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Blau-Kreuz-Gruppe Wittenburg : Kampf gegen die Dämonen eint

vom
Aus der Onlineredaktion

Seit drei Jahren leitet Torsten Chirkowski die Blau-Kreuz-Gruppe in Wittenburg und Umgebung. Er selbst ist seit zehn Jahren trocken.

Nur selten erfährt man aus erster Hand, wie derjenige Tag im Leben eines Trinkers ist, an dem er der Droge abschwört. Wie es zu dem Entschluss kommt, dem „Kumpel“ Alkohol zu entsagen, der ihm so viele Jahre die Kontrolle über sein Leben nahm. Ein Vierteljahrhundert habe er dem Alkohol zugesprochen, bevor er begriffen habe, dass es so nicht weitergehen könne. „Dieses Gift vernichtet Existenzen und zerstört ganze Familien. Diese Einsicht hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet“, sagt Torsten Chirkowski heute. Die Entgiftungsphase sei hart gewesen, erinnert sich der 52-Jährige, der sich damals selbst in die Klinik eingewiesen habe. „Aber ich war völlig am Ende“, gesteht der gebürtige Wittenburger im SVZ-Gespräch. Danach beginne zwangsläufig die Auseinandersetzung mit sich selbst. „Irgendwann erkennst du, dass du dich viel besser fühlst, ohne Alkohol. Damit gehörst du dann aber auch einer Minderheit an. Denn im Trinken sind wir Deutschen leider Weltspitze, rund zwei Millionen gelten hierzulande als alkoholkrank. Etwa 75 000 bis 80 000 Frauen und Männer sterben jährlich an den Folgen“, berichtet Chirkowski, der 2006 zum Blauen Kreuz fand. Seit drei Jahren ist er sogar in der Ortsgruppe Wittenburg als Gruppenleiter tätig. Alle 14 Tage donnerstags um 19 Uhr finden die Treffen der Blaukreuzler im Gemeindehaus der St. Bartholomäus-Kirche statt. „Als ich das erste Mal die Gruppe für Wittenburg und Umgebung besuchte, die Helmut Reiter aus Bantin seit über 20 Jahren betreute, war mir ganz schön mulmig zumute. Ich hatte Schwellenangst, doch die verlor sich mit der Zeit. Als ich hörte, dass die anderen gegen die gleichen Dämonen ankämpfen müssen, nahm mir das die Angst. Ich merkte, dass ich nicht alleine dastand. Dieser tägliche Kampf gegen die Sucht eint uns. Wir sind etwa 20 Leute, die sich regelmäßig treffen. Das hilft mir und den anderen und ich fand in der Gruppe Anerkennung.“

Seit nunmehr zehn Jahren ist Torsten Chirkowski trocken. Sein zuvor chaotisches Leben hat er mittlerweile sortiert, arbeitet als Maschinist und Kraftfahrer. Auf seine beiden gescheiterten Ehen ist er nicht besonders stolz, kann aber heute verstehen, dass sie kaputt gehen mussten. Über eine neue Beziehung zu einer Frau habe er lange nachgedacht. Jetzt wäre er wieder soweit.

„Ich sagte mir heute oft genug, ich brauche keinen Alkohol. Ein Leben ohne ihn ist am schönsten“, betont Chirkowski. Dass er wieder einen guten Kontakt zu seinen Kindern habe, erfülle ihn mit Stolz. „Schließlich ist Familie das Größte für mich.“

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