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Kiel gibt endgültig grünes Licht für Nordstromleitung

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erstellt am 26.Apr.2012 | 09:38 Uhr

Zarrentin/Kiel | Angekündigt war der Durchbruch ja schon, jetzt kam die offizielle Bestätigung durch das Kieler Wirtschaftsministerium. "Der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr erließ den Planfeststellungebschluss für den letzten Abschnitt der 380-Kilovolt-Leitung von Geesthacht nach Schwerin-Görries", berichtete jetzt das Flensburger Tageblatt. "Damit können ab sofort die Bagger rollen", wird der Wirtschaftsminister des Nachbarlandes, Jost de Jager (CDU) zitiert.

Beim für die Umsetzung der 19 Kilometer langen Freileitung zuständigen Unternehmen 50Hertz Transmission herrscht große Erleichterung über die Beseitigung der lang aufgetürmten bürokratischen Hürden. Geschäftsführer Boris Schucht bestätigte die Genehmigung für den Schleswig-Holsteinischen Abschnitt der Nordleitung . Damit würden die Bautätigkeiten in den kommenden zwei Wochen beginnen und man werde als Unternehmen alles versuchen, dass die Leitung noch bis zur Kälteperiode im kommenden Winter in Betrieb gehen kann und damit die Versorgung von Hamburg auf hohem Niveau gesichert wird."

Grundsätzlich erleichtert zeigte sich auch Dietrich Monstadt, Bundestagsabgeordneter der CDU und seit Monaten auch Kämpfer hinter den Kulissen für den Fortbau der so immens wichtigen Stromleitung. "Grundsätzlich ist es natürlich gut, dass nun gebaut werden kann. Man muss sich da auch bei allen bedanken, die an dieser Entscheidung mitgewirkt haben. Es bleibt aber dabei, dass diese Unterbrechung kein Ruhmesblatt der Behörden in Schleswig-Holstein ist. In Mecklenburg aber auch in Berlin konnte ich niemand erklären, warum der Bau dieser Leitung nicht weitergehen konnte. Das Beispiel dieser Nordleitung ist aber auch der Beweis dafür, dass wir bei den Themen Netzausbau und Energiewende mit unserer Kleinstaaterei in Deutschland nicht weiterkommen, wenn wir wirklich Ergebnisse erreichen wollen."

Die offenkundige Hinhaltetaktik der Politik in Schleswig-Holstein hatte in Mecklenburg-Vorpommern für große Verwunderung und auch Enttäuschung gesorgt. Im Westmecklenburger Teil war die Stromtrasse nach jahrelanger Vorbereitung mit großem Tempo durchgezogen worden. Einigen Grundstücksbesitzern wurde sogar mit Enteignung gedroht, um die bis zu 72 Meter hohen Strommaste erreichen zu können.

Pikant: Die als großes Nordprojekt vorgestellte Stromleitung endete als neues Mahnmal der deutschen Teilung ausgerechnet an der ehemaligen Staatsgrenze. Der letzte Mast, der gegen Umfallen durch extra Stahlseile gesichert werden musste, steht quasi direkt auf der Grenze. Von der nahen Autobahn ist das bisherige Ende der Stromleitung nicht zu entdecken, weil es in einem Waldstück liegt.

In den ursprünglichen Planungen hatte 50 Hertz Transmission an einen flüssigen Weiterbau der Stromleitung geglaubt. Dann gab es in Schleswig-Holstein ein neues Gesetz und die Entscheidung, das ganze Planfeststellungsverfahren noch einmal neu aufzurollen.

Ergebnis: Seit mehr als anderthalb Jahren steht ein Großteil der für mehr als 60 Millionen Euro errichteten Stromtrasse sinnlos in der Gegend herum. Lediglich die Wemag nutzt die unteren Traversen der Leitung für eine 100 Kilovoltleitung, die die Versorgungssicherheit von Zarrentin und Wittenburg verbessert hat.

Nötig ist der Bau der 380-kV-Leitung, um den in Mecklenburg-Vorpommern erzeugten Strom zu den Großverbrauchern nach Süddeutschland zu bringen.

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