Biber in Sückau : Kann ein Rohr den Biber täuschen?

Hans-Jürgen Völz (l.)  und Wilhelm Siefert sehen sich die Stelle an.
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Hans-Jürgen Völz (l.) und Wilhelm Siefert sehen sich die Stelle an. 

Eine Biberfamilie staut an der Landesgrenze zu MV so viel Wasser an, dass angrenzende Flächen vernässt oder überschwemmt werden

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31. März 2016, 06:30 Uhr

Er hat sich eine strategisch herausragende Stelle ausgesucht. Der Biber beziehungsweise seine Familie und er habe genau an der Landesgrenze zu Mecklenburg einen veritablen Damm errichtet: von Osten kommt die neue Sude, von Norden ein Entwässerungsgraben und von Süden ein zweiter Entwässerungsgraben. Das Wasser soll hier abfließen, erst weiter in die neue Sude und dann zwischen Preten und Besitz in die Sude hinein. Kann es aber nicht. Der Biberdamm staut das Wasser zurück, die angrenzenden Flächen werden vernässt, auf einem nassen Acker wächst nichts, Ernteverluste sind programmiert.

Biber sind aber durch das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Man darf nicht einfach einen von ihnen gebauten Damm oder eine Biberburg zerstören. Bei Rosien hat trotzdem jemand mal versucht, den Biber durch die Zerstörung seines Dammes zu vertreiben. Hat aber nichts genützt, er hat einfach wieder an gleicher Stelle einen neuen Damm gebaut. An dieser Stelle nun kommt der „Bibertäuscher“ ins Spiel. Das ist ein insgesamt sechs Meter langes Rohr mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern und zwei abknickenden kurzen Teilen an den Enden. Hier soll das Wasser ablaufen, möglichst ohne zu plätschern, denn das mag der Biber nicht. Der Neuhauser Deich- und Unterhaltungsverband ist für die Unterhaltung der Gewässer zweiter Ordnung verantwortlich. Als solcher muss er dafür sorgen, dass das Wasser abfließt. „Wir sind natürlich über den Damm nicht glücklich, aber gezwungen, ihn, zu dulden“, so Verbandsvorsteher Wilhelm Siefert. Der NDUV hat beim Landkreis den Antrag gestellt, mit Hilfe des Bibertäuschers zu versuchen, den Nager zu vertreiben. Sollte das nicht gelingen, ersucht der Verband um die Genehmigung, den Damm entfernen zu dürfen.

Ein Bescheid über den Antrag ist bisher nicht eingegangen, wohl aber haben sich Vertreter der Naturschutzbehörde, der beiden Biosphärenreservate (MV und Niedersachsen) und der Wasser- und Bodenverbände mit dem NDUV an besagter Stelle getroffen, um sich über den Einbau des Rohres abzustimmen. Die Kosten für das Rohr – immerhin 1000 Euro – muss der Deich- und Unterhaltungsverband tragen.

Die Biber stauen das Wasser an, damit der Eingang zu ihrer Burg – die übrigens noch nicht gefunden wurde – unter der Wasseroberfläche liegt. Man wird sehen, ob sie sich durch das Rohr auch wirklich täuschen lassen.

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