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Hagenower Kreisblatt

25. November 2017 | 01:25 Uhr

Keine Chance ohne die Großeltern

vom

svz.de von
erstellt am 19.Mär.2012 | 05:44 Uhr

Hagenow | Organisation ist alles. Bei drei Kindern, einem Job und Hobbies brauchen Jana Benzien und ihr Mann Jens Benzien-Spring jeden Tag einen genauen Plan. Und die Unterstützung von den Eltern, die mit im Haus leben. Je mehr die 39-jährige Hagenowerin deshalb über die Familie nachdenkt, um so idyllischer wird die Kleinstadt für sie. "Hier haben wir alles", sagt sie, ohne lange überlegen zu müssen. Es sei einfacher, die Kinder unterzubringen. Gerade für ihren behinderten Sohn Luca, der die Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung besucht. Alle Schulformen sind im Ort, und sie könne alles mit dem Rad bestreiten - besser ginge es nicht.

Sie wartet auf ihre Tochter Lilly, die sich nach der Kita auf den Nachmittag mit ihrer Mutter freut. Eigentlich sollte es zum Musikunterricht gehen. Doch der fällt heute aus. Stattdessen steht Fahrradfahren auf dem Programm, zusammen mit Luca, Oma Monika, Opa Carl-Heinz und ihrem zehnjährigen Bruder Matti, der schon selbstständig nachhause geht. Trubel auf dem Heimweg. Auf der Fahrradstange ihrer Mutter balancierend will die Vierjährige so viel wie möglich loswerden. Manchmal muss sie ihren Vormittag auch mit den Großeltern auswerten, oder einer Freundin der Familie. "Wenn wir nicht können, müssen eben andere einspringen", sagt Jana Benzien. Die Optikerin und ihr Mann versuchen zwar, ihren Tagesablauf entsprechend zu organisieren, aber immer sei es eben nicht möglich.

Sie selbst muss oft von neun bis 18 Uhr arbeiten, ihr Mann ist meist vor 19 Uhr nicht zurück aus seinem Optikergeschäft in Grabow. Und da die Kindergärten in Hagenow nur bis 18 Uhr geöffnet sind, sei das nicht immer einfach zu koordinieren, so die Mutter. Längere Öffnungszeiten würden vieles leichter machen. "Aber es gibt auch so immer Möglichkeiten." Eben weil in Hagenow alles persönlicher und nicht so anonym sei, verglichen mit einer Großstadt. Das Netz zwischen den Hagenower Eltern sei eng gestrickt, "zum Teil haben wir sogar zusammen entbunden". Deshalb klappe es gut, dass jeder mal das Kind des anderen abholt.

Mittlerweile ist auch Luca zuhause angekommen. Der Zwölfjährige wird jeden Nachmittag gebracht und meist von seinen Großeltern empfangen. Freitags schon gegen 13 Uhr. "Ohne die beiden würden wir das nicht hinbekommen", sagt Jana Benzien. Zu Beginn haben sie und ihr Mann sich oft gefragt, "wie schaffen wir das nur". Doch mittlerweile hat es sich eingespielt. Vor allem zu Opa Carl-Heinz hat der gehandicapte Junge ein enges Verhältnis, weil er viel Zeit mit seinem Enkel verbracht hat. Lucas große braune Augen leuchten, als er seinen Großvater im Wintergarten begrüßt. Auch er will die Erlebnisse des Tages loswerden, bevor es raus zum Fahrradfahren geht. Carl-Heinz Benzien versteht seine Worte genau, während Außenstehende nur schwer folgen können. Als sein Opa dann von Andrea Berg erzählt, tippelt Luca aufgeregt und klatscht in die Hände. Die Erlebnisse der gemeinsamen Konzertbesuche mit den Großeltern begeistern nach wie vor. "Die Sängerin mag er gern", beschreibt Carl-Heinz Benzien die gemeinsame Passion.

