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Hagenower Kreisblatt

23. August 2017 | 06:20 Uhr

Hagenow : Kirchgemeinde gibt Glocke zurück

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Herkunft der einzig verbliebenen Kirchenglocke geklärt: Kirche gibt Bronzeglocke an Roga bei Friedland freiwillig zurück

Hagenow So ist das mit den Nachforschungen, sie können auch überraschend enden. So geht es jetzt der Kirchengemeinde Hagenow. Die hat seit Monaten nicht nur eine kaputte Hauptglocke im Turm. Nun stellte sich heraus, dass die einzige verbliebene Bronzeglocke eigentlich in ein Dorf namens Roga bei Friedland gehört. Nun muss beim Aufbau des neuen Geläuts im Hagenower Kirchturm komplett umgedacht werden. Denn nun hat man formal erst einmal gar keine Glocke mehr.

Was nicht bedeutet, dass nun gleich Stille einzieht in der Stadt. Die Übergabeformalitäten sind noch gar nicht geklärt und sicherlich wird das erst passieren, wenn die neuen Glocken in den Kirchturm zu Hagenow kommen werden. Denn das ist der feste Wille nicht nur der Kirchengemeinde sondern vieler Hagenower. Das merkt man am Erfolg der seit Monaten angelaufenen Spendenaktion.

Dabei müsste man formal die aus dem 16. Jahrhundert stammende Glocke eigentlich nicht zurückgeben. Doch der Kirchengemeinderat hat auf seiner letzten Sitzung beschlossen, die Glocke wieder an die Ursprungskirche zurückzugeben. „Es besteht zwar keine Verpflichtung aber es läge kein Segen darauf, sie zu behalten, wenn sie doch eigentlich woanders hingehört“, schrieb der Spendenberauftragte Claus Köttgen in seiner Information dazu. Weiter heißt es: „Die Glocke und deren Klang kommen aus Roga und dort gehört sie auch wieder hin, passend zu der dortigen vorhandenen zweiten historischen Glocke.“ Mit der dortigen Kirchengemeinde und der Pastorin sind bereits Kontakte geknüpft worden. Das bestätigte gestern Pastorin Ruthild Pell-John im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Nachricht von der Rückgabe sei von ihrer Gemeinde mit Freude aufgenommen worden. Auch bei der Pastorin selbst schließt sich der Geschichtskreis. War sie doch bis vor wenigen Jahren Pastorin in Redefin und Leussow.

Wie kam nun die Glocke aus Roga nach Hagenow?

Das hängt eng mit der Kriegsgeschichte zusammen, denn im Zweiten Weltkrieg wurden sehr viele Kirchenglocken eingezogen, um das Metall für die Kriegsproduktion zu verwenden. Die Glocken, die 1942 aus den Kirchen geholt wurden, landeten zum Beispiel auf einen Lagerplatz in Hamburg Veddel auf dem so genannten Glockenfriedhof. Dort wurden sie durch unsachgemäße Lagerung oder durch das Bombardement Hamburgs größtenteils zerstört. Oder sie waren schon eingeschmolzen. Einige tausend Glocken überstanden jedoch den Krieg. Dann wurde ein Ausschuss für die Rückführung der Glocken gegründet, bis 1953 wurden die Lager geräumt. Der DDR bekam teilweise den Glockenbruch zum Neuguss zur Verfügung gestellt sowie 63 Glocken, deren Ursprungsort nicht mehr feststellbar war.

„Auch in Hagenow machte sich die Kirchengemeinde Anfang der fünfziger Jahre auf den Weg, wieder ein Geläut zu bekommen. Sie bekam über den Oberkirchenrat in Schwerin eine der 63 unbekannten Glocken vermittelt. Diese kam am 4. Dezember 1951 aus der Glockengießerei Franz Schilling im thüringischen Apolda nach Hagenow. Zuvor war sie in Thüringen repariert worden. Die 550 Kilogramm schwere Glocke wurde per Bahn angeliefert und läutet seitdem zu allen Veranstaltungen der Gemeinde. Nachdem die Hauptglocke der Hagenower Kirche aus Sicherheitsgründen verstummen musste, war sie die einzige Glocke im Kirchturm“, schreibt der Spendenbeauftragte Claus Köttgen in einem Informationsbrief.

Im Zuge der geplanten Neuanschaffungen für das Geläut wurde auch die unbekannte Glocke genauer unter die Lupe genommen. Es war der Sachverständige Claus Peter, der anhand der Inschrift der Glocke diese schließlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Dorfkirche von Roga zuordnen konnte.

Nun muss in Hagenow umgedacht werden. Ursprünglich sollte die Bronzeglocke Teil des neuen Geläuts werden. Das geht nun nicht mehr. Jetzt hat man sich entschlossen, vier neue Glocken gießen zu lassen, zwei kleinere und zwei größere. In dem Zusammenhang kommt der Spendenaktion, die 87  000 Euro als Ziel hat, besondere Bedeutung zu. Bisher sind mehr als 18 000 Euro von großen aber auch vielen kleinen Spendern zusammengekommen. Inzwischen heißt die Aktion „Tausend Glöckchen für Hagenow“. Bis Herbst 2018 soll der Stadt Hagenow „eine neue aus vier Glocken bestehende, einheitliche und zum Kirchturm passende Stimme verliehen werden“, sagt die Kirchengemeinde.

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erstellt am 15.Apr.2017 | 12:01 Uhr

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