Zarrentin : Kaiserbahn auf dem Prüfstand

Züge im Schienengüterverkehr bringen derzeit Splitt für den Autobahnbau in Gudow und werden mittels Bagger am Zarrentiner Bahnhof auf Laster umgeladen. Ein Dutzend weitere Züge sollen voraussichtlich nach dem 25. September folgen. Thorsten Meier
Züge im Schienengüterverkehr bringen derzeit Splitt für den Autobahnbau in Gudow und werden mittels Bagger am Zarrentiner Bahnhof auf Laster umgeladen. Ein Dutzend weitere Züge sollen voraussichtlich nach dem 25. September folgen. Thorsten Meier

Der Planungsverband TGG prüft die Wirtschaftlichkeit der 27,5 Kilometer langen historischen Kaiserbahn, die derzeit mehr Last als Lust ist.

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04. September 2012, 06:42 Uhr

Zarrentin | Der alte Bahnhof lebt: Zumindestens dieser Tage. Denn 12 Züge im Schienengüterverkehr bringen Splitt für den Autobahnbau in Gudow und werden mittels Bagger auf Laster umgeladen. Ein Dutzend weitere Züge sollen voraussichtlich nach dem 25. September folgen. Eisenbahnbetreiber ist die TME-Torsten Meincke Eisenbahn GmbH.

"Wir freuen uns über jede Zugfahrt, die auf der alten Kaiserbahn stattfindet. Es werden von Jahr zu Jahr auch mehr", sagt Dirk Schiewer. Er erledigt die Geschäftsführung des Planungsverbandes Transportgewerbegebiet, kurz TGG, Valluhn/Gallin, der diese Aufgabe an das Amt Zarrentin übergeben hat. 2004 habe der Planungsverband die rund 27,5 Kilometer lange Strecke zwischen Hagenow-Land und Zarrentin gekauft, nachdem die Deutsche Bahn sie aufgegeben hätte, erinnert sich Schiewer. "Damals hatte die Firma Tchibo signalisiert, dass sie auch eine bahnmäßige Anbindung an das Gewerbegebiet möchte. In einer Wirtschaftlichkeitsprüfung im Jahre 2005/2006 ist das Unternehmen jedoch zu dem Ergebnis gelangt, dass die Straße wirtschaftlich immer noch Vorrang habe", berichtet Schiewer weiter. Deshalb gäbe es heute keine konstante Streckenbelegung. Trotzdem müsse der Planungsverband die öffentliche Strecke instand halten, um zu gewährleisten, dass sie jeder jederzeit nutzen könne. "Allein die laufenden Kosten betragen dafür jährlich rund 80 000 Euro. Die Investitionen kommen noch extra. Die Strecke ist derzeit leider mehr Last als Lust für uns. Ein Kostenfaktor, der auf den Prüfstand gehört." Sollte es mittel- oder langfristig gesehen keine Signale geben, müsse man als Planungsverband ernsthaft darüber nachdenken, ob die Strecke nicht aufgegeben oder zumindestens in andere Hände gegeben werden solle. "Dazu wollen wir auf jeden Fall einen Bahnlogistiker mit einbeziehen, um Fragen der Wirtschaftlichkeit zu klären. Auch die Wirtschaftsförderung und die IHK sollen die Möglichkeiten mit ausloten." Eine Aufrechterhaltung des Schienenstranges um jeden Preis werde es nicht geben.

Kaiserbahn wurde ein Opfer der deutsch-deutschen Teilung

Wenn Infrastruktur erst mal da sei, werde sie auch genutzt, glaubte Schiewer, wie so viele andere Enthusiasten vor neun Jahren noch. So sah das wohl auch Kaiser Wilhelm II., als er geruhte, die Strecke zu erfinden. "Die Welt steht im Zeichen des Verkehrs", sprachen Seine Majestät 1891 und gaben die direkte Verbindung zwischen der Reichshauptstadt Berlin und dem Reichskriegshafen Kiel in Auftrag. Seine Hoheit habe ein Lineal auf die Landkarte gelegt, so wird überliefert, und einen Strich von Neumünster im Nordwesten nach Hagenow im Südosten gezogen. Nur sechs Jahre später wurde die 123,2 Kilometer lange Verbindung eröffnet und ermöglichte Fahrzeiten von weit unter sechs Stunden zwischen Spree und Förde. Und weil Wilhelm II. mindestens einmal im Jahr, zur Kieler Woche, mit seinem Sonderzug hin und her dampfte, hieß sie im Volksmund rasch die Kaiserbahn.

Doch Räder rollen seit langem nur noch auf dem Teilstück zwischen Neumünster und Bad Oldesloe, wo die Nahverkehrszüge der Nordbahn pendeln. Denn die Kaiserbahn wurde ein Opfer der deutsch-deutschen Teilung. Auf mecklenburgischer Seite liegen die Gleise nur noch östlich von Zarrentin, wobei auf den knapp 28 Kilometern bis nach Hagenow Land, wo die Hauptroute zwischen Hamburg und Berlin verläuft, nur noch ab und an museale Schienenbusse fahren. Oder jetzt eben Gütertransporte, die Baumaterial auf den Gleisen heranschaffen.

"Deshalb brauchen wir jetzt klare Aussagen darüber, ob diese Strecke von den rund 30 Firmen im Gewerbegebiet noch genutzt werden soll, oder nicht", bekräftigt Schiewer und hat dabei besonders Großfirmen wie Tchibo, Edeka, Bettenwelt und DS im Blick. Des Kaisers neue Gleise werden also wohl noch so einige Gemüter beschäftigen.

Übergang Pampriner Siedlung bis Jahresende wieder sicher

Apropos Gemüter: Die erregen sich momentan wegen des Bahnüberganges Pampriner Siedlung. "Die Sanierung ist weitgehend abgeschlossen. Doch die Signaltechnik konnte noch nicht in Betrieb genommen werden, weil ein Kabel fehlt", erklärt Dirk Schiewer die Misere. Falls ein Zug komme, fahre dieser bis an den Überweg, hupe und begebe sich bis zur Mitte. "Kein Zug rast hier durch. Trotzdem sollten Eltern mit ihren Kindern über das Problem reden und sie zur besonderen Wachsamkeit anhalten. Wir gehen davon aus, dass bis Jahresende diese Sicherheitslücke geschlossen sein wird."

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