten von 300000 Euro fällig gewesen. Denn künftig darf Klärschlamm überhaupt nicht mehr auf Felder gebracht werden. Im Moment gibt es dann nur noch die Verbrennung als Alternative, und das kostet.

Der Schlamm, der bei der Klärung der Abwässer in den beiden Anlagen Zarrentin und Brahlstorf anfällt, wird den Verband auch noch anderweitig auf der Tasche liegen. Denn vor allem die jetzige Anlage in Zarrentin ist am Rande ihrer Auslastung. Das gilt auch für den Faulturm, in dem der Klärschlamm reagieren muss, bevor an Trocknung und Weitertransport zu denken ist. Nun soll ein zweiter Faulturm gebaut werden. Zusätzlich wird eine kleines Blockheizkraftwerk entstehen, um die Faulgase zu verstromen. Künftig soll die Kläranalage ihren eigenen Strom erzeugen, bisher wird das anfallendes Gas nicht genutzt. Der Umbau und die Erweiterung in der Kläranlage Zarrentin sollen nach bisherigen Schätzungen 2,6 Millionen Euro kosten. Diese Summe kann sich angesichts der aktuellen Lage auf dem Bau auch noch ändern. Dennoch werde dieser Umbau die Gebührenzahler nicht zusätzlich belasten, versprach Johanssen. Diese Investitionen kann der Verband so stemmen, nicht zuletzt durch seine hohe Ausstattung mit Eigenmitteln. Insofern hat Johanssen, der das Amt vor gut drei Jahren von seinem Vorgänger Ralph Rassmann übernahm, die beiden Verbände nicht nur verwaltet, sondern die gute wirtschaftliche Lage auch noch deutlich ausgebaut.

Das gilt auch für den Trinkwasserbereich, hier gehören immerhin 38 Gemeinden zum Verband. Schwerpunkt für die Zukunft ist die langfristige Sicherung der Brunnen, aus denen das Nass gefördert wird. Erster Problemfall mit nitratbelastetem Wasser war Hülseburg. Dort gibt es inzwischen einen Tiefbrunnen mit sehr sauberen und altem Wasser. Doch es deuten sich weitere Baustellen an, beispielsweise in Rodenwalde. Dieser Investitionbedarf wird wahrscheinlich schon 2019 auf die Gebühren durchschlagen, wenn auch in moderatem Umfang.

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