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Hagenow müsste Millionen für Neubau und Sanierung ausgeben : Kitas werden viel teurer, als jemals gedacht

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Eigentlich ist der Haushaltsplan der Stadt Hagenow abstimmungsreif und eigentlich ist nach Monaten der Planung auch alles klar. Wäre da nur nicht das Problem der Kosten für die Kindertagesstätten.

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erstellt am 10.Apr.2013 | 09:54 Uhr

Hagenow | Eigentlich ist der Haushaltsplan der Stadt abstimmungsreif, eigentlich ist nach Monaten der Planung auch alles klar. Wäre da nicht das Problem der Kosten für die Kindertagesstätten. Hagenow will (muss) eine neue Einrichtung bauen. Für die 84 Plätze sind 1,8 Millionen Euro grob eingeplant. Ohne Fördermittel ist das angesichts der Finanzlage der Stadt undenkbar. Doch das ist offenbar nur ein kleiner Teil dessen, was die Stadt wirklich schultern muss. Im Finanzausschuss der Vertretung kam jetzt heraus, dass die beiden Großeinrichtungen "Matroschka" und "Regenbogenland" wohl die eigentlichen Sorgenkinder sind. Erik Hofmann, stellvertretender Bürgermeister, präsentierte in der Diskussion die Zahl, die alle Finanzplanungen der Stadt über den Haufen werfen könnte. Nach einer ersten Untersuchung liegen die Kosten für eine Komplettsanierung der Kita "Matroschka" bei 2,2 Millionen Euro. Hofmann: "Dann hätten wir aber nicht einen Platz mehr als jetzt zur Verfügung."

Das Problem: Die Stadt kann es sich auf Dauer nicht aussuchen, ob sie etwas in diesen Einrichtungen macht. Sie muss handeln. Für beide Kitas, die jeweils mehr als 350 Kinder betreuen, gibt es nämlich Sonderregelungen von der Fachaufsicht. Und die laufen aus. Der geplante Kita-Neubau am Prahmer Berg ist ja nicht nur nötig, weil es soviel Kinder auf der Warteliste gibt. Nein, die großen Einrichtungen müssen dringend entlastet werden, damit wenigstens der gesetzlich vorgeschriebene Schlüssel wieder eingehalten wird. Die Stadt Hagenow bezifferte am Montag die Zahl der Kinder, die aus den großen Kitas herausgenommen werden müssen, auf 46.

Durch den nahenden Gesetzesanspruch auf einen Kita-Platz herrscht jetzt enormer Druck. Die Stadt muss neu bauen, weiß aber noch nicht, ob es die Fördermittel gibt. Dazu der Sanierungsbedarf der beiden Kitas. Und auch die 1,8 Millionen für die neue Kindertagesstätte sind lange noch nicht des Ende der Fahnenstange, schließlich muss diese Kita auch noch eingerichtet werden.

In der Summe steht Hagenow wohl allein bei den Kitas vor einem Investitionsbedarf, der an die sieben Millionen Euro heranreicht. Vor diesem Hintergrund gab es am Montag im Finanzausschuss eine heftige Diskussion. Dem Ausschussvorsitzenden Klaus Jensen platzte der Kragen ob der Informationspolitik der Stadt. Er wolle und werde solchen Investitionen nicht zustimmen, ohne ein Gesamtkonzept mit schlüssigen Zahlen zu haben. In wenigen Jahren werde nach den Geburtenzahlen der Bedarf an Kita-Plätzen wieder spürbar sinken. Er, so Jensen, sei für einen Sperrvermerk, solange das nicht klar sei. Die Verwaltung hielt dagegen, dass sie an einem Konzept arbeite. Doch die Stimmung im Finanzausschuss war dann doch eine andere.

"Wir haben hier jahrelang geschlafen. Was haben wir von einem tollen Museum, wenn keine Kinder mehr hingehen können, weil die Betreuung nicht klappt. Ob mit oder ohne Förderung, die Stadt muss bei den Kitas handeln, da ist das Gesetz eindeutig", mahnte Petra Lampe von den Linken an.

Wie das gehen soll? Große Ratlosigkeit herrschte auch im Finanzausschuss. Schon mit dem Eigenanteil für die neue Kita hätte Hagenow erhebliche Finanzprobleme, aktuell ist die Lage schon sehr angespannt. Und die Aussichten bis 2016 sind noch düsterer, das sagen die jüngsten Zahlen.

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