Neuhaus : „Karimi“ in Schuldienst aufgenommen

Schulleiterin Barbara Kiewning setzt ihren Mischlingshund als Therapiebegleithund im Klassenzimmer ein

svz.de von
04. Dezember 2013, 18:10 Uhr

Karimi ist acht Jahre alt und eine Seele von Hund. Im Büro von Schulleiterin Barbara Kiewning liegt er auf seinem festen Platz, aber bisher hat nur Schulsekretärin Ulrike Haberland was davon, dass der Hund mit in die Schule darf. Die Kinder drücken sich manchmal die Nase an der Fensterscheibe platt und die von der Klasse 3a freuen sich jetzt schon, wenn Karimi demnächst „offiziell“ Schulhund ist und mit in die Klasse kommt.

„Ich habe auch schon den Hund, den ich vor Karimi hatte, mit in die Schule genommen. Und auch Karimi war an meiner vorherigen Schule oft mit dabei. Inzwischen haben wir beide gemeinsam eine Ausbildung gemacht, die sehr fundiert war“, so Kiewning. Die Ausbildung „Therapiebegleithund“ war für die Schulleiterin eine berufsbegleitende Ausbildung und hat das Frauchen von Karimi wohl mehr gefordert als ihn selbst, denn in etwa 250 Unterrichtsstunden bekommen Mensch und Hund ein gemeinsames Spezialtraining, das sich neben dem Trainingsprogramm auch mit Lerntheorien und -methoden beschäftigt.

Barbar Kiewning hat den Hund als Welpen bekommen. Er ist ein Mischling aus wohl mindestens vier Rassen, „alle nett“. Bei der Suche nach einem Namen wollte zunächst nichts so richtig passen. Eine Freundin war gerade in Afrika gewesen und so hat der Hund nun einen Namen in Kisuaheli bekommen. Karimi bedeutet „der, der arbeitet“, was dann ja auch ziemlich gut passt.


Karimi ist nun ein offizieller „Diensthund“


Damit Karimi „arbeiten“ kann - und Arbeit ist es für eine Hund, wenn er sich auf eine Sache konzentrieren muss - mussten die Eltern befragt werden, der Schulträger sein Einverständnis geben, der Schulvorstand abstimmen und demnächst legt die Schulleiterin der Gesamtkonferenz noch ein Konzept vor. Außerdem ist Karimi bei der Gemeindeunfallversicherung versichert. Er ist jetzt ein Diensthund. Barbara Kiewning freut sich über die positiven Rückmeldungen der Eltern und hat genaue Vorstellungen, wie sie ihren Hund einsetzen will. Das geschieht erstmal nur in ihrer Klasse.

„Der Hund muss natürlich gehorchen, das ist die Voraussetzung, aber die Begleithundeprüfung haben wir schon vorher gemacht. Außerdem werde ich ihn nie mit Kindern alleine lassen, das versteht sich von selbst.“ Und auch die Kinder müssen Bescheid wissen. Sie sollten nicht alle auf ihn zustürzen, sondern ihn immer nur allein oder höchstens zu zweit streicheln und anfassen. Ein Hund sei eben kein Kuscheltier. „Der Unterschied zwischen einem Kuscheltier und einem Hund ist, dass der Hund ein Gehirn im Kopf hat und das Kuscheltier nur Holzwolle“, meinte ein Schüler von Barbara Kiewning auf ihre Frage zum Unterschied recht treffend. Als Vorbereitung für Karimis Einsatz in der Klasse 3a lernen die Kinder nun alles über dieses Haustier und wie man am Besten mit ihm umgeht. Wenn es dann losgeht läuft der Unterricht eigentlich wie immer, nur dass Karimi eben mit im Klassenraum ist. Wer mal ein Pause braucht, streichelt ihn kurz. Schon seine Anwesenheit lockert die Atmosphäre, baut Aggressionen ab. Der Lärmpegel sinkt, der Unterricht läuft harmonischer. Inzwischen gibt es zahlreiche Untersuchungen zur segensreichen Wirkung eines Hundes im Klassenraum. (ww.schulhund.web.de oder Schulhund-hof.de). Einige Hunde sind wohl auch sehr sensibel, was das Erspüren von Missstimmung oder Traurigkeit bei Kindern angeht.

„Ich bin mit Karimi in der Klasse einer sehr skeptischen Kollegin gewesen. Er legte sich gleich neben den Tisch eines bestimmten Schülers. Es war ausgerechnet der Klassenbeste und ich dachte schon, das sei ja total daneben gegangen. Die Kollegin allerdings war begeistert, denn der Junge war es gewohnt, nur allerbeste Noten zu schreiben und hatte zum ersten Mal eine schlechte Arbeit geschrieben und eine schlechte Note bekommen.Er war frustriert und traurig.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen