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Landkreis Ludwigslust-Parchim : Kein Rotstift beim Regionalmarketing

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Seit Monaten suchen Kreistag und Kreisverwaltung fieberhaft nach Einsparmöglichkeiten. Nun signalisieren sie, dass sie nicht beim Marketingverein und der Tourismusförderung kürzen werden.

svz.de von
erstellt am 26.Feb.2013 | 06:07 Uhr

parchim | Seit Monaten suchen Kreistag und Kreisverwaltung fieberhaft nach Einsparmöglichkeiten. Das aktuelle Defizit des Landkreises Ludwigslust-Parchim mäandert um zehn Millionen Euro, Landrat Rolf Christiansen (SPD) will es auf einen einstelligen Betrag drücken. Die Kreis-SPD hat jetzt demonstrativ den Regionalmarketingverein Mecklenburg-Schwerin und den Tourismusverband Mecklenburg-Schwerin gelobt und damit signalisiert, dass sie beide Institutionen von Kürzungen verschonen will. Auch CDU und Die Linke schätzen die Arbeit der beiden, fordern aber klare Strukturen und Abgrenzungen zur kreiseigenen Wirtschaftsfördergesellschaft.

Es sind keine kleinen Posten im Haushalt, um die es in der Debatte geht. Eine Liste mit Prüfaufträgen aus dem Haushalts- und Finanzausschuss weist aus, dass der Landkreis pro Jahr für den Tourismusverband mehr als 110 000 Euro bezahlt. Der Regionalmarketingverein bekommt 22 000 Euro. Der Kreistagsausschuss sieht die Leistungen durchaus kritisch: "Die Höhe des Zuschusses ist hinsichtlich des Nutzens für den Landkreis insgesamt zu überprüfen."

Seit 13 Jahren verfolge der Regionalmarketingverein das Ziel, die Region Mecklenburg-Schwerin gemeinsam aktiv zu fördern. "Der Verein zählt aktuell 115 Mitglieder. Das ist ein starkes Bündnis, das wir auch künftig nutzen wollen, um in Wirtschaft, Kultur und Bildung neue Akzente zu setzen", sagt Christian Brade, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion und Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses. Es komme darauf an, Potenziale aufzuzeigen und die Wettbewerbsfähigkeit des von mittelständischen Unternehmen geprägten Wirtschaftsraumes zu erhöhen, unterstreicht der SPD-Fraktionsvorsitzende Wolfgang v. Rechenberg. Die Investition zahle sich also aus.

Das sieht auch Wolfgang Waldmüller, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag so. Waldmüller: "Alles, was die Rahmenbedingungen positiv beeinflusst, ist zu befördern." Allerdings dürfe es keine Doppelstrukturen geben. Waldmüller fordert klarere Abgrenzungen von Regionalmarketingverein und kreiseigener Wirtschaftsfördergesellschaft: "Es sollten nicht zwei unterschiedliche Institutionen dasselbe machen." Der Regionalmarketingverein als freier Verbund von Unternehmen wirke weiträumiger.

Die Linke stelle die Arbeit von Regionalmarketingverein und Tourismusverband nicht in Frage, sagt Fraktionschef Wolfgang Bohnstedt. Allerdings sei eine schärfere Abgrenzung der konkreten Aufgabenwahrnehmung zur Wirtschaftsfördergesellschaft nötig. Auch mögliche Synergieeffekte müssten jetzt beraten werden.

Der Tourismusverband Mecklenburg-Schwerin leiste gute Arbeit für die etwa 100 Mitgliedsunternehmen, deshalb sei der finanzielle Beitrag des Kreises gut angelegt, lobt Wolfgang Waldmüller: Unsere Tourismuswirtschaft ist hier gut aufgehoben." Das Problem sei ein strukturelles, wenn Nordwestmecklenburg ab 2014 nicht mehr mitmache und Schwerin ebenfalls einen Austritt erwäge. "Hier ist ganz klar der Landrat gefordert, auf beide zuzugehen."

Immer wieder aufkeimende Debatten um die Finanzierung und damit Mitgliedschaft im Tourismusverband müssten endlich vom Tisch, findet auch SPD-Mann Wolfgang v. Rechenberg mit Blick auf Nordwestmecklenburg und Schwerin. "Die aktuelle Haushaltsdebatte zwingt auch uns, Kosten und Nutzen aller Angebote abzuwägen. Durch die Mitgliedschaft im regionalen Tourismusverband kann sich der Landkreis auf Kernaufgaben konzentrieren und gleichzeitig auf eine starke Tourismusentwicklung bauen", ist sich Ausschuss-Vorsitzender Christian Brade sicher. Mit 3,5 Millionen Übernachtungen im Jahr 2011 und weiteren, nennenswerten Steigerungen im durchaus schwierigen Tourismusjahr 2012 habe der Landkreis landesweit die höchsten Zuwächse gegenüber dem Vorjahreszeitraum verbuchen können.

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