Hagenow : Kein „Empfang“ für freies WLAN

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Ausschuss für Wirtschaftsförderung gibt schneller Lösung für kostenfreies Netz und CityApp einen Korb. Entscheidung wurde vertagt

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25. November 2017, 05:00 Uhr

Sie waren offenbar überrascht von dem Angebot, dass auf einmal vor ihnen auf dem Tisch lag. Die Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Handwerk, Gewerbe und Tourismus sollten in ihrer außerordentlichen Sitzung am Donnerstagabend über eine Komplettlösung für freies WLAN in Hagenow und eine App für die Stadt entscheiden. „Ein plötzlicher Perspektivwechsel“, so Wirtschaftsförderer Roland Masche. „Das zögern des Ausschusses ist daher verständlich.“ Denn nach langer Diskussion beschlossen die Ausschussmitglieder praktisch nichts und verwiesen die Entscheidung an den Hauptausschuss der Stadt. Wer mit seinem Handy im Internet surfen möchte, ist in Hagenows Innenstadt also noch länger auf eine mobile Datenverbindung seines Netzanbieters angewiesen. Und das ist mitunter problematisch.

„Bisher haben wir eigentlich nur über das Citymanagement geredet“, versucht Roland Masche zu erklären, warum der Ausschuss nicht direkt zugeschlagen hat. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Informationssystem für die Besucher und Einwohner Hagenows. Die Idee: Über die Internetseite der Stadt würden Interessierte auf eine Art App (Anwendung für Mobiltelefone) gelangen, mit der sie Informationen zur Stadt erhalten, wie Sehenswürdigkeiten und Einkaufsmöglichkeiten, erzählt Masche. Bei der Suche nach einem Anbieter, der dieses Informationssystem aufbaut, sei er dann auf die free-key IT-Innerebner GmbH gestoßen.

Das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart ist aber eigentlich spezialisiert auf den Bereich freies WLAN (kostenlose, drahtlose Internetverbindung). Laut eigenen Angaben arbeitet free key mittlerweile mit rund 400 Städten zusammen. Unter anderem auch mit Boizenburg. Die Stadt an der Elbe ist Hagenow in Sachen kostenloses WLAN schon weit voraus und hat die ersten Hotspots (Internetzugangspunkte) in der Altstadt eingerichtet.

Somit dürfte es also eigentlich nicht verwunderlich sein, dass das Unternehmen der Stadt eine Komplettlösung für eine App und freies WLAN anbietet. Und diese zum Sonderpreis, wie Masche zugab. Zwei Möglichkeiten der Finanzierung wurden Hagenow in Aussicht gestellt. Die Stadt müsste bei beiden nur für die Einrichtung der Internetantennen aufkommen. „Damit die Innenstadt zwischen Rathaus und Klunk versorgt werden kann, brauchen wir drei Antennenstationen“, so Masche. Sie würden Endgeräte im Umkreis von 500 Metern um den jeweiligen Standort mit einer drahtlosen Internetverbindung versorgen. Angedacht sei, die Antennen auf öffentlichen Gebäuden einzurichten, z.B. auf dem Rathaus. Bei der teuren Variante, ohne Werbung, müsste die Stadt dafür rund 10 000 Euro zahlen. Dazu käme eine Pauschale von 46 Euro pro Monat für den Betrieb des Systems. Bei einer werbefinanzierten Version wären einmalig 7500 Euro fällig. Eine Summe über die Bürgermeister Möller allein entscheiden könnte. Vorausgesetzt der Ausschuss hätte am Donnerstag ein klares Votum dafür gegeben. Doch dazu kam es nicht.

Stattdessen verloren sich die Mitglieder in Diskussionen um die Stadt-App, die gratis mit im Paket geliefert worden wäre. „Es ist das Gesicht der Stadt, darum sollten wir uns damit Zeit lassen“, so Masche. Auch Helga Lagemann (SPD), sowie andere Ausschussmitglieder, hatte Bedenken und wollte sich nicht entscheiden. „Vielleicht sollten wir noch einmal vertieft mit dem Anbieter und allen Unternehmern der Stadt sprechen.“

Schließlich wurde die Entscheidung vertagt und an den Hauptausschuss weitergereicht. „Nüchtern betrachtet haben wir aber keine Zeit verloren“, meint Masche. Handynutzer, die auf freies WLAN warten, dürften eine andere Meinung haben.

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