Die Botschaft: : „Keiner ist allein“

Pflegelotsin Marit Kurzer (r.) aus Zarrentin hat in Julia Tölke-Beckers eine kompetente Ansprechpartnerin für ihr Ehrenamt.
Pflegelotsin Marit Kurzer (r.) aus Zarrentin hat in Julia Tölke-Beckers eine kompetente Ansprechpartnerin für ihr Ehrenamt.

Pflegelotsin Marit Kurzer aus Zarrentin findet im Ehrenamt Erfüllung und will sich in der Region für die Menschen einbringen

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27. Januar 2016, 17:00 Uhr

Warum engagiert man sich in seiner Freizeit als Pflegelotsin? Die Antwort von Marit Kurzer kommt nicht, wie aus der Pisole geschossen, sondern erst nach einigen Sekunden reiflicher Überlegung.

„Pflege ist ein unglaublich weites Feld, das schnell unübersichtlich werden kann. Hier kann ich sehr viele wertvolle Informationen geben“, sagt die 40-Jährige, deren Wiege einst in Dresden stand. Seit letztem Jahr ist sie Pflegelotsin, eine von 16 ehrenamtlichen im Altkreis Ludwigslust, die von Boizenburg, Hagenow, Grabow, Dömitz bis Stralendorf tätig sind. Die Diplom-Gesundheitswirtin und Fachkrankenschwester hilft Betroffenen und Angehörigen sich in jeder Pflege-Lebenslage zurechtzufinden. Betrachtet sich sozusagen „als Schnittstelle“, um schnell und ohne zeitaufwendige Recherche beispielsweise weitere Ansprechpartner, Dienstleister und regionale Unterstützungsangebote wie ambulante Pflegedienste, Pflegeheime vor Ort, Pflegestützpunkte oder Selbsthilfegruppen zu finden.


Durchweg positive Resonaz vor Ort


„Die Resonanz bei den Menschen vor Ort ist durchweg positiv. Ich vermittle und motiviere, den Anspruch auf professionelle Hilfe auch anzunehmen“, betont Marit Kurzer. Ganz wichtig sei es, dass die Pflegelotsen reine Privatpersonen wären, die in den Städten und Gemeinden oftmals schon seit längerem persönlich bekannt seien. „Weil wir kein Amt und keine Behörde sind, wird uns schnell Vertrauen entgegen gebracht“, berichtet die junge Frau weiter. Für viele Menschen sei es eine schöne Sache, zu erfahren, dass die Botschaft klar umrissen sei: „Keiner ist allein.“ Das würden besonders Betroffene honorieren, die keine Angehörigen mehr hätten. „Das gibt ihnen Sicherheit.“ Neben der Möglichkeit, Menschen zu helfen, sei ein weiterer Effekt die interessanten Gespräche und neuen Kontakte, die bei der ehrenamtlichen Arbeit entstünden, sagt Marit Kurzer, die zur Zeit bei einer Krankenkasse als Gesundheitscoach arbeitet. Sie werde noch einen Aushang im örtlichen Bürgerhaus anbringen und Kontakt zu Ärzten und ambulanten Pflegediensten aufnehmen, um für mehr Bekanntheit zu sorgen.


Im Landkreis derzeit 42 Pflegelotsen


Der Landkreis Ludwigslust Parchim als Pilotprojekt-Träger habe zur Zeit 42 Pflegelotsen, erzählt Julia Tölke-Beckers. Die 50-Jährige ist Projektmitarbeiterin im Mehrgenerationenhaus des Zebef e.V. in Ludwigslust und Koordinatorin. „Es geht uns darum, Hemmschwellen abzubauen und Ansprechpartner vor Ort zu sein. Je bekannter die Pflegelotsen sind, desto besser.“ Vor allem im ländlichen Raum wüssten viele Betroffene und Angehörige leider nicht, wo sie im Fall der Pflegebedürftigkeit Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen könnten bzw. seien Unterstützungsangebote oft nicht vor Ort vorhanden. „Deshalb sind wir an jedem Menschen interessiert, der in seiner Freizeit als Pflegelotse tätig werden möchte. Besonders im Amtsbereich Boizenburg suchen wir noch Engagierte“, führt Julia Tölke-Beckers im SVZ-Gespräch weiter aus.

Die Pflegelotsen träfen sich alle vier bis sechs Wochen, um sich auszutauschen und ihr Hintergrundwissen weiter zu optimieren. „Wir müssen ja auch jederzeit die drängendsten Fragen beantworten können.“

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