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Hagenower Kreisblatt

12. Dezember 2017 | 05:42 Uhr

Zarrentin : Katzenjammer in Zarrentin

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Fundtier in erbärmlichem Zustand lässt Kilian Vogel verzweifeln. Polizei, Amt, Tierheim - niemand fühlt sich verantwortlich

von
erstellt am 27.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Völlig abgemagert, voller Würmer, die Augen verklebt, die Ohren entzündet: Dieser Anblick zerreißt Kilian Vogel aus Zarrentin das Herz. Er kann die junge herrenlose Katze nicht ihrem Schicksal überlassen, nimmt sie am Donnerstag mit nach Hause und versucht alles, um ihr zu helfen. Doch niemand fühlt sich zuständig für das Tier: Polizei und Amt wiegeln ab, das Tierheim verweist auf die Pflicht der Kommune.

Die Gemeinde ist zwar für Fundtiere zuständig. Dazu zählen aber keine Katzen. „Das sind herrenlose Tiere“, erklärt Dirk Schiewer vom Ordnungsamt der Schaalseestadt. Der Gesetzgeber gehe davon aus, dass sie eigenständig sind und sich selbst helfen. Nur in Einzelfällen macht Zarrentin eine Ausnahme: Wenn es der Katze „wirklich schlecht geht“ oder der Finder nachweist, dass er bedürftig ist. Im Zweifel werden die Kosten geteilt, „das haben wir auch schon gemacht“, so Schiewer. Aber „wir können nicht sämtlichen Anträgen nachkommen“. Schließlich gelte derjenige, der ein herrenloses Tier aufnimmt als zuständig. Er müsse es dann auch versorgen.

„Das stimmt so nicht“, korrigiert Doris Schiemann, Inhaberin der Tierpension in Holthusen. Die Ämter würden das nur so auslegen. Sie seien zuständig, müssten  schwer kranke und verletzte Tiere einweisen und für die Kosten aufkommen. Dazu gehören auch Tiere mit  Katzenschnupfen, an dem viele  sterben, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden. Nur  würden die Ämter sich  oft weigern. „Wenn ein Tier in Not geraten ist, muss man ihm helfen.“ Es sei zudem falsch, die Verantwortung auf die Finder abzuwälzen. „Die Leute wollen helfen und werden dann alleine gelassen“, sagt Doris Schiemann.

Kilian Vogel sucht auch in ihrer Pension Hilfe. Doch auch sie muss passen. „Wir können nicht alle Tiere auf unsere Kosten aufnehmen“, so die  Chefin. Behandlung gegen Katzenschnupfen, kastrieren, impfen, entwurmen... das wären mindestens 600 Euro alleine  für den Tierarzt. Hinzu kommen sechs Euro laufende Kosten pro Tag.   Das würde die Tierheime kaputt machen, sagt sie und nennt mit Hagenow und Neustadt-Glewe nur zwei Beispiele.

Vor allem Fundkatzen seien ein Riesenproblem. Mit 13 Ämtern arbeitet Doris Schiemann mittlerweile eng zusammen. „Alle weisen Katzen ein“, sagt sie.  „Und nicht wenige“, mitunter sogar gesunde. Aber es sei ein langer Kampf und Lernprozess mit den Verwaltungen gewesen. Mitunter streite sie sich heute noch. Wie im Zarrentiner Fall. Sie rät Kilian Vogel, Druck auf die Kommune aufzubauen. „Er darf nicht auf den Kosten sitzenbleiben“, sagt sie.  Denn der Katze scheint es sehr schlecht zu gehen. Katzenschnupfen sei nicht zu unterschätzen. „Die Tiere leiden heftig darunter“, viele würden sterben oder  ihre Augen verlieren, wenn sie nicht schnell behandelt werden. „Wenn wir sie rechtzeitig bekommen, haben sie aber gute Chancen und sind noch vermittelbar“, sagt Doris Schiemann.

Kilian Vogel geht indes mit Zetteln auf Haltersuche. Seine Frau war mit der Katze beim Tierarzt. Aber „ich wünsche mir, dass man damit nicht alleine gelassen wird“, so der Tierfreund. „Schließlich geht es um ein Lebewesen.“

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