Tierquälerei in Boizenburg : Kater mit Schrot beschossen

Schwer atmend liegt Kater Franzl neben Mario Effenberger auf dem Boden. Die sonst so agile Katze will wegen der Schmerzen keine Nahrung mehr zu sich nehmen.
1 von 2
Schwer atmend liegt Kater Franzl neben Mario Effenberger auf dem Boden. Die sonst so agile Katze will wegen der Schmerzen keine Nahrung mehr zu sich nehmen.

Tier hat zahlreiche Kugeln in Brustraum und Lunge. Erst das Röntgenbild schaffte Klarheit über die Beschwerden. OP nicht möglich

svz.de von
11. Januar 2018, 21:00 Uhr

Fassungslos betrachteten Angelika und Mario Effenberger zusammen mit der Tierärztin am vergangenen Freitag das Röntgenbild ihres Katers Franzl. Vor Entsetzten standen die Münder offen. Die Aufnahme zeigte unschwer zahlreiche weiße Punkte. Schnell war klar, dass es sich dabei um Schrot handelt, welches gezielt auf den Kater aus nächster Nähe abgefeuert worden sein muss.

Sascha Nitsche

Unfassbares brachte das Röntgenbild des Katers zum Vorschein. Zahlreiche Schrotkugeln stecken in Franzels Körper.

 

„Vermutet hat das bis zum Schluss niemand“, so Mario Effenberger, der mit dieser Diagnose endlich Gewissheit über die Ursachen der Leiden des Familienkaters erhielt. Er und seine Mutter stehen aber auch am Mittwoch darauf immer noch unter dem Schock des Befundes. „Man will einfach nicht glauben, dass jemand zu so etwas in der Lage ist“, erzählte Effenberger. Er kommt gerade die Treppe des Einfamilienhauses in Gothmann herunter, nachdem er den tierischen Patienten oben versorgt hat.

In Gothmann muss auch auf das Tier geschossen worden sein, denn so sind sich beide Effenbergers sicher: „Franzl ist höchstens im Umkreis von 400 bis 500 Meter ums Haus herumgeschlichen.“ Das macht diese gesamte Situation noch brisanter, denn bereits auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Anwesens der Effenbergers ist ein Spielplatz. Undenkbar, wenn sich eine Kugel bei dieser Tat sogar dort hin verirrt hätte.

Trotz dieser mutmaßlichen Nähe zum bewohnten Gebiet ist der genaue Tatzeitpunkt noch unbekannt. „Die Einschusswunden sind in der Größe mit denen einer großen Spritzennadel zu vergleichen. Außerdem reinigen Katzen ihre Wunden schnell selbst“, bestätigt auch die Tierärztin den von Mario Effenberger genannten Grund, weshalb man zunächst nichts von dem Angriff auf die Katze mitbekommen hatte. „Vor Weihnachten hat er auf einmal nichts mehr gefressen“, erinnert sich Angelika Effenberger. „Wir dachten erst, dass die Beschwerden altersbedingt sind“, fährt sie fort. Schließlich gehört  Franzl schon seit zwölf Jahren zur Familie. Effenbergers holten ihn im Jahr 2005 aus dem Tierheim in Lüneburg. Da war er bereits rund drei Jahre alt.

Jetzt liegt der Kater zumeist auf dem Boden und kämpft mit seiner Atmung. Eine der Kugeln hat die Lunge wahrscheinlich so in Mitleidenschaft gezogen, dass diese mehr als 50 Prozent ihrer Kapazität verloren hat. „Wenn man auf sein Alter blickt, war es klar, dass er irgendwann gehen muss. Aber das hier ist wirklich schlimm“, fassen Mutter und Sohn traurig zusammen. So hart es klingt, das  Ende von Franzl ist absehbar. „Eine Operation würde er auf keinen Fall überleben. Auch die Wirkung der Medikamente, die ihm  Linderung verschafften, damit er fressen kann, lässt nach“, berichtet der 50-Jährige.

Ein Abschluss des Geschehenen wäre der Tod des Katers noch lange nicht. Effenbergers lässt die Tat keine Ruhe. Sie suchen mit  Plakaten und in den sozialen Medien nach Hinweisen. Auch die Polizei ermittelt in der Angelegenheit. „Es ist formell zwar nur eine Sachbeschädigung, aber da es einen Schusswaffengebrauch gab, ermittelt das örtliche Kriminakommissariat“, so Effenberger, der nach der Diagnose eine Anzeige gestellt hat.

Nun hoffen alle auf einen Erfolg der Ermittlungen und die Bestrafung des Täters, damit aus Fassungslosigkeit und Zorn wenigstens eine gewissen Genugtuung reifen kann.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen