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Bürgerinitiative Boizenburg : Kita, Schule, Hort - Probleme überall

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Diskussion im Boizenburger Rathaus brachte zahlreiche Defizite auf den Tisch. Aktuell gibt es 98 Krippenkinder mehr als Plätze

svz.de von
erstellt am 19.Jul.2017 | 21:00 Uhr

„Die Stadt muss sich überlegen, was sie sein will. Kinderfreundlich? Pendlerfreundlich? Zuzugsgebiet für Familien? Davon hängen dann die politischen Entscheidungen ab“, zog Friedrike Kleeblatt am Dienstabend nach der Podiumsdiskussion im Rathaus ihr Resümee. Dorthin waren mehr als 60 Boizenburger gekommen, um über die Themen Kita, Schule und Hort zu diskutieren. Eingeladen zu dieser Diskussion hatte die neu gegründete Bürgerinitiative Boizenburg um Dirk Foitlänger vom Elternbeirat der Grundschule „Ludwig Reinhard“, Menno Peters, Vorsitzender des Elternbeirates der Regionalschule „Rudolf Tarnow“ und Friederike Kleeblatt, die als Lehrerin an einer Ganztagsschule in Hamburg arbeitet. Wie sich herausstellte, wurden bei der Veranstaltung so viele Probleme angeschnitten, dass der Abend dazu nicht ausreichte.

„Ich hätte mir ein paar konkretere Ergebnisse gewünscht“, zog Menno Peters Bilanz. „Aber wir haben erst einmal eine Öffentlichkeit für diese Themen hergestellt, und das war es, was wir vor allem erreichen wollten“, ergänzte Friederike Kleeblatt. „Und es gibt ja jetzt die Idee einer Arbeitsgemeinschaft mit Vertretern der Fraktionen, der Stadtverwaltung, Eltern und Interessierten“, meinte Dirk Foitlänger.

Betriebserlaubnis für weitere 22 Hortplätze


Eine der wichtigen Neuigkeiten des Abends war: „Wir haben seit letzter Woche eine Betriebserlaubnis für 110 Plätze im Hort der Kita ‘Spielhaus’“, konnte DRK-Kreisgeschäftsführer Dietmar Jonitz mitteilen. Damit können die Eltern der 22 Erstklässler aufatmen, die bisher in dem Hort neben der Grundschule „Ludwig Reinhard“ für das neue Schuljahr keinen Platz bekommen hatten (SVZ berichtete). „Wir habe eine weitere Mitarbeiterin eingestellt und sind mit drei weiteren im Gespräch“, verkündete Dietmar Jonitz ebenfalls, denn für so viele neue Hortkinder sind weitere Mitarbeiter notwendig.

Problem: Finden und Halten von Fachpersonal

Das Finden von Fachpersonal ist ein weiteres drängendes Problem in Boizenburg. „Wir suchen händeringend Lehrer“, sagte Angela Hartmann, Direktorin der Grundschule „And den Eichen“ und Kollegin Sigrun Schilling von der Reinhard-Grundschule stimmte zu: „Auch wir suchen seit letztem Schuljahr vergeblich eine Vertretungslehrkraft und ab September auch noch eine Lehrerin für eine erste Klasse.“ An der Regionalschule „Rudolf Tarnow“ fehlen gleichfalls Lehrer. „Die Schülerzahlen stimmen ja gar nicht mit denen im Schulentwicklungsplan des Landkreises überein“, warf Angela Hartmann ein. „Bei uns sind es im neuen Schuljahr 23 mehr als dort stehen.“ „Bei uns 21“, sagte Sigrun Schilling. „An der Tarnowschule waren für 2025 ca. 480 Schüler prognostiziert, es sind aber schon in diesem Schuljahr 486. Boizenburg wächst und die Zahlen sind jenseits aller Prognosen“, meinte Bürgermeister Harald Jäschke.

Problem: Zu wenig Kita- und Krippenplätze

Auf die Frage einer Mutter in diesem Zusammenhang, ob es denn genügend Kitaplätze gebe, sagte Harald Jäschke: „Aktuell gibt es 332 Kinder in Boizenburg und 373 Kitaplätze.“ Allerdings gebe es nur 148 Krippenplätze, aber 245 Kinder zwischen 0 und drei Jahren. „Es gibt dort aber nicht mehr Anmeldungen als Plätze“, sagte Harald Jäschke in einem Gespräch mit der SVZ. Allerdings sei ein Problem, dass die freien Träger oft mehr Plätze angeben, als sie tatsächlich besetzen können, weil Fachpersonal fehlt. „Deshalb gibt es mehr Anmeldungen, als wirklich Kitaplätze da sind.“

Großen Beifall fand der Vorschlag eines Vaters, den Kitabeitrag in Boizenburg so wie jetzt zu lassen, und die 50 Euro, die Manuela Schwesig vom Land dazu geben will, auf das Gehalt der Erzieherinnen aufzuschlagen. Denn nach Einschätzung unter anderem von Doreen Missal, Leiterin der Volkssolidaritäts-Kita „Haus Sonnenschein“, verdienen Erzieherinnen hinter der nur zehn Kilometer entfernten Landesgrenze zu Schleswig-Holstein bis zu 600 Euro mehr im Monat.

Problem: Koordinierung Angebot und Nachfrage

Ebenfalls sehr großen Beifall fand der Vorschlag einer zentralen Koordinierungsstelle bei der Stadt, die das Angebot von Kita-, Hort- und Krippenplätzen sowie den Bedarf der Eltern steuern soll. „Unsere Fraktion wird dazu bei der nächsten Stadtvertretersitzung einen Antrag einbringen“, sagte Heinz Gohsmann (SPD). „Wie übrigens schon zweimal zuvor.“

Problem: Keine Lösung für Hort am GSZ

Erneut wurde von den Eltern die Frage danach gestellt, wie es mit einer langfristigen Lösung für den „Spielhaus“-Hort aussieht, wenn zu Baubeginn für das Grundschulzentrum (GSZ), also voraussichtlich zu Beginn des Schuljahres 2018/2019, die Hortbaracke abgerissen wird. Dabei kam wieder die Doppelnutzung der Räume im neuen GSZ zur Sprache. Schulleiterin Sigrun Schilling schloss diese wegen der „personalisierten“ Klassenräume und wegen der Lärmbelastung des laufenden Unterrichts durch Hortkinder jedoch erneut aus - nicht zuletzt wegen ihrer Erfahrung mit einer Doppelnutzung bis vor einem Jahr.

Angela Hartmann, aber auch Dörte Harder und ihre Kollegin von der Tarnowschule sowie verschiedene Eltern, stellten den Bau des GSZ überhaupt noch einmal in Frage. Die Vertreter der Fraktionen von SPD, CDU und BfB waren sich jedoch einig, dass der Bau des GSZ nicht mehr zur Diskussion steht. „Damit wird nur unnötig Geld verbrannt, das in Boizenburg sowieso knapp ist“, sagte Peggy Wittig (BfB), die mit auf dem Podium saß. Harald Jäschke führte aus, dass von den Kosten über wahrscheinlich 12 Millionen Euro ein großer Teil über die Städtebauförderung kommen soll, die es aber nur gibt, wenn das GSZ in der Altstadt liegt.

„Ich hätte mir gewünscht, dass es vor der Planung des GSZ eine solche Runde wie heute hier gegeben hätte“, erklärte Angela Hartmann. „Wir wollen in die weiteren Planungen für das GSZ einbezogen werden“, foderte Dirk Foitlänger für die Bürgerinitiative Boizenburg.

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