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Feierstunde zu Ehren Ermordeter in Lübtheen : Kinder, die einfach nur leben wollten

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Am Nachmittag wurde in Lübtheen eine Feierstunde im Gedenken an die ermordeten, behinderten Kinder von Lobetal abgehalten. Dabei erfolgte auch die feierliche Übergabe einer gläsernen Gedenktafel.

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erstellt am 24.Jun.2013 | 07:56 Uhr

Lübtheen | Bedrückend und beeindruckend zugleich war die Feierstunde, mit der am gestrigen Nachmittag an eines der schlimmsten Verbrechen der Nationalsozialisten in unserer Region gedacht wurde. Dieses Gedenken an die ermordeten, behinderten Kinder von Lobetal ist seit gestern nun dauerhaft sichtbar. Anlass für das Zusammenkommen von gut 250 Menschen war die feierliche Übergabe der Gedenk-Installation. Auf den großen in die Erde eingelassenen Glastafeln stehen die Namen von 44 Ermordeten, die zweifelsfrei identifiziert werden konnten. Teilweise liegen die Namen nur in abgekürzter Form vor. Die Zahl der Opfer, die allein in Lobetal dem Ausrottungsprogramm der Nazis zum Opfer fielen, lieg t bei 56, deutschlandweit waren es 260 000.

Die Tatsache, dass Ministerpräsident Erwin Sellering persönlich die Gedenkstätte eröffnete, beweist die politische Dimension und die Aktualität des Themas. Sellering machte auch keinen Hehl daraus und sprach die Ideologie der neuen Nazis direkt an, die schon wieder Haß gegen Menschen säten. Gleich mehrfach wurde von mehreren Rednern die Initiative "Wir für Lübtheen" gewürdigt, die im Kampf gegen Rechts immer wieder Zeichen setzt. Sellering mahnte alle, mehr zu tun, im Alltag, bei Dorffesten, in den Sportvereinen.Aufzupassen, dass die Rechten nicht noch mehr Fuß fassen können. In diesem Teil wurde seine Rede gleich mehrfach von Beifall unterbrochen.

Lobetal-Geschäftsführer Norbert Zobel hatte zuvor in die gleiche Kerbe geschlagen. Nur wer die Vergangenheit verstehe, könne die Zukunft gestalten. "Wir sitzen hier an der Stelle, wo einst die Kinder gespielt haben, die dann ermordet wurden. Wir hätten auch einen anderen Platz wählen können, aber wir wollten diesen hier. Das ist hier ein Geschichtsort, ein Gedenkort und ab heute wird er ein Mahnort sein", erklärte der Chef der kirchlichen Einrichtung, die sich um mehr als 90 betagte Menschen kümmert.

Viel kam zur Sprache am gestrigen Nachmittag, viel war auch von dem am Ende aussichtslosen Kampf der Schwestern die Rede, die bis zum Schluß versuchten, die Kinder zu retten. Diese wurden schließlich abgeholt und später brutal ermordet, einige ließ man gezielt verhungern, andere bekamen Spritzen mi t Überdosierungen...

In Erinnerung an die Lobetal-Kinder, die nun wieder einen unauslöschlichen Namen haben, erhoben sich gestern alle zu einer Gedenkminute.

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