Pritzier : Kein Ackern mehr nur für die Akten

Stimmungstief:  Die Begeisterung bei den Bauern in Pritzier hielt sich in Grenzen.
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Stimmungstief: Die Begeisterung bei den Bauern in Pritzier hielt sich in Grenzen.

Bauern im Landkreis haben nicht nur mit miesem Wetter und schlechten Preisen zu kämpfen. Zukunft der Ausgleichszahlungen ungewiss

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12. Februar 2018, 21:00 Uhr

Schon nach 2015 dachten die Bauern, es könne kaum schlimmer kommen, Nach 2016 stand fest, es geht schlimmer. Und nun, Anfang 2018 sind den Mitgliedern des Bauernverbandes im Altkreis Ludwigslust die Steigerungsmöglichkeiten ausgegangen. „Ein Jahr mit weiterhin nicht auskömmlichen Marktpreisen in allen tierischen Bereichen sowie eine ins Wasser gefallene Ernte mit unterdurchschnittlich bis schlecht eingefahrenen Erträgen zu nicht auskömmlichen Erzeugerpreisen sowie eine Herbstbestellung, die an vielen Stellen wegen der abgesoffenen Äcker nicht stattfand“, so fasste es Dietrich Groth, der Chef des Bauernverbandes sarkastisch zusammen. Und war damit nicht fertig. Denn die Bauern stöhnen nicht nur unter den Witterungsbedingungen, sie kämpfen auch mit einer Bürokratie, die von Jahr zu Jahr schlimmer wird. Wortungetüme wie „Wirtschaftsdüngermeldeverordnung“ verdeutlichen das. Dazu kommt die große Politik und nicht zuletzt das Thema Wolf. Hier, so Groth, sei aus einer gelähmten Politik inzwischen eine Wachkoma-Politik geworden. Es gab auch eine Positivliste, die gestern bei der gut besuchten Versammlung verlesen wurde, doch die fiel kurz aus. Die höchste Wertschöpfung aus der Landwirtschaft gibt es bundesweit in unserem Kreis, der Landesverband hat endliche seine Geschäftsstelle in Schwerin eröffnet, letztendlich wurden mobile Güllelager genehmigt und per 31. Dezember gab es die pünktliche Auszahlung der Betriebsprämie. Die Zahlungen aus den großen Fördertöpfen wurden dann gestern auch zu zentralen Themen der Veranstaltung. Landwirtschaftsminister Till Backhaus war als Gast und faktischer Dauerredner nicht unschuldig daran. Es werde bei den Zahlungen nichts so bleiben wie es ist, hämmerte er den Anwesenden immer wieder ein. Ohne Veredlung und damit mehr Wertschöpfung vor Ort sei künftig nichts mehr zu machen. Das gelte vor allem für die Marktfruchtbetriebe, von denen einige im Land die Zeichen der Zeit leider noch nicht verstanden.

Die Zeichen werden bei der Agrarpolitik in Brüssel gesetzt, und die Vordenker dort stellen bisher alles in Frage. Auch das System der Zahlungen. Backhaus erklärte zwar, er werde dafür kämpfen, dass die Zahlungen in ihrer Größenordnungen so bleiben würden. Doch Zweifel im Publikum waren spürbar, genau wie erste Konflikte zwischen konventionell arbeitenden Landwirten und Biobauern.

Ein Extrathema bei allen Rednern und in allen Tagesordnungspunkten blieb der Wolf. Weidehaltung habe Priorität, erklärte nicht nur Backhaus und bekannte sich dazu, dass Problemwölfe schnell „entnommen“ werden müssten. Bauernverbandschef Groth forderte schnelle Kriterien bei den Problemtieren und langfristig die Möglichkeit einer Bejagung. Das Mahnfeuer Ende Juni in Steesow sei nicht umsonst ein Riesenerfolg gewesen. Es könne nicht sein, dass die Landwirte ihre Herden erst aufwendig schützen müssten, um dann bei Schadensfällen monatelang auf Zahlungen zu warten, gab er Backhaus mit auf den Weg.

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