Seit zwölf Jahren leben die Generationen unter einem Dach - ein Lebenskonzept, von dem beide Seiten profitieren. "Wir sind nicht so isoliert", so der Hagenower. Und er und seine Frau können im Gegenzug den Kindern einiges abnehmen. Und auch Jana Benzien möchte dieses Leben in der Kleinstadt nicht mehr missen. Auch ihren Mann musste die 39-Jährige damals nicht lange überzeugen, nach Hagenow zu ziehen. In der Ausbildung haben sich die Mecklenburgerin und der Brandenburger kennengelernt. Für sie ist die Region einfach lebenswert. Und sie haben sich so eingespielt, dass schon ein Urlaub der Großeltern alles durcheinander wirft. "Sie sind jetzt zwei Wochen weg und werden uns fehlen", sagt Jana Benzien. "In jeglicher Hinsicht." Jeden Morgen geht sie sonst runter und sagt kurz "Hallo", bevor sie in den Alltag startet: die Arbeit im Brillenhaus Hagenow, die Kinder Lilly, Luca und Matti und deren Hobbies, die eigenen Hobbies wie das Tanzen, und das Engagement im Elternrat von Kita und Schule - ein vollgepackter Tagesablauf, der sich in einer Kleinstadt wie Hagenow gut bewältigen lasse, so die Mutter. Und dieses Leben verbinde. Soweit, dass sogar gemeinsame Urlaube anstehen. Noch in diesem Jahr soll es nach Ibiza gehen. Anlässlich der runden Geburtstage in der Familie: Oma Monika wird 60 und Jana Benzien 40 Jahre alt. Und auch in den gemeinsamen Ferien gilt das Prinzip des Alltags: "Organisation ist alles", sagt die dreifache Mutter.

Umfrage-Ergebnisse: „Kita-Öffnungszeiten entsprechen nicht den Arbeitszeiten der Eltern“

Überwiegend gute Noten für die Heimat. Viele Menschen in der Region um Hagenow, Wittenburg, Zarrentin, Lübtheen, Boizenburg und Neuhaus geben ihrem Wohnort eine zwei, so das Ergebnis der SVZ-Aktion „Lebenswert“ zum Thema „Familie und Co.“.


Immerhin jeder Dritte vergab diese Schulnote, jeder Zehnte sogar die eins. Die angegebenen Gründe: „Schwimmbad, Bücherei und Turnhallen für Vereinsmitglieder kostenlos“, „familienfreundliches Wohngebiet“, „Die Gemeinde bekenntsich aktiv zu einem familienfreundlichen Ort“, „Die Freiwillige Feuerwehr organisiert viele Feste und Abende“, „viele hilfsbereite Leute“. Aber es hagelte auch Fünfen und Sechsen: Elf Prozent der Befragten waren somit unzufrieden. Warum? „Familienfreundlichkeit könnte besser sein.“ „Bitte mehr Freizeitangebote“, „Ein Ort nur zum Schlafen mit vielen Pendlern und keiner Kultur“, „Es fehlen sichere Spielplätze und Kindersportvereine“.


Auch zum schulischen Angebot in der Heimat kristallisierten sich vor allem positive Meinungen heraus. Ein Drittel kreuzte die Note zwei an, 13 Prozent die eins. Die Teilnehmer begründeten ihre Zufriedenheit mit „neue Schule mit neuer Sporthalle“ und „kinderfreundlich“. Knapp jeder Fünfte allerdings sieht einiges zu tun an den Schulen, und vergab deshalb die Zensuren vier bis sechs. „das Schulsystem veraltet ist und Fächer unterrichtet werden, nicht Kinder“, „es Kämpfe am Schulbus gibt und der Schulweg zu lang ist“, „zu viele Stunden ausfallen ohne Vertretung“ und „von den Grundschulen nichts angeboten wird, bis auf die vorgegebenen Wandertage“.

In Sachen Kinderbetreuung gibt es weniger zu bemängeln. Lediglich 15 Prozent notierten die Noten Ausreichend bis Schlecht. Ihre Gründe: „Zu hohe Betreuungskosten“, „Kita-Öffnungszeiten entsprechen nicht den Arbeitszeiten der Eltern, was der Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Wege steht“. Etwa die Hälfte vergab dagegen eine Zwei, 18 Prozent eine Eins, weil „es Hort und Krippe im örtlichen Kindergarten“ und „ein ausreichendes Angebot an Plätzen gibt“. Zum Hintergrund: Nach dem Schulnotenprinzip füllten die Leser zunächst Fragebögen aus, die zeigen sollen, wie zufrieden sie sind. In den nächsten Tagen folgt die Auswertung der Themen Versorgung, Freizeitmöglichkeiten, Arbeitssituation, Wohnen, Kultur, Senioren und Pendler.

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