Boizenburg : Keine besonderen Vorkommnisse

Polizeikommissar Raik Brauner (r.) und Polizeiobermeister Thomas Klischewski sind eins der lokalen Streifen-Teams.  Fotos: Katja Frick
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Polizeikommissar Raik Brauner (r.) und Polizeiobermeister Thomas Klischewski sind eins der lokalen Streifen-Teams. Fotos: Katja Frick

SVZ durfte Boizenburger Polizei-Team einen Nachmittag lang auf ihrem Streifendienst begleiten/ Verbrechen schlief wohl an diesem Tag

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06. Juni 2015, 09:00 Uhr

Das Verbrechen schlief wohl an diesem wie an so vielen anderen Nachmittagen in und um Boizenburg, so schien es jedenfalls. Auch in und um Valluhn war es ruhig, in der Flüchtlingseinrichtung Horst ebenfalls, einfach überall.

Zum Glück für die Bürger der Region. Zum Leidwesen des jungen Polizeikommissars Raik Brauner, der erst seit Oktober 2014 für das Boizenburger Polizeirevier arbeitet. Das Spannendste, was er in seiner Zeit seit Dienstantritt erlebt hat, war der versuchte Raub eines Geldautomaten aus einer Boizenburger Tankstelle. Die Täter rissen den Geldautomaten aus seiner Verankerung und wollten ihn auf ihren Transporter heben. Leider war ihnen der Brocken dann zu schwer und sie mussten ihn da lassen - denn die Polizei nahte. Zwei oder drei Minuten nach Meldung des Vorfalls waren Raik Brauner und sein Kollege vor Ort. Die verhinderten Diebe hatten sich da leider schon aus dem Staub gemacht.

Für Polizeiobermeister Thomas Klischewski, der in Boizenburg schon seit 1993 seinen Dienst macht, ist das eine ganz andere Sache. Er hat hier schon genug Verbrechen erlebt, wahrscheinlich auf Lebenszeit. Ihm ist am eindringlichsten der Doppelmord in Tessin im Gedächtnis geblieben. Er war an diesem 13. Januar 2007 gerade auf Streifendienst und mit seinem Kollegen als erster vor Ort. Der Sohn der Familie, der sich vor den Jugendlichen im Blutrausch in seinem Zimmer verbarrikadieren konnte, hatte damals in höchster Not die Polizei angerufen. Als die Polizisten das Haus in Tessin betraten, fanden sie direkt hinter der Eingangstür den Vater in einer Blutlache, getötet durch einen Messerstich ins Herz. Im Haus wurde später die Mutter entdeckt, die mit unglaublichen 66 Messerstichen zu Tode gebracht worden war.

Kein Wunder, dass der Polizeiobermeister glaubt, dass sich sogenannte „Ballerspiele“ negativ auf Jugendliche auswirken. Es mache sie aggressiv, meint er. Felix D. und Torben B., die Täter von Tessin, hatten vor dem Doppelmord exzessiv Ego-Shooter gespielt und sich ein gewalttätiges Videospiel gleich zweimal angesehen.

Polizeikommissar Brauner dagegen meint: „Es kommt immer darauf an, wer das Spiel spielt.“ Er spielt selbst „Call of Duty“ - und gehört als Polizist jetzt zu den Guten. Brauner wollte schon als Kind Polizist werden. Oder Feuerwehrmann. Er wollte einen Beruf, der nicht theoretisch ist und wobei er viel unterwegs sein kann. Das hat er nun im Polizeidienst gefunden. „Bachelor of Arts - Police Management“ heißt der Studiengang, den er drei Jahre lang in Güstrow absolviert hat. Schwerpunkte des Studiums sind polizeiliche Einsatzbewältigung, kriminalistische Ermittlungsführung sowie Verkehrssicherheits-Arbeit. Er hat mit diesem Abschluss diverse Aufstiegsmöglichkeiten. Bei der Freiwilligen Feuerwehr ist er außerdem noch, derzeit in seinem Heimatdorf bei Berlin.

Polizeiobermeister Klischewski wollte auch schon immer Polizist werden. Sein Vater war bereits einer, damals noch in der DDR. Da war für den Sohn sonnenklar, dass auch er diesen Beruf ergreifen würde. 1988 war es dann soweit.

Heute würde er diese Wahl wahrscheinlich nicht mehr treffen. „Es ist Vieles auf der Strecke geblieben“, meint der Polizist. „Es wird immer mehr Personal abgebaut, der Stressfaktor wird immer größer.“ Der unregelmäßige Schichtdienst mache ihm heute stärker als früher zu schaffen. Am anstrengendsten sei für ihn der Übergang von der Nacht- in die Frühschicht. Auch sei der Schichtdienst sehr schlecht mit einem Familienleben vereinbar. Aber man könne Wünsche beim Dienstplan äußern.

Am Ende dieses Nachmittags mit den beiden Polizisten auf Streifendienst gab es doch noch drei Gesetzesübertretungen. Allerdings nur bei einer Geschwindigkeitskontrolle auf einer Landstraße. Drei Fahrzeugführer fuhren schneller, als die Polizei erlaubt.

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