Boizenburg : Kaffee, Sekt und Orgelspiel

Kantor Napoleon Salvelli verzauberte am Mittwochmorgen Till Backhaus, Ruth Hasemann, Vertretungspastorin Anja Fischer, seinen Sohn, Hannelore Hoffmann vom Kirchgemeinderat und Katrin Loonstra (v. l. n . r.) mit seinem Spiel, trotzdem die Friese-Orgel sehr sanierungsbedürftig ist.
Kantor Napoleon Salvelli verzauberte am Mittwochmorgen Till Backhaus, Ruth Hasemann, Vertretungspastorin Anja Fischer, seinen Sohn, Hannelore Hoffmann vom Kirchgemeinderat und Katrin Loonstra (v. l. n . r.) mit seinem Spiel, trotzdem die Friese-Orgel sehr sanierungsbedürftig ist.

Till Backhaus ist emsig unterwegs in seinem Wahlkreis/Private Spende für die Orgelsanierung in St. Marien übergeben

svz.de von
10. August 2016, 21:00 Uhr

Auch wenn Landwirtschafts- und Umweltminister Till Backhaus beim Besuch in der Boizenburger St. Marienkirche gestern betonte, dieser Termin gehöre nicht zum Wahlkampf - seine rote Jacke mit dem Aufdruck SPD hatte er selbst dort an. Trotzdem wurde schnell klar, dass ihm die Übergabe seiner privaten Spende für die dringend notwendige Sanierung der einzigartigen Friese-Orgel von St. Marien sehr am Herzen liegt. „Ich habe sehr persönliche Erinnerungen an die St. Marienkirche“, erzählte er den Anwesenden bei einem Sektfrühstück mit Orgelandacht. „Als es 1995 hieß, das Krankenhaus Boizenburg kann nicht erhalten werden, trat ich ja mit einigen anderen in den Hungerstreik. Die Marienkirche hat uns aufgenommen, sechs Tage haben wir auf der Empore rechts hinter dem Altar verbracht.“

Die Aktion erzeugte ein überwältigendes Echo in der Bevölkerung, 11000 Menschen demonstrierten damals auf dem Marktplatz, bis das Sozialministerium sich entschied, den Krankenhausstandort Boizenburg zu erhalten.

„Und heute geht es dem Krankenhaus gut. Es hat seitdem vielen Menschen das Leben gerettet“, so Till Backhaus, der selbst aus einer Arztfamilie in Neuhaus stammt.

Auf die Frage, ob er sich als religiös bezeichnen würde, meinte der Minister: „Wenn man die Bibel, die Bergpredigt und die zehn Gebote beherzigt, kommt man gut durchs Leben, finde ich. Für mich ist das ein philosophischer Ansatz, wie man mit Menschen gut umgehen kann.“ Zu den Werten wie solidarisches Miteinander, die die Kirche vermittle, habe er großes Vertrauen. Wie hoch seine Spende ist, wollte Till Backhaus nicht verraten.

Die Orgel in der Boizenburger St. Marienkirche wurde 1892 als letztes Instrument des wichtigen Mecklenburger Orgelbauers Friedrich Friese III. (1827-1896) gefertigt. Sie ist auch die letzte zweimanualige Orgel in Mecklenburg, danach wurden hier nur noch pneumatische Orgeln hergestellt.

„Dieses Instrument ist kein Mercedes unter den Orgeln, sondern eher ein Ackergaul, der beharrlich und stark seine Arbeit macht“, meinte die Vorsitzende des Kirchgmeinderates Ruth Hasemann. Die Sanierung der Orgel sei dringend nötig, weil sich unter anderem Schimmelpilz in den Pfeifen breit macht, von denen die kleinste vier Millimeter und die größte knapp fünf Meter lang ist. Außerdem funktionieren verschiedene Metallteile nicht mehr, die die Tastenanschläge auf die Pfeifen übertragen und so Töne erzeugen. Rund 100  000 Euro wird die Sanierung insgesamt kosten, ein Drittel davon muss die Kirchgemeinde selbst aufbringen und ist deshalb auf Spenden angewiesen. 5  000 Euro sind bisher zusammen gekommen.

Wer für die Orgel spenden möchte, kann dies auf das Konto der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin unter IBAN DE58 1405 2000 1650 0010 33 mit Angabe des Verwendungszwecks „Orgelspende“ tun.

Am Nachmittag sprach Till Backhaus bei Brettspiel, Kaffee und Kuchen mit den Jugendlichen im Boizehaus, zu denen derzeit neun minderjährige unbegleitete Flüchtlinge gehören.

„Zwei unserer 16 Plätze sind gerade nicht belegt“, erläuterte Silke Mensch, die Leiterin der Einrichtung des IB. Derzeit seien viele Jugendliche gerade Verwandte besuchen. Einige wie Bashar (17) aus Syrien arbeiten aber auch in Ferienjobs, um sich kleine Wünsche erfüllen zu können.

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