Monitoring gefordert : Keine Angst vor dem „bösen“ Wolf

Harmlos oder gefährlich? Wölfe in einem Wildpark.
1 von 3
Harmlos oder gefährlich? Wölfe in einem Wildpark.

Naturschutzverbände und Parteien informierten zur Rückkehr der Wölfe in der Region

von
09. März 2015, 11:16 Uhr

„Genießen Sie ihre Wolfsbegegnung“, empfahl Sebastian Koerner, Verhaltensökologe und Tierfilmer, einem besorgten Wanderer aus dem Auditorium im vollbesetzten „Bleckeder Haus“. Koerner befasst sich seit der Rückkehr der Wölfe im Jahr 2000 in der Lausitz mit dem scheuen Wildtier, vor dem man keine Angst haben müsse. „Der Chor der Leute, die etwas zum Wolf zu sagen haben, ist sehr groß. Es muss auch in Niedersachsen eine Melde-, Koordinierungs- und Monitoringstelle für Wölfe eingerichtet werden, damit Wolfssichtungen untersucht und verifiziert werden können. Nutztierhalter vor Ort benötigen bessere und schnellere Informationen, bevor die Wellen - durch die Medien noch angeheizt - so hoch schlagen können wie momentan. Sie sollten in Niedersachsen unsere Erfahrungen aus der Lausitz aufnehmen.“

„Der Wolf ist zurück in der Region“ lautete der Titel der Informationsveranstaltung, zu der verschiedene Naturschutzverbände, der Landesschafzuchtverband und die Bleckeder Ortsvereine der Grünen und der SPD am Sonntagnachmittag eingeladen hatten. Weit über 400 Besucher interessierten sich für die sechs Fachvorträge, die das Thema Wolf aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten.

„Der Wolf lässt sich nicht mehr wegdiskutieren, wie die aktuellen Nahbegegnungen von Menschen mit diesem Tier belegen“, erklärte Landrat Manfred Nahrstedt in seinem Grußwort, „Wir müssen jetzt die Nachbarschaft von Mensch und Wolf organisieren.“ Aufklärung und Vermittlung könnten Ängste und Unsicherheit in der Bevölkerung abbauen, intensiv müsste auch über die Schutzvorrichtungen für Tierhalter gesprochen werden.

Zahlen für das aktuelle Wolfsvorkommen in Niedersachsen lieferte Förster Peter Pabel vom Forstamt Göhrde. „Wir wissen sicher von fünf  Rudeln mit insgesamt 50 Wölfen in Gartow, Munster, Bergen, Eschede und dem Schießplatz Rheinmetall plus einer Dunkelziffer.“ Daten zum Wolfsvorkommen im Amt Neuhaus gab es nicht. Moritz Klose, Referent für Wolfsschutz des Naturschutzbundes, klärte über die rechtlichen Grundlagen auf. „Der Wolf ist in Europa das am strengsten durch verschiedene Abkommen geschützte Tier. Heute können wir den Wolf als Nachbarn betrachten. Durch Herdenschutzmaßnahmen und ein sehr hohes Wildaufkommen in den Wäldern ist der Wolf im Vergleich zu früheren Zeiten kein Konkurrent des Menschen mehr, sondern ein zu schützendes Wildtier“, verdeutlichte Klose die besondere Situation des Wolfes, der weiterhin in Deutschland als vom Aussterben bedroht gilt. Die so genannte „Entnahme“ - sprich der Abschuss - eines Problemtieres könne nur nach Ausschöpfung aller anderen Alternativen erfolgen.

Dass Wölfe in letzter Zeit häufiger in direkten Kontakt mit Menschen gekommen sind, erklärte Verhaltensökologe Sebastian Koerner anhand von Videoaufnahmen. Erwachsene Wölfe verlören ihre Scheu gegenüber den Menschen nicht,  Jungtiere seien verspielt und zeigten bis ins erste Lebensjahr hinein ein unbedarftes Verhalten. Ein Laie könne durchaus ein Jungtier durch seine körperliche Erscheinung für einen ausgewachsen Wolf halten.

„Bei den Nahkontakten mit Wölfen in jüngster Zeit handelt es sich um junge Wölfe vom Truppenübungsplatz in Munster. Diese Wölfe kennen Menschen, sind vielleicht auch von den Soldaten gefüttert worden oder haben dort Essensreste  vorgefunden“, erläuterte Sebastian Koerner das auffällige Verhalten der Wildtiere. „Keiner dieser Wölfe verhält sich aggressiv. Auch dass ein Wolf vor einem Waldkindergarten auftaucht, ist erklärbar. Schließlich können wir ihn nicht aus seinem natürlichen Lebensraum aussperren.“

 Ebenso habe die Jägerschaft nichts vom Wolf zu befürchten: In der Lausitz hätten sich die Jagdstrecken – das heißt  die Zahl der durch Jäger erlegten Tiere – seit der Rückkehr des Wolfes nicht gesenkt. „Der Wolf macht seinen Job im Ökosystem Wald sehr gut. 50 Prozent  seiner Beute sind Jungtiere oder alte und verletzte Tiere. Ansonsten hätte der Wolf seine eigenen Beutetiere ganz schnell selbst ausgerottet“, so Wolfsexperte Koerner.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen