Wittenburg : Kampf unter Flüchtlingen eskaliert

Betten und Müll stapeln sich jetzt auf einem Innenhof.
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Betten und Müll stapeln sich jetzt auf einem Innenhof.

Sieben Streifenwagen in Wittenburg im Einsatz, um zwei tatverdächtige Syrer nach Raub festzunehmen

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29. Juni 2016, 21:00 Uhr

Mit sieben Einsatzwagen und fast 20 Beamten hat die Polizei nach einem schweren Raub am Dienstagabend in der Zuwandererunterkunft am Wölzower Weg in Wittenburg eingegriffen. „Zwei syrische Flüchtlinge sollen einen 31-jährigen Landsmann mit einem Messer bedroht und zunächst die Herausgabe von Bargeld gefordert haben. Schließlich raubten die Täter das Smartphone des Opfers. In diesem Zusammenhang sollen die Tatverdächtigen mehrfach auf ihr Opfer eingeschlagen und eingetreten haben“, beschreibt die Polizei.

Zeugen, mit denen SVZ sprach, hatten nach lautem Geschrei die Polizei alarmiert. Die riegelte die Unterkunft ab und suchte nach den Verdächtigen. Bei der vorläufigen Festnahme kam es dann zu Rangeleien und zu einem Angriff auf die Beamten durch einen Jugendlichen, der mit den Verdächtigen verwandt sein soll. Er warf mit einem Stuhl nach der Polizei und wurde ebenfalls vorläufig festgenommen. Der Einsatz der Polizei war von etlichen Schaulustigen auf der Straße beobachtet worden.

Während der Jugendliche, zwischen 16 und 18 Jahre alt, gestern wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, stand die Vernehmung der beiden Verdächtigen gestern bei Redaktionsschluss noch aus.

Am Morgen danach war die Stimmung bei den Betreuern in der Unterkunft und auch bei Jürgen Baumgarten, dem die Unterkunft gehört, sehr gedrückt. Denn der Streit vom Vorabend war nur der Höhepunkt eines offenkundigen Machtkampfes zwischen den Syrern. Denn bei dem 31-jährigen Opfer, der mit Hämatomen und Prellungen davonkam, handelt es sich ausgerechnet um den Vertrauten Baumgartens, der seit Monaten als Übersetzer und Vermittler tätig war. Von ihm wollten die beiden Verdächtigen 1000 Euro haben, bevor sie auf ihn einschlugen.

„Es ist so furchtbar, was passiert ist. Dabei sind es wirklich nur wenige, die Probleme bereiten, die anderen machen hier wirklich mit“, ließ sich Erika Deetz entlocken, die zu den Betreuern der Flüchtlinge unter dem Dach der Awo gehört. Verantwortlich für die Unterkunft, in der aktuell etwas mehr als 50 Flüchtlinge mit verschiedenem Status untergebracht sind, ist der Landkreis. Der hatte gestern auch gleich einen verantwortlichen Mitarbeiter geschickt, um die Lage zu klären. Und die ist kompliziert, denn offenbar ist die Unterkunft in der Nacht zum Mittwoch regelrecht verwüstet worden. Zerschnittene Bilder, zerschlagene Scheiben, überall Müll und Dreck, Betten, die auf dem Hof stehen, Kleiderhaufen bieten ein übles Bild. Noch vor Tagen hatte die Unterkunft einen völlig anderen Eindruck hinterlassen.

„Ich bin ziemlich traurig, über das, was hier in den vergangenen Tagen passiert ist“, zog Jürgen Baumgarten eine erste Bilanz. Einen Abend zuvor, so berichtete er gestern, sei er von dem einen Tatverdächtigen mit einem Küchenmesser bedroht worden. „Es ist nur nichts passiert, weil ihn sechs Flüchtlinge festgehalten haben und ich rückwärts aus der Küche ging. Die Masse der Bewohner steht hinter mir, aber es reichen einige wenige, um so etwas zu veranstalten. Nach meiner Meinung geht es hier um einen Machtkampf, wo wenige die Gruppe beherrschen wollen.“

Baumgarten schätzte nach einem ersten Rundgang kopfschüttelnd den entstandenen Schaden auf mehr als 10 000 Euro. Entsprechende Anzeigen hat er erstattet.

Der Stress hatte nach SVZ-Recherchen schon am vergangenen Wochenende begonnen. Da hatten Unbekannte ein Rolltor offen gelassen, so dass bei dem Starkregen viel Wasser in die Flüchtlingsunterkunft drang. Einen Abend später lagen alle Bewohner draußen und entzündeten in unmittelbarer Nähe einer Halle, in der feuergefährliche Materialien lagern, ein Feuer. Die Polizei kam und beendete die gefährliche Aktion. Auch da kam es schon zu ersten Widerstandshandlungen gegen die Polizei. Und so schaukelte sich die Situation hoch.

Im Ergebnis erfuhr Baumgarten, dass es von den Flüchtlingen nun auch noch Morddrohungen gegen ihn gäbe. Für ihn stand gestern fest, dass es die Unterkunft dennoch weiter geben soll. „Nur die beiden, die hier Stress gemacht haben, die will ich hier nicht mehr sehen“, erklärte der Unternehmer, der künftig nur noch mit Begleitung in die Unterkunft gehen will. Welche Folgen eine mögliche Verurteilung der Verdächtigen für deren Abschiebung hätte, darauf wollte sich die Schweriner Staatsanwaltschaft noch nicht festlegen.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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