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Hagenower Kreisblatt

20. November 2017 | 16:45 Uhr

Hagenow : „Kartoffelbude“ wieder unter Dampf

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Kampagne bei Mecklenburger Kartoffelveredlung nach Sommerpause voll angelaufen / Erste Millioneninvestitionen zahlen sich aus

von
erstellt am 25.Aug.2014 | 11:44 Uhr

Nur vier Wochen im Jahr laufen sie nicht, die Riesenwalzen im Kartoffelveredlungswerk in Hagenow. Den Rest des Jahren pressen die meterlangen Ungetüme mit Druck und Dampf aus einem nicht enden wollenden Kartoffelbrei den kostbaren Rohstoff für alle folgenden Produkte: die Kartoffelflocken.

Seit wenigen Tagen laufen die meterlangen Walzen wieder, Tag und Nacht. Bis Mitte nächsten Jahres sollen dann wieder 30 000 Tonnen der Kartoffelflocken gewonnen sein. Das wäre in etwa so viel wie im vergangenen Jahr. Das hat mit der nahezu kompletten Auslastung der Flockenproduktion zu tun, erklärte Alois Hersel, der technische Werkleiter in Hagenow. Schon jetzt sei klar, dass man künftig die Kapazität ausweiten werde. Der Aufbau neuer Walzen ist für die kommenden Jahre eingeplant.

Die Kartoffelflocken sind Basis für Klöße, Stampfkartoffeln, Suppen und vieles andere, dass es dann in zahlreichen Supermärkten, meist unter der Marke „Mecklenburger Küche“, dann zu kaufen gibt. Doch diese Schiene macht nur einen Teil der Hagenower Kartoffelveredlung aus. Der andere Teil liefert Vorprodukte aus Kartoffeln für die Industrie, vor allem Großküchen aber auch die Hersteller anderer Nahrungsmittel stehen auf dem Lieferzettel.

Das Werk, das schon zu DDR-Zeiten in seiner Grundstruktur aufgebaut wurde, steht erst seit wenigen Tagen wieder voll unter Dampf. Das ist durchaus wörtlich gemeint, denn ohne Dampf geht bei der Produktion nichts. Seit Anfang August läuft die Verarbeitung wieder und das obwohl die eigentliche Kartoffelernte noch gar nicht angelaufen ist. So werden jetzt gezielt die frühen Sorten verarbeitet, aktuell ist es die Sorte „Karlena“. Die angelieferte Qualität sei gut, nur die Stärkewerte würden noch etwas unter denen des Vorjahres liegen. Die ersten Kartoffeln kamen aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, z. B. aus Gresse, Kröpelin und Woosmer Hof.

Es ist kein Geheimnis, dass die Emsland-Gruppe, zu der das Hagenower Werk jetzt gehört, sich noch mehr Kartoffeln aus Mecklenburg wünscht. Doch es ist nicht einfach, die Bauern vom dauerhaften Anbau dieser anspruchsvollen Pflanze zu überzeugen. „Dabei bieten wir Planungssicherheit über Jahre für die Bauern, die entsprechende Qualität vorausgesetzt“, wird Jörg Elvers, der kaufmännische Leiter des Werkes ein. Erste Fortschritte gibt es bereits, die aus unserem Bundesland gelieferten Mengen steigen wieder leicht.

Werke, wie das in Hagenow, gibt es europa- und weltweit nur wenige. Das liegt an den Eigenheiten der Kartoffel, die nicht überall wächst. Doch Kartoffelprodukte werden nachgefragt. Entscheidender Faktor ist und bleibt jedoch die Energiefrage. Und die hätte dem Hagenower Werk, das früher schon liebevoll „Kartoffelbude“ genannt wurde, fast das Genick gebrochen. Das eigentlich als Rettungsanker gedachte Heizkraftwerk, das mit Müllbestandteilen gefüttert wird, erwies sich nicht zuletzt durch politische Preisbildungen als Kostenfalle.

Nach dem Weggang der früheren Geschäftsleitung war zudem die Nachfolge nicht geklärt. In der Folge gab es Unruhe und auch Unsicherheit in der Belegschaft. Diese ist seit Monaten beigelegt, weil die Emsland-Gruppe, die früher nur im Hintergrund beteiligt war, komplett die Verantwortung für das Werk übernommen hat.

Später gab es Klarheit: In den kommenden Jahren werden Millionen investiert, wird das Werk auf Effektivität getrimmt. Ein Kurs, der von großen Teilen der Belegschaft (derzeit 180 Beschäftigte) durchaus begrüßt wird, wie der Betriebsrat unserer Zeitung bestätigte.

Die Geschäftsführung hat den ersten Teil der versprochenen Millioneninvestitionen im übrigen eingehalten. So wurde in der jüngsten Kampagnenpause eine neue Staplerflotte angeschafft, die Beschäftigte durch die Kabine besser vor Witterungseinflüssen schützt. Völlig neu ist die so genannte Kartoffelbewertungsanlage, die für objektive Ergebnisse sorgen soll. Gerade für Lieferanten und deren Bezahlung eines enorm wichtige Sache. Viel getan wurde auch in Richtung Energieeffizienz, indem z. B. die Restwärme der Asche für die Wassererwärmung genutzt wird. Zusätzlich wurde in neue Abpacktechnik und Verladeeinrichtungen investiert. In den kommenden Jahren sollen die Investitionen fortgesetzt werden. Im Fokus stehen dabei die Verbesserung der Produktionsabläufe und die Ausweitung der Produktionskapazität.

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