Hagenow : Kameraden beruflich im Abseits

Zum Teil sind Kameraden - wie hier bei einem Brand in Karft - mehr als 24 Stunden im Einsatz. Ein Problem für Arbeitgeber.
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Zum Teil sind Kameraden - wie hier bei einem Brand in Karft - mehr als 24 Stunden im Einsatz. Ein Problem für Arbeitgeber.

Kreiswehrführer Uwe Pulss sieht Probleme für Feuerwehrleute bei der Jobsuche. Ehrenamt von Bewerbern häufig verschwiegen

svz.de von
07. September 2017, 20:40 Uhr

Sie gehen für uns im wahrsten Sinne durchs Feuer, schneiden Verunfallte aus Autowracks, retten Menschen aus luftiger Höhe oder verhindern Großbrände - Feuerwehrleute geben im Ehrenamt volles Engagement. Doch gereicht ihnen das beruflich zum Nachteil? Das zumindest nimmt Kreiswehrführer Uwe Pulss an. Nach seiner Meinung haben es Kameraden bei der Jobsuche häufig schwerer, weil sie durch ihre Einsätze weniger zuverlässig planbar seien als normale Arbeitnehmer. „Mir selbst ist das passiert. Ich habe eine neue Arbeit gesucht und als zur Sprache kam, dass ich in der Feuerwehr sehr aktiv bin, fiel die Entscheidung gegen mich. Das sagt einem niemand direkt, aber es liegt auf der Hand“, so der Kreiswehrführer.

Und Pulss wird noch deutlicher. „Es ist so, dass ich im gesamten Kreis mit vielen Kameraden ständig im Austausch bin. Und mittlerweile ist es so, dass viele Feuerwehrmänner in ihren Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen ihr Ehrenamt verschweigen, damit sie sich nicht direkt ihre Chancen verbauen.“ Gemeint sind auf der anderen Seite in erster Linie kleinere und mittelständische Unternehmen, deren Entscheidungen Pulss sogar nachvollziehen kann. „Hier geht es um Aufträge und Arbeitsleistungen, die geschafft werden müssen. Wenn dem kleinen Tischler aus seinem Betrieb drei von fünf Leuten fehlen, bekommt er Probleme. Da genügt es nicht, dass der Lohn vom Staat übernommen wird. Ein Auftrag kann dann weg sein oder die Verzögerung bringt Ärger. Großunternehmen haben es da häufig einfacher.“

So äußert sich Christian Saßmannshausen, der Geschäftsführer von Brüggen in Lübtheen, eines der größten Unternehmen im Landkreis, auch in eine völlig andere Richtung. „Wir stellen sogar bevorzugt Kameraden ein. Nicht nur wegen ihrer technischen Fähigkeiten. Feuerwehrleute sind teamfähig, zeigen oftmals ein höheres Engagement als andere und zudem hat man die Sicherheitskräfte dann im eigenen Haus. Dass sie mal ausfallen, ist eben so. Wenn ich mit dem Auto am Baum lande, möchte ich ja auch, dass mich möglichst schnell jemand freischneidet“, sagt Saßmannshausen.

Der Kreiswehrführer kennt die Meinung vieler großer Unternehmer, die die Arbeit seiner Kameraden wertschätzen. „Häufig bekommen wir aus diesen Reihen ja sogar Spenden. Insgesamt ist das Image der Feuerwehr auch besser geworden. Allerdings bleibt die Jobsuche in der Region zum Teil ein Problem“, so Pulss.

Kommentar von Mario Kuska: Geben und Nehmen!
Nachvollziehbar ist es, was Uwe Pulss hier in die Diskussion bringt. Es darf doch gesellschaftlich nicht sein, dass sich ehrenamtliche Lebensretter durch ihren Dienst an der Allgemeinheit beruflich in Misskredit bringen. Und dann muss es eben staatlich noch eine weitere Ausgleichsmöglichkeit geben, um den kleinen und mittelständischen Unternehmen den Ausfall der beschäftigten Feuerwehrleute schmackhaft zu machen. Schlimmer wäre es doch, wenn sich immer weniger Freiwillige fänden, die bereit sind, in der Freizeit und während der Arbeit ihren Dienst in der Feuerwehr zu leisten. Andererseits gilt es auch für kleinere Firmen genau hinzuschauen. Nicht nur auf jeden Cent zum Überleben in einem umkämpften Markt, sondern auch auf die tatsächlichen Zeiten, die ein Angestellter wegen möglicher Einsätze verpasst. So viel ist das in der Regel nämlich gar nicht. Schön, dass es „Denker“ wie den Brüggen-Chef gibt.
